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Ostholstein Eutins LTE-Netz in der Hand der Pokémon
Lokales Ostholstein Eutins LTE-Netz in der Hand der Pokémon
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15:49 05.08.2016
Ladeninhaber lieben die Pokémons nicht. Aber ob sie am ruckelnden Internet schuld sind, ist unklar. Quelle: dpa
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Eutin

Ist das Handy-Spiel Pokémon Go schuld daran? Oder die Telekom? Oder beide oder keiner? Eutiner Geschäftsleute klagen über ruckelndes bis gar kein Internet via LTE, also Funk. Das macht nicht nur die Kommunikation schwierig, sondern auch das Zahlen per EC-Karte. Volker Rätzke, Inhaber des Ladens „Mc Raetzkes Whiskey & Rum-Paradies“ in der Peterstraße, lässt noch einmal den vergangenen Dienstag Revue passieren. „Ab 9 Uhr bis 17.58 Uhr hatte ich keine einzige Internetverbindung über meinen Laptop in meinem Betrieb. Ich versuchte, mich über meinen Browser einzuwählen. Es ging nicht.“ Auch die Ec-Cash-Geräte hätten nicht funktioniert oder sich ständig neu initialisiert. Rätzke: „Diese Störungen kommen immer wieder vor und beeinträchtigen den Geschäftsbetrieb erheblich.“ Rätzke wandte sich an die Telekom und bekam dort die Auskunft, das Netz sei überlastet wegen zu vieler Smartphones in der Umgebung. Sein Appell: „Bitte schaltet eure Smartphones aus. Sch... Pokémon Go.“

Die Telekom hat die Störung bei Rätzke untersucht. Ihr Sprecher George-Stephen McKinney teilte gestern mit: „Grundsätzlich: Es gab beziehungsweise gibt in Eutin keine Störungen oder ,Überlastsituationen’ in unserem Mobilfunknetz. Allerdings kam es aktuell zu zeitweisen Beeinträchtigungen für einige unserer Kunden im Mobilfunk-Netz (je nach Funkzelle, in die der Kunde eingebucht war).“

Der Grund seien Erweiterungsarbeiten am bestehenden Netz. So sei ein Antennenträger ausgetauscht worden, außerdem wurden neue Antennen installiert. Deshalb musste zeitweise die vorhandene Technik abgeschaltet werden. Die Arbeiten sollen bis heute Mittag abgeschlossen sein, so George-Stephen McKinney.

Die neue Technik solle im Oktober eingeschaltet werden. Der Telekom-Sprecher: „Dann können wir auch unseren Kunden in Eutin mobiles Surfen mit bis zu 150 MBit/s anbieten, die schnellste derzeit verfügbare LTE-Technik auf dem Markt.“

Dass zusätzlich zu den Arbeiten an den Antennen und ihren Trägern das Mobilfunknetz in Eutin zurzeit stark beansprucht wird, ist nicht zu übersehen. Der Marktplatz ist Tag für Tag voll. Fast jeder, der dort unterwegs ist, hat ein Handy dabei. Urlauber rufen mobil ihre Mails ab, posten Eindrücke aus ihren Ferien in sozialen Netzwerken, gerne mit Fotos oder sogar Videos. Und sie spielen Pokémon Go. Ein Spieler berichtet, das koste ihn pro Tag etwa zehn bis zwölf Megabit Datenvolumen.

Ob der Pokémon-Go-Hype, wie von Rätzke vermutet, das LTE-Netz leersaugt, vermag die Telekom nicht zu sagen. Darüber werde keine Statistik geführt. Die Technik merke nicht, welche Daten wofür mobil übertragen werden – ob zum Anschauen eines Youtube-Videos, um Nachrichten per WhatsApp auszutauschen oder um Pokémon Go zu spielen. McKinney: „Es sind und bleiben ,mobile’ Daten, die von A nach B transportiert werden.“

Laut diverser Tests soll das Spiel mit den Pokémons sogar weniger Daten verbrauchen, als die Nutzung sozialer Netzwerke. Jörn Wolter, Tarif-Experte des Verbraucherportals www.handytarife.de, sieht das etwas anders: „Ein Großteil der Datentarife der Deutschen beinhaltet nur ein schnelles Volumen von 500 MB. Das würde dann gerade mal für gut 1,5 Stunden Spielen pro Tag reichen – und zwar, ohne dass eine einzige E-Mail geschrieben oder eine andere Internetseite aufgerufen worden wäre.“

Susanne Peyronnet

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