Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Existenzangst an der Küste: Ist die Fischerei am Ende?

Ostholstein Existenzangst an der Küste: Ist die Fischerei am Ende?

Eine Vollkatastrophe. So bezeichnet Ulrich Elsner, Chef der Küstenfischer Nord aus Heiligenhafen, die Entscheidung der EU-Fischereiminister über die Dorsch-Quote. In der westlichen Ostsee sinkt die Fangmenge im kommenden Jahr um satte 56 Prozent – und dies betrifft auch Ostholsteins Fischer.

Ostholstein. Ebenfalls starke Einschränkungen kommen auf die für den Tourismus wichtigen Freizeitfischer zu. In der Laichsaison (Februar und März) dürfen sie maximal drei Dorsche am Tag angeln, im Rest des Jahres fünf.

LN-Bild

Dorsch-Fangquote ab kommendem Jahr mehr als halbiert – Starke Beschränkungen auch für Freizeitfischer – Weniger Gäste im Angeltourismus befürchtet.

Zur Bildergalerie

„56 Prozent Kürzungen bedeuten deutliche Umsatzeinbußen und damit für die Zukunft auch mehr Schwierigkeiten, die Strukturen zu erhalten. Doch die sind wichtig, um das Traditionsgewerbe zu erhalten“, sagt Ulrich Elsner, Chef der Küstenfischer Nord mit rund 30 Mitgliedsbetrieben. „Es ist für die Fischer ein Problem, aber auch für die Unternehmen, die dahinter stehen.“ So würden den Fischern zwar unter anderem Stilllegeprämien angeboten. „Aber die Infrastruktur, die wird vernachlässigt.“

Elsner hätte sich eine Entscheidung mit Augenmaß gewünscht. So hätte man die Zeitspanne für die Regeneration der Dorschbestände länger ausdehnen, die Quote dafür weniger reduzieren können.

Eine Absenkung um 20 Prozent wäre erträglich gewesen, meint Elsner. Für die Küstenfischer Nord sind die Folgen geringerer Fangmengen vielleicht besser zu verkraften als für andere: „Unser Kerngeschäft ist die Fischerei, die wollen wir erhalten. Aber wir haben auch ein Restaurant gebaut, ein Hotel gebaut, damit können wir gut kompensieren“, zählt Elsner auf, wie sich seine Genossenschaft den Umständen der vergangenen Jahre angepasst hat. „Wir können das irgendwie umschiffen, aber einfach wird das nicht.“

Rüdiger Krüger aus Niendorf hat 1972 als Berufsfischer angefangen, jetzt will er aufhören. „Ich habe die Nase voll“, sagt der 60-Jährige, „spätestens im Januar/Februar ist Schluss“. Seinen Kutter „Charlotte“, Baujahr 1950, will Krüger dann stilllegen, abwracken oder verkaufen. Ob eine Dorsch-Quote von minus 88 Prozent, wie von der EU-Kommission ursprünglich geplant, oder minus 56 Prozent, wie jetzt von den EU-Fischereiministern beschlossen, das mache keinen Unterschied. „Die Gesamtmenge ist so gering, damit kann keiner überleben“, erläutert der Vorsitzende des Niendorfer Fischereivereins. Mit Fangmengen von zehn oder 20 Tonnen sei kein Fischereifahrzeug zu betreiben.

Besonders schwer wird es auch für diejenigen, die vom Angeltourismus leben. 65000 Fahrgäste starteten bislang jährlich allein von Heiligenhafen und Fehmarn ihre Angelausflüge, hier finden 90 Prozent der Kuttertouren im Land statt. „Für die Betriebe wird es hart“, ist sich Jens Meyer von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) sicher. Man wisse derzeit noch nicht, wie sich die Gäste verhalten werden. Die Angelkutterbetriebe machten 20 bis 25 Prozent ihres Umsatzes im Februar und März. Doch reisen die Angler für drei Dorsche am Tag aus dem Süden an? „Wenn sie wegbleiben, ist das tödlich für uns. Wenn sie bleiben, kommen wir mit einem blauen Auge davon“, so Meyer. „Die Angler haben die Wahl, wo sie hinfahren, wir nicht. Im Frühjahr wissen wir mehr.“ Besonders hart sei, dass der „Tourismus das entschädigungslos aushalten“ müsse. Meyer blickt voraus: „Wenn das Angelverbot im Fehmarnbelt auch noch kommt, können wir zumachen.“

Kutterbetreiber Willi Lüdtke hält sich mit Voraussagen, wie seine Angelkunden reagieren werden, noch zurück: „Wir müssen abwarten. Auf jeden Fall wird das ein herber Einschlag sein“, sagt der Fehmaraner. Es habe zuletzt ohnehin immer weniger Angelschiffe gegeben – „das beschleunigt die Sache jetzt“.

 sts/pet

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den November 2016.

Sollten die Weihnachtsmärkte länger geöffnet haben?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und vieles mehr in Lübeck und Umgebung.

Windkraft

Eine interaktive Karte mit allen Windkraftanlagen in Ostholstein.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

LGS 2016

Alles rund um die Landesgartenschau in Eutin erfahren Sie auf dieser Seite.

Grünschnack

Martina Janke-Hansen und Susanne Peyronnet bloggen zur LGS 2016.

VfL Bad Schwartau

Hier gibt's alle aktuellen Infos zum VfL Bad Schwartau.

VfB Lübeck

Hier finden Sie alle Informationen zum VfB Lübeck.

Sportblog

Ehrlich und authentisch: Die Meinungen unserer Redakteure im Sportblog.

EHC Timmendorf

Lesen Sie alles über Timmendorfs Eishockey-Mannschaft.