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Ostholstein Eutiner Festspiele: Generalmusikdirektor wirft hin
Lokales Ostholstein Eutiner Festspiele: Generalmusikdirektor wirft hin
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13:46 20.07.2016
Eutiner Festspiele im Sommer 2015: Fröhlich verbeugen sich Sänger und Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus nach einer Aufführung der Operette „Der Vogelhändler“. Sie wird auch 2016 auf dem Spielplan stehen. Quelle: Peyronnet
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Eutin

Die Eutiner Festspiele müssen sich nach einem neuen Dirigenten umsehen: Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus wird in der kommenden Spielzeit nicht mehr am Pult stehen. Das ließ er am Montag Intendantin Dominique Caron und Geschäftsführerin Sabine Kuhnert per E-Mail über seine Agentur mitteilen. Sabine Kuhnert erfuhr davon allerdings durch eine LN-Anfrage und war „sauer“.

Urs-Michael Theus war 2007 als Gastdirigent nach Eutin gekommen. Seit 2012 fungierte er als Generalmusikdirektor — im selben Jahr hatte Dominique Caron ihre erste Saison als damals noch künstlerische Direktorin. Sie bedauert Theus‘ Entscheidung: „Es hätte mich gefreut, wenn er zur Spielzeit 2016 geblieben wäre. Ich hätte gern den ,Freischütz‘ und den ,Vogelhändler‘ im Landesgartenschaujahr mit ihm gemacht.“ Dass für „Carmen“ ein Gastdirigent geholt werden soll, betrachtet sie als „Vielfalt. Das ist eine wichtige Waffe für die Zukunft.“

Theus bezeichnet diesen Wunsch von Caron als einen Grund für seinen Abschied. Der Gast würde das Stück mit der größten Orchesterbesetzung dirigieren. „Die Aufteilung des Orchester-Budgets wird damit für mich noch unberechenbarer.“ Ohnehin, so sagt er, würden für drei Produktionen mit 20 Vorstellungen mindestens 220000 Euro benötigt. Er habe im Sommer die klare Ansage bekommen, es gebe 200 000 Euro. Bei einem Gespräch Mitte November seien es dann nur noch 185000 Euro gewesen. „Damit kann ich die heraufbeschworene Qualität aus meinem Bereich nicht gewährleisten. Die schrappt in Eutin schon an der unteren Grenze.“

Sein persönlicher Vertrag sei ein weiterer Punkt für ihn, in Eutin aufzuhören, sagte Theus. „Es ist nicht üblich, dass der Dirigent weniger Gage erhält als die bestbezahlte Sängerin.“ Er habe keine Einigung über ein höheres Honorar erzielen können. Diesen Vorwurf lassen Dominique Caron und Sabine Kuhnert nicht gelten. „Herr Theus bekommt eine Gage, die sich sehen und hören lassen kann. Eine Erhöhung um 50 Prozent können wir nicht erfüllen. Ich kenne seine Stärken, aber wir müssen bescheiden bleiben“, sagt die Intendantin. „Er hat Vorgaben gemacht, zu welchen Bedingungen er arbeiten will. Auf seine Konditionen konnten wir nicht eingehen“, bekräftigt auch die Geschäftsführerin. Über das Orchester-Budget hätte man zu dritt noch einmal sprechen können. Sie habe ihn gebeten, seine persönlichen Forderungen nochmal zu überdenken und neue einzureichen, so Kuhnert. Aber es sei nichts gekommen. Bei ihr habe sich die Überlegung breit gemacht: „Wenn ein Insider, der die Verhältnisse der Festspiele genauestens kennt, eine Gagenerhöhung um 50 Prozent fordert, was will er dann eigentlich: bleiben oder gehen?“

Er verlasse Eutin mit einem weinenen Auge, sagt Urs-Michael Theus. Die gerade erfolgte Gesellschafter-Umstrukturierung, die den Festspielen Ruhe und Kontinuität bringen soll, bedeute für ihn, dass die Position des Teams Kuhnert/Caron enorm gewachsen sei. „Eine Führungskraft, die nicht aus dem Bereich Kunst und Kultur kommt, verlässt sich in künstlerischen Fragen im wesentlichen nur auf die Ansicht und künstlerische Meinung einer anderen einzigen Führungskraft.“ Das halte er für problematisch.

Sie empfinde das als Beleidigung, bemerkt Sabine Kuhnert dazu. Im übrigen kenne Urs-Michael Theus die Reihenfolge des Betriebes: „Geschäftsführerin, Intendantin, danach Generalmusikdirektor und Chorleitung auf einer Stufe.“

Ulrike Benthien

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