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Ostholstein „Eutin zieht uns an wie ein Magnet“
Lokales Ostholstein „Eutin zieht uns an wie ein Magnet“
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22:19 04.07.2013
Von Ulrike Benthien
In der „Carmen“-Aufführung spielen Sergey Fomenko (v. l.), Thomas Utke und Jerzy Kwika trinkfeste Gesellen, Svetlana Fomenko gehört zum „Zigaretten-Chor“. Als Priester und Volk singen sie in der Mozart-Oper. Quelle: Foto: Benthien
Eutin

Er hat bei den Eutiner Festspielen schon einige Intendanten kommen und gehen sehen: Seit 1996 reist Jerzy Kwika jeden Sommer aus Gelsenkirchen nach Eutin, um mit seiner Tenorstimme den Chor zu verstärken. Siegfried Grote, Jörg Fallheier, Heinz-Dieter Sense, Daniel Kühnel — Kwika (56) hat sie alle erlebt, jetzt arbeitet er im zweiten Jahr mit Dominique Caron. Was bewegt den Sänger dazu, schon im 18. Jahr bei der Eutiner Sommeroper mitzuwirken?

„Es gibt viele Argumente“, sagt er, lacht und zählt auf: „Kunst, Natur, Gesundheit.“ Unter Kunst verbucht er, dass er in jeder Spielzeit anderen Solisten, neuen Regisseuren und Dirigenten begegnet.

Es mag auch eine Kunst sein, mit allen auszukommen, aber das erwähnt er nicht. Kwika sagt: „So erlebe ich immer wieder neue Umsetzungen der Stücke. ,Die Zauberflöte‘ mache ich jetzt zum siebten Mal.

Wir Sänger können gut vergleichen.Wir erkennen die feinen Nuancen, was erfrischend ist . . .“ „. . . oder was verstaubt“, ergänzt sein Kollege Thomas Utke (53). Der Tenor ist ebenfalls jeden Sommer auf der Freilichtbühne anzutreffen, „seit 2007, da haben wir ,Aida‘, ,Hoffmanns Erzählungen‘ und ,Eine Nacht in Venedig‘ gespielt“, weiß der Berliner noch genau. Auch Kwika erinnert sich an seine erste Spielzeit in Eutin: „Es gab ,Die verkaufte Braut‘ und die Operette ,Der Vogelhändler‘.“ Geholt hat ihn damals Intendant Siegfried Grote. „Er stammt ja aus Gelsenkirchen, kannte unser Theater und unsere Qualität und wusste, dass wir die Eutiner gut würden unterstützen können.“

Die Verbindung Eutin-Gelsenkirchen ist bis heute eng. Auch Sergey (50) und Svetlana (46) Fomenko sind aus dem Revier, seit 2006 bereichern der Tenor und die Sopranistin mit Gesang und Spiel die Chorauftritte. Einmal in all den Jahren habe er es erlebt, dass eine Vorstellung wegen Schlechtwetter abgebrochen werden musste, schildert Sergey Fomenko lebhaft: „Das war bei ,Hoffmanns Erzählungen‘.“ „Und im ,Vogelhändler‘ mussten wir einmal unsere Perücken abnehmen und oben ohne singen, weil es so geregnet hat“, ergänzt seine Frau lachend.

Das unberechenbare Wetter im Norden schreckt die vier Sänger nicht. Sie seien gestählt, so wie das Publikum auch. „Eutin zieht uns an wie ein Magnet. Ich habe Herzklopfen, wenn wir anreisen“, sagt Sergey Fomenko, und seine Frau nickt. „Wir haben so viel Spaß hier, treffen nette Menschen und entdecken in unserer Freizeit in der Region jedes Jahr wieder Neues, Sehenswertes.“

