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Ostholstein Eutin will die Innenstadt durch Testlauf spürbar beruhigen
Lokales Ostholstein Eutin will die Innenstadt durch Testlauf spürbar beruhigen
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11:20 06.01.2016
Noch rollt der Verkehr durch Schlossstraße und Rosengarten — das könnte ab Ende März vorbei sein. Quelle: Fotos: Benthien
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Eutin

Rund 50 Prozent des Verkehrs in diesem Straßenzug sei als — aus der Lübecker Straße kommender — sogenannter motorisierter Individualverkehr (MIV) zu bewerten, argumentiert die Bauverwaltung. Das hätten Zählungen Ende 2013 sowie im vergangenen November ergeben. Die beabsichtigte Beruhigung der Straßen findet sich bereits im Dezember 2013 von der Stadt beschlossenen Sanierungskonzept samt Verkehrskonzept. Letzteres sieht vor, die Aufenthaltsqualität im Bereich Rosengarten/Schlossstraße durch eine „Unterbrechung“ zu verbessern. Dies könnten zum Beispiel versenkbare Poller sein, die elektronisch zu bedienen sind. Busse und Taxen hätten somit „freie Fahrt“. Möglicher Standort der Poller: direkt am Übergang der Schlossstraße in den Rosengarten. In der Testphase würde die Einbahnstraßenregelung sowohl im Rosengarten und der Schlossstraße als auch in der Stolberg- und Lübecker Straße aufgehoben, damit einhergehend würden im Innenstadtbereich 47 Parkplätze wegfallen.

Diese Vorschläge hatte dem Eutiner Stadtentwicklungsausschuss der Verkehrsplaner Professor Herbert Staadt unterbreitet, der das innerstädtische Verkehrssystem 2013 untersuchte. Seine Argumentation damals: Die Fußgänger sollten Vorrang bekommen, was zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beitrage. Die hohe Kfz-Belastung werde reduziert, denn bei Gegenverkehr käme der Verkehr häufiger ins Stocken, und das ließe Autofahrer auf andere Straßen ausweichen.

Staadt wird auch morgen Abend die Zählungen interpretieren und das mögliche Vorgehen erklären.

Die Geschäftsleute im Rosengarten und in der Schlossstraße sind gespalten, was die Testphase angeht. Jens-Uwe Dankert, FDP-Stadtvertreter, tourte gestern durch die Läden und verschaffte sich ein Meinungsbild: „Einige sind dafür, einige dagegen, einigen ist es . . . egal. Aber alle sind verstimmt, weil sie sich von der Stadt nicht mitgenommen fühlen.“

Jörg Langowsky („Neuseeland“) ist entschieden gegen eine geänderte Verkehrsführung: „Das geht gar nicht. Als hier vor einigen Jahren die Städtischen Betriebe über zig Monate am Stadtgraben gearbeitet haben, war das fast tödlich für die Händler.“ Marion Bogs (Druckerei Bogs) sagt: „Ich bin mir über die Auswirkungen noch nicht ganz im Klaren. Aber ich sorge mich um die Anlieferung, wir bekommen palettenweise Papier. Ob das dann noch problemlos möglich sein wird?“ Auch dass die Testphase „ad hoc zur Landesgartenschau“ stattfinden solle, betrachte sie skeptisch.

Karin Struck („Strucks Fashion“) findet „es gut, dass was Neues ausprobiert wird“. Die Arbeiten am Stadtgraben 2009 hätten ihrem Geschäft im Nachhinein betrachtet gute Umsätze beschert. Juwelier Dieter Schönke ärgert sich schon lange über Anwohner, die als Dauerparker den Kunden die Parkplätze wegnähmen. Den Durchgangsverkehr im Rosengarten schätzt er „auf über 90 Prozent. Das ist reine Bequemlichkeit“, sagt er. Die Testphase allerdings in die Zeit der LGS zu legen, halte er für unglücklich. ben

Der Stadtentwicklungsausschuss berät morgen ab 18 Uhr in den Räumen der Bauverwaltung, Lübecker Straße. Einen Beschluss über die Testphase fassen könnte er in der Sitzung am 4.

Februar (gleicher Ort, gleiche Zeit). Eine Informationsversammlung der Bürger beginnt am Montag, 18. Januar, um 19 Uhr im Saal der Bauverwaltung.

LN

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