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Ostholstein Fahrtest im Alter? Ein Eutiner hat ihn gemacht und ist froh
Lokales Ostholstein Fahrtest im Alter? Ein Eutiner hat ihn gemacht und ist froh
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20:25 12.03.2016
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Eutin

Fahrtests für Senioren sind ein heikles Thema, schnell gehen die Emotionen hoch. Wer über 75 Jahre ist, empfindet die Forderung nach Überprüfung der Fahrtauglichkeit oft als Diskriminierung und Entmündigung. Erich Schmitt aus Eutin hat jetzt getan, was nur sehr wenige Autofahrer in seinem Alter tun: Der 81-Jährige — er hat seit 60 Jahren einen Führerschein — hat seine Fahr-Qualitäten freiwillig checken lassen. Er rät auch Anderen in seinem Alter dazu.

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Erich und Lisa Schmitt vor ihrem Auto. Die Ziffern im Kennzeichen stehen für Monat und Jahr ihrer Hochzeit. Seit 1956 hat der Segler einen Auto-Führerschein, sein erstes Gefährt war ein Renault 4CV.

„Ich empfehle es — wegen der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer und zur eigenen Sicherheit“, sagt der Rentner, der als Maurermeister und Hoch- und Tiefbautechniker lange Jahre im Straßenneubauamt Ost gearbeitet hat. Schmitt hat den Fahrtest mit Bravour bestanden, er versichert aber auch: „Wäre es völlig anders gekommen, dann hätte ich mir gesagt: Das war‘s. So ehrlich bin ich zu mir.“ Nun ist er froh, dass er den Test gemacht hat. „Es gibt ein sicheres Gefühl.“

Anlass war eine heimische Kaffeerunde. Das Gespräch kam auf die Berichterstattung über einen schrecklichen Unfall, bei dem eine hochbetagte Autofahrerin Gas- und Bremspedal verwechselte und eine Freundin überrollte — mit tödlichen Folgen. „Auch wir machen uns Sorgen“, regte Sohn Olaf Schmitt mit Ehefrau Anke einen freiwilligen Fahrtest an. Denn zum Alter kommt bei seinem Vater auch ein gesundheitliches Handicap, er muss regelmäßig zur Dialyse.

Ein schwieriges Thema. Denn Olaf Schmitt weiß auch, welchen Stellenwert das Auto für seine Eltern Lisa und Erich Schmitt hat. „Wir fahren viel ans Wasser“, berichtet die 77-Jährige. „Es wäre schon eine Riesen-Einschränkung für uns, wenn die Fahrfähigkeit nicht mehr da wäre“, räumt sie ein. Die Kaffeerunde einigte sich, dass der Vater sich für längere Strecken nicht mehr ans Lenkrad setzen werde. Erich Schmitt bewegte den Vorschlag in seinem Kopf, bei einer Fahrschule eine Überprüfungsfahrt zu absolvieren. Als er bei der Fahrschule Rahlf vorstellig wurde, sei er verwundert angeschaut worden. Es passiert nicht oft, dass jemand aus freien Stücken mit einem derartigen Anliegen kommt.

Am 29. Februar war es soweit. Es ging durch die Stadt, über die Landstraße, auf die Autobahn. Als zwei Tage später das schriftliche Prüfergebnis im Briefkasten lag, war Schmitt erstaunt. In vier Bereichen, etwa Beachtung der Verkehrsregeln oder Risikoverhalten, wurde er mit „sehr gut“ bewertet, in vier weiteren wie Aufmerksamkeit oder Handhabung des Fahