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Ostholstein Eutin will kaufen — Reif für die Fasaneninsel
Lokales Ostholstein Eutin will kaufen — Reif für die Fasaneninsel
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22:46 24.03.2016
Die Fasaneninsel: Einst wurden dort tatsächlich Fasane gezüchtet.

Eile sei geboten, schilderte eingangs der Sitzung Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz (CDU), am 30. März laufe die Frist ab. Seiner Bitte, „wir möchten das Grundstücksgeschäft mit Ihnen gemeinsam in die Wege leiten“, haben sich nach LN-Informationen nur die Vertreter der Grünen widersetzt. Sie standen einem möglichen Kauf bereits in der Vergangenheit kritisch gegenüber. Fraktionsvorsitzender Eike Diller sagte gestern auf Anfrage: „Wir erkennen an, dass dort die Ursprünge Eutins liegen, aber wir haben das Geld nicht.“

Ein Kauf würde nur die Verschuldung der Stadt erhöhen. Abgesehen davon bräuchte die Stadt einen langen Atem: Der Griebeler Karl-Heinz Schulenburg (91), der die Insel im April 2014 in einer Zwangsversteigerung erwarb, konnte sie wegen andauernder Auseinandersetzungen mit der vorherigen Eigentümerin kaum betreten geschweige denn wie gewünscht nutzen (er beabsichtigte, dort mit seiner Stiftung einen Naturerlebnisraum zu schaffen).

Für 485000 Euro erhielt der Trakehnerzüchter damals den Zuschlag für die Insel. Er soll sie vor kurzem für 610000 Euro an eine Familie aus dem norddeutschen Raum veräußert haben. Wenn die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend macht — das darf sie laut Baugesetzbuch nur dann, wenn das Wohl der Allgemeinheit dies rechtfertigt — muss sie in den bereits geschlossenen Kaufvertrag eintreten. Nach Aussage von Dr. Walther Hemmerling, geschäftsführendes Mitglied der Stiftung Naturschutz (die Karl-Heinz Schulenburg-Stiftung, in die auch die Fasaneninsel eingebracht wurde, wird als Treuhandstiftung von ihr verwaltet) seien damit auch alle Verpflichtungen des Vertrages zu übernehmen, einschließlich des Kaufpreises.

Sollte allerdings der zwischen dem Käufer und der Stiftung vereinbarte Preis den Verkehrswert eklatant übersteigen, bräuchte die Stadt nur den Verkehrswert zu zahlen. Darauf scheint die Stadt zu setzen, die den Gutachterausschuss beauftragt hat. Der von ihm ermittelte Wert der Insel wäre der, für den die Stadt kaufen und Fördermittel beantragen könnte. Ist der Stiftung der Verkehrswert zu niedrig, muss sie nicht darauf eingehen, aber dann vom Verkauf komplett zurücktreten.

Angesichts der jetzt schon hohen Gesamtverschuldung der Stadt — derzeit bei 46 Millionen Euro — welche Summe ist sie bereit, für die Fasaneninsel hinzulegen? „Wir werden uns immer darum bemühen, die Insel zu kaufen, aber nicht um jeden Preis“, bleibt FDP-Fraktionsvorsitzender Jens-Uwe Dankert lieber vage. Auch aus der SPD verlautet, sie würde die Wiege Eutins mit ihren archäologischen Schätzen gern für die Stadt vereinnahmen und sie touristisch erschließen, einen beliebig hohen Preis sei man aber nicht bereit zu zahlen. Zudem sei im Falle eines Kaufes wohl ebenfalls mit einen langen Rechtsstreit zu rechnen.

„Aus meiner Sicht können wir nur bis zu einer förderfähigen Summe mitgehen“, sagt CDU-Fraktionschef Matthias Rachfahl. Im Maßnahmenplan der Stadt ist die Fasaneninsel bislang mit 365000 Euro gelistet. Rachfahl hält die Kaufmöglichkeit für „grundsätzlich attraktiv“. Gerade er hatte aber in dieser Woche auf der CDU-Mitgliederversammlung auf die hohe Verschuldung hingewiesen und angekündigt, nach Einsparmöglichkeiten suchen, alle Zuschüsse beleuchten und freiwillige Leistungen hinterfragen zu wollen.  ben

LN

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