Thomas Utke freut sich, „dass rund um die Opernscheune alle mit Feuereifer dabei sind. Es gibt keine Maulerei“. Der freischaffende Künstler, der zu Hause auch an einer Musikschule tätig ist, betrachtet den Festspiel-Sommer für sich als Weiterbildung und beruflichen Ausgleich. „Ich gewinne so viele Eindrücke, erlebe neue Herausforderungen. Das ist eine Motivation, aus der ich Energie für den Alltag schöpfe.“ Hochachtung hat er vor Chorleiterin Gabriele Pott: „Sie bringt den Eutiner Extra-Chor, die Studenten der Musikhochschulen aus Amerika und die Profi-Sänger sehr gut zusammen.“

Ihren zum Teil sehr jungen Kollegen im Festspielchor zollen Sergey Fomenko und Jerzy Kwika Respekt. „Auch die Mitwirkenden in Kinder- und Jugendchor sind großartig. Sie wiederum gewinnen einen Eindruck vom Opernbetrieb“, sagt Utke.

„Wir wissen, dass die Festspiele sehr wichtig für die Stadt sind und sich die Eutiner mit ihnen identifizieren. Ihr Engagement ist spürbar“, bemerkt Kwika. Nur ein Beispiel dafür sind Dutzende Leihfahrräder, die Eutiner den Festspiel-Mitwirkenden zur Verfügung stellen. Die Gelegenheit, die Region per Rad, zu Fuß oder auch mit dem Wagen zu erkunden, nutzen alle vier ausgiebig. Utke wandert gern um den Großen Eutiner See, Fomenkos begeistern sich für die Fünf-Seen-Fahrt, und Kwika, der Geschichte studiert hat, geht auf Friedhöfen auf Spurensuche nach polnischem Adel.

Auch Schirmherr Torsten Albig kommt zur Premiere
Die Premiere von „Carmen“ am kommenden Freitag, 12. Juli, 20 Uhr, ist nahezu ausverkauft. Es gibt nur noch wenige Restplätze (Telefon 045 21/800 10).


Angesagt haben sich für die von Intendantin Dominique Caron inszenierte Aufführung unter anderem: Ministerpräsident Torsten Albig, der Schirmherr der Eutiner Festspiele ist;

Ralph Müller-Beck, Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium; Stefan Studt, Chef der Staatskanzlei; Landtagsvizepräsidentin Anita Klahn (FDP); die Fraktionsvorsitzenden von Grünen und CDU: Lilo von Holt und Johannes Callsen; Abgeordnete des Landtages.


Gäste sind ebenfalls die Botschafter Jozsef Czukor (Ungarn), Dr. Ralph Scheide (Österreich), Pavlo Klimkin (Ukraine); Dr. Fritz Süverkrüp (Honorarkonsul der Republik Österreich); Huno Herzog von Oldenburg und Christian Herzog von Oldenburg; die Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) und Ingo Gädechens (CDU); Dr. Peter Tschentscher (Finanzsenator Hamburg); Kreispräsident und Landrat von Ostholstein: Ulrich Rüder und Reinhard Sager; Kreispräsident und Landrätin des Kreises Plön: Peter Sönnichsen und Stephanie Ladwig; Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz;

Kreistagsabgeordnete, Stadtvertreter, Bürgervorsteher und Bürgermeister der umliegenden Gemeinden.


Eingeladen sind auch Georg-Wilhelm Prinz zu Waldeck-Pyrmont,   Kommandeur der Eutiner Aufklärer; Dr. Robert Walzel, Dekan der School of Music der Kansas University in Lawrence USA;

Inge-Susann Römhild,   Präsidentin der Musikhochschule Lübeck; Dr. Klaus Mader, Präsident des Landesmusikrates; Dr. Michael Paarmann,   Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege; Rolf Teucher, Vorsitzender des Landeskulturverbandes; Dr. Stefan Brandt,   Geschäftsführer der Hamburger Kunsthalle.


Für „Die Zauberflöte“-Premiere am Freitag, 26. Juli, um 20 Uhr, sind Karten in den besten Preiskategorien bereits vergriffen.

Ulrike Benthien

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