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Ostholstein Eutin trauert um Friedrich Knutzen
Lokales Ostholstein Eutin trauert um Friedrich Knutzen
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21:23 25.10.2013
Eutins Altbürgermeister Friedrich Knutzen an seinem 80. Geburtstag. Jetzt erlag er einer schweren Krankheit. Quelle: Eckhard Meier

Ostholsteins Kreisstadt hat eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten verloren. Friedrich Knutzen ist am vergangenen Sonntag einer schweren Krankheit erlegen, gegen die er jahrelang mit bewundernswertem Lebensmut und beispielhaftem Optimismus gekämpft hat. Eutins Altbürgermeister wurde 83 Jahre alt.

Er wird als ein Verwaltungschef in die Geschichte eingehen, der wie kein anderer das moderne Eutin geprägt hat. Lang ist die Liste jener Projekte, die unter Knutzens Federführung in der Zeit von 1966 bis 1984 durchgesetzt wurden. Hinzu kommen weitere Vorhaben, die er auf den Weg brachte und deren Realisierung er als Ruheständler voller Freude miterleben durfte — wie beispielsweise diverse Straßenbauvorhaben, durch die Eutin endlich den Ruf als „Stadt im Stau“ wieder loswurde.

Ältere Einwohner Ostholsteins erinnern sich noch gut an einen Geniestreich des Eutiner Bürgermeisters, mit dem er 1970 im Wirbel der Gebietsreform seiner Stadt das so wichtige Prädikat des Kreissitzes sicherte. In der alles entscheidenden Anhörung vor dem Kieler Landtag bemühte Knutzen Meyers Lexikon von 1896: Dort, so argumentierte er, seien Eutin 14 Seiten gewidmet — Oldenburg indes lediglich zwölf Zeilen. Das Ergebnis ist bekannt: Mit einer Stimme Mehrheit gewann Eutin das Rennen um den Sitz des Kreises Ostholstein. Und das, obwohl der damalige Ministerpräsident Helmut Lemke bereits öffentlich versprochen hatte, Oldenburg werde Kreisstadt.

Die Folgen eines unverschuldeten schweren Verkehrsunfalls im städtischen Dienstwagen im Frühsommer des Jahres 1978 veranlassten Friedrich Knutzen, 1984 auf eine erneute Bürgermeister-Kandidatur zu verzichten und sich stattdessen in den so genannten Ruhestand zurückzuziehen. Denn Ruhe fand er keine — und er hat sie wohl auch nicht gesucht. Stattdessen engagierte sich der ambitionierte Vogelschützer und bekennende Computerfreak ehrenamtlich. Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel, schlug die große Stunde des Pensionärs: Vorbehaltlos unterstützt von seiner Ehefrau Gisela leistete er Hilfestellung beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung in Eutins neuer Partnerstadt Putbus auf Rügen. Mehr als vier Jahre lang lebten beide auf der Insel, bis sie ihre Arbeit als abgeschlossen betrachteten und in ihr Haus mit dem wunderschönen Blick über Eutins Altstadt zurückkehrten.

Wenn Gisela und Friedrich Knutzen durch „ihre“ Stadt gingen, dauerte es stets etwas länger. Genauso bescheiden und freundlich, wie er als Chef der Verwaltung agiert hatte, kommunizierte der Altbürgermeister mit den Einwohnern, von denen viele auch fast drei Jahrzehnte nach seinem Abschied aus dem Rathaus regen Anteil an seinem Leben nahmen.

Friedrich Knutzen wird fehlen. Er hat sich um das Eutin von heute verdient gemacht.

Eckhard Meier

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