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Eutiner Bündnis will Gegenpol zur rechten Szene sein

Eutin Eutiner Bündnis will Gegenpol zur rechten Szene sein

Flagge zeigen – gegen jedwede Äußerungen und Aktivitäten von Rechts. Dass diese sich, von vielen unbemerkt, mal mehr, mal weniger in der Stadt ausbreiten, will das „Eutiner Bündnis für Solidarität und Weltoffenheit“ nicht hinnehmen. Es ruft die Bürger auf, sich zu engagieren.

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„Hören Sie den jungen Leuten zu, die kriegen mit, was los ist!“ Mark Sauer Ratzeburger Bündnis gegen Rechts

Eutin. Aufkleber von Laternenmasten, Ampeln oder Stromkästen zu kratzen, ist für sie eine Daueraufgabe geworden. „Derzeit sind nur einige Sticker aufgefallen, sonst ist es mal wieder ruhig. Das bedeutet leider aber meistens, dass bald wieder etwas Größeres zu erwarten ist“, teilte ein Bündnis-Mitglied den anderen mit.

Anhaltende Bedrohungen

Im vergangenen Jahr war von September bis Dezember eine Vielzahl rechts-nationalistischer Vorkommnisse registriert worden: Hakenkreuze an der Bahnunterführung Plöner Straße, Straßenzüge, die mit Nazi-Parolen versehen waren. Was schlimmer wog: Durch Äußerungen wie „Ich weiß, wo du wohnst“ oder „ich kenne deine Familie“ fühlten sich Schüler und junge Erwachsene von Rechten eingeschüchtert und bedroht. „Das ist auch jetzt noch der Fall, es wurde gerade in der Sitzung des Kriminalpräventiven Rats von Betroffenen bekräftigt“, berichtete eine Teilnehmerin beim jüngsten Bündnis-Treffen.

Alle paar Wochen sitzen sie zusammen und tauschen sich über neue Vorkommnisse aus. „Wir müssen dem Rechtsruck der Gesellschaft etwas entgegenstellen“, „wir wollen zeigen, dass es genug Menschen gibt, die anders denken“ – so lauten überwiegend die Beweggründe, sich dem Bündnis anzuschließen. Mit dabei sind Vertreter verschiedener Parteien und Einrichtungen, Privatleute mittleren Alters und – ganz entscheidend – sehr junge Menschen. „Sie kriegen am meisten mit, was gerade in der Stadt läuft, und sie kennen die rechten Akteure“, sagt ein Bündnis-Aktiver.

Das hat auch Mark Sauer, Sprecher der Stadt Ratzeburg und Aktiver im Ratzeburger Bündnis gegen Rechts, jüngst dem Eutiner Hauptausschuss bestätigt, der ihn auf Anregung der Grünen zu einem Erfahrungsbericht eingeladen hatte. „Hören Sie den jungen Leuten zu, die kriegen mit, was los ist“, riet er Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) auf dessen Frage, wie man denn eine rechte Szene in Eutin beobachten könne. Die Annahme, weil man sie nicht auf der Straße sehe, gäbe es sie nicht, sei falsch, sagt Sauer. Rechtsextreme seien in den neuen Medien aktiv und darüber außerordentlich gut vernetzt. Das bestätigt auch eine Frau vom „Eutiner Bündnis für Solidarität und Weltoffenheit“, die Aufnahmen von sich bei einem Marsch des Friedenskreises im Internet wiederfand.

Als städtisches Problem sehen

Mark Sauer berichtete den Stadtvertretern im Hauptausschuss, wie seine Stadt im Verlauf weniger Jahre, von 2008 bis 2012, begünstigt durch die Nähe zu Mecklenburg- Vorpommern mit einer ausgeprägten rechten Szene, zum „Hotspot“ geworden sei. Das sieht Behnk in Eutin nicht: „Es gibt hier eine Gruppe, die sich belästigt fühlt. Aber wir sind beileibe kein Hotspot oder eine Problemzone.“ Monika Obieray (Grüne) entgegnete: „Wir müssen das ernst nehmen, auch wenn keine Anzeigen erfolgt sind. Das ist ja gerade die Vorgehensweise der Rechten, die genau wissen, wie weit sie gehen können.“

In Ratzeburg habe es zunächst auch eine „nebulöse Struktur“ gegeben, sagte Mark Sauer. „Aber wir haben es schnell zum Thema gemacht und als städtisches Problem angenommen.“ Hilfe habe sich Ratzeburg zunächst beim Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck geholt. Es folgte intensive Präventionsarbeit an Schulen und im Jugendzentrum sowie die Einbeziehung der Zivilgesellschaft. „Die städtischen Protagonisten sind wichtig“, betonte Sauer und berichtete, dass in Ratzeburg von Anfang an sowohl Bürgermeister als auch Pröpstin dabei gewesen seien. Ein Kreis von 100 Menschen, die sich über E-Mail-Verteiler verständigt hätten, seien jedes Mal auf die Straße gegangen, wenn sie Kenntnis davon bekommen hätten, dass die rechte Szene Aktionen plante. „Wenn sie auf der Straße waren, waren wir auch da“, schilderte Mark Sauer.

Schüler sensibilisieren

Auch das „Eutiner Bündnis für Solidarität und Weltoffenheit“ möchte den Eutiner Bürgervorsteher, den Bürgermeister, Pastoren und den Propst sowie weitere Menschen in der Stadt dafür gewinnen, sich an ihren Aktionen zu beteiligen. Entworfen werden gerade Buttons und Aufkleber unter dem Arbeitstitel „Eutin – wir sind weltoffen und tolerant“. Bereits fertiggestellt ist von den Bürgern, „die sich gemeinschaftlich für eine werteorientierte Stadtentwicklung engagieren“, ein Leitfaden. „Wir stehen für Demokratie, Vielfalt und Zivilcourage. Unser Handeln ist gewaltfrei, überparteilich, überkonfessionell“, ist er überschrieben.

Nach den Ferien will das Bündnis an die Eutiner Gymnasien, die Wisser-Schule und die Beruflichen Schulen herantreten und deren Schüler gegen Versuche von Neonazis, Einfluss auf junge Menschen zu gewinnen, sensibilisieren.

Von Ulrike Benthien

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