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Ostholstein Fahne von 1840 frisch restauriert
Lokales Ostholstein Fahne von 1840 frisch restauriert
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20:53 15.09.2017
Freude über die Erhaltung der Fahne bei Rosemarie Selm (v. l.), Ernst- August Petsch, Frank Wilschewski, Claudia Freutel (Fielmann) und Eckert Groth (Gilde). Quelle: Foto: Mb
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Neustadt

„Es wurde großartige Arbeit geleistet und die Fahne bekommt jetzt im Zeittor-Museum einen zentralen Platz“, betont Ernst-August Petsch, Vorsitzender des Zeittor- Fördervereins. „Wir hatten es nicht zu hoffen gewagt, dass die Fahne wieder so gut aussehen würde.“ Möglich gemacht wurden die umfangreichen Konservierungsmaßnahmen durch die finanzielle Unterstützung der Fielmann AG. „Wir vom Förderverein hätten das Geld dafür gar nicht aufbringen können“, stellt Petsch fest.

Gildeausstellung

Die Sonderausstellung „Acht Jahrhunderte Bürger-Engagement Neustadt in Holstein“ der Gilde läuft ab dem 28. September.

Die Vernissage findet am Mittwoch, 27. September, um 17 Uhr statt.

Die umfangreiche Wiederherstellung der Fahne lag in den Händen der Diplom-Konservatorin Rosemarie Selm aus Preetz. „Die Fahne befand sich in gar keinem guten Zustand. Sie war extrem fragil von früherem Gebrauch und falscher Behandlung“, erzählt die Expertin. Man hätte sogar schon einmal mit der Bohrmaschine durch die Fahne gebohrt, verrät Selm, und legt als Beweis ein kleines Tütchen mit Metallspänen vor, die sie auf der Oberfläche eingesammelt hat.

Dem Neustädter Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski ist auch klar: „Die Fahne hätte nicht mehr lange gehalten und wäre restlos verlorengegangen.“ Auch wenn es „nur“ eine Fahne sei, es gehe um die Geschichte und es würde ein Erinnerungsstück damit verschwinden, sagt auch Rosemarie Selm. Gut zwei Monate dauerte die Konservierung. Selm musste ein Drittel der Fahne wieder sichtbar machen. Auch doppelseitiges Klebeband galt es zu entfernen, mit dem die Fahne an dunkelrotem Filz angebracht gewesen war. Das sei sehr schwierig gewesen, berichtet die Konservatorin. Sie ging dabei mechanisch, aber auch mithilfe von Lösungsmitteln und eines Niederdrucktisches ans Werk.

Außerdem mussten die Malschichten auf dem Seidenstoff gereinigt und wieder befestigt werden. Schließlich wurde die Fahne auf einem farblich passenden Seidentaftstoff als Unterlage angenäht und kann nun in ihrer vollen Entfaltung wieder präsentiert werden. „Dabei bin ich mir sicher, dass die Malereien in der Mitte der Fahne aufgrund der Darstellungen älter sein müssen und vom Ende des 18.

Jahrhundert herrühren“, erklärt Rosemarie Selm.

Die Fahne war 1840 ein Geschenk von Jacob Lienau an das 1. Quartier der Neustädter Schützengilde, 1926 war sie schließlich zerschlissen. Während die Fahnenstange noch heute für die aktuelle Quartiersfahne genutzt wird, verschwand der Stoff in einer der drei Gildeladen und lagerte dort unbemerkt, ehe er 2007 hervorgeholt wurde. Da der Verfall fortschritt, wurde die Fahne restauriert und von der Schützengilde als Dauerleihgabe dem Zeittor-Museum zur Verwahrung für die Nachwelt überlassen.

 Markus Billhardt

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