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Ostholstein Fährbahnhof Puttgarden – mit dem Belttunnel kommt das Aus
Lokales Ostholstein Fährbahnhof Puttgarden – mit dem Belttunnel kommt das Aus
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16:43 05.02.2016
Ein Zug im Fährbahnhof Puttgarden. Quelle: Schwennsen
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Fehmarn

Seit über einem halben Jahrhundert ist Fehmarn das Tor zum Norden. 1963 wurde der internationale Bahnhof Puttgarden eröffnet. Doch in den Zukunftsplanungen der DB für die Vogelfluglinie hat er keine Zukunft. Die Eröffnung des Belttunnels — nach derzeitigem Stand wohl nicht vor 2027 — bedeutet sein Aus.

Dann bleibt nur noch der 2010 reaktivierte Regionalbahnhof Burg, der als Kopfbahnhof für einen ICE- Halt jedoch nicht in Frage kommt. Die Insulaner befürchten, auf der Schiene danach zum Niemandsland zu werden. Daher geht die Stadt Fehmarn in die Offensive: Sie fordert von der DB einen kombinierten Nah- und Fernverkehrshaltepunkt bei Burg. Ein gleichlautendes Schreiben ist zeitgleich an das Kieler Wirtschafts- und Verkehrsministerium gegangen.

Das Besondere daran: Parallel zum Vorstoß der Stadt kämpft auch die „Bürgerinitiative Fehmarn-Beltverkehr“ für einen Fernzug-Haltepunkt bei Burg. Ihr Vorgänger hatte gegen den Nahverkehrshalt in Burg, der in einem „Sackbahnhof“ ohne ICE-Perspektive ende, sogar einen erfolgreichen Bürgerentscheid durchgesetzt. Der Burger Bahnhofsvorplatz wurde trotzdem gebaut, aber nicht mit städtischen Mitteln finanziert. Die Regionalzüge von hier aus sind inzwischen aber ein Erfolgsmodell.

Doch jetzt geht es um die große Lösung. Und damit ganz konkret um harte Zahlen. Von derzeit täglich mehr als 30 Zugverbindungen von und nach Fehmarn droht künftig ein Drittel wegzufallen, darunter der ICE-Haltepunkt gänzlich, so Regionalmanagerin Dr. Johanna Heitmann.

Deshalb schreibt Bürgermeister Jörg Weber (SPD) an die DB AG: „Dies bedeutet eine gravierende Fahrplan-Verschlechterung. Und damit einhergehend eine deutliche Minderung für Fehmarn als touristische Destination, Wirtschaftsstandort sowie Wohn- und Arbeitsort.“

In der Hand hat die Stadt aber nicht nur ihre Argumente auf geduldigem Papier. Sondern auch ein konkretes Angebot: Sie hat 2015 die angrenzenden Flächen zu den von der Bahn geplanten Ausweichspuren beim Gleisdreieck in Burg erworben. Aus Sicht von Weber seien das optimale Voraussetzungen, dass die Bahn hier einen kombinierten Nah- und Verkehrshaltpunkt baut und die Kommune gleichzeitig ihr benachbartes Gewerbegebiet weiter erschließt.

Bislang spielt diese Option bei der Bahn keine Rolle. Allerdings haben im Juli Vertreter in einem internen Gespräch mit der Stadt bestätigt, dass hier ein ICE- Halt „theoretisch und technisch möglich“ sei. Tatsächlich plant die Bahn genau dort bis zu fünf zusätzliche Gleise, unter anderem ein Überholgleis als Ausweichspur.

Schließlich soll mit dem Belttunnel neben den Schnellzügen auf der Route Hamburg — Kopenhagen auch der Schienengüterverkehr, der seit den 90er Jahren auf der Jütland-Route verkehrt, auf die Vogelflugline zurückkehren.

Daher setzt Fehmarn darauf, mit dem großen Konkurrenten Oldenburg um einen ICE-Halt im Kreisnorden mithalten zu können. Das Schreiben an Berthold Huber, Vorstand DB Mobility Logistics AG (Berlin), das den LN vorliegt, verzichtet bewusst auf einen harten Konfrontationskurs. Statt dessen pocht die Stadt auf das Bahn-Ziel, dass „Ostholstein und die Region Lolland-Falster über Grenzen hinweg enger zusammenwachsen“ sollen.

Weber: „Wir wollen eine Region sein, die ihren Gästen, Bewohnern und Unternehmern die Möglichkeit bietet, ihre Ziele schnell und bequem zu erreichen.“ Dazu gehöre aber auch die Elektrifizierung bis zum Hafen Puttgarden.

Fakten und Positionen

3,5 Millionen Tagestouristen, 300 000 Urlauber pro Jahr, ferner Berufspendler sowie Gäste in Großenbrode und Heiligenhafen: Die BI sieht genug Potenzial für einen Fernhalte-Punkt der Bahn.

Das Land setzt sich für die Beibehaltung der Fernhaltepunkte Lübeck und Oldenburg ein. Weder der Erhalt von Puttgarden noch ein Neubau auf der Insel sind vorgesehen.

Gerd-J. Schwennsen

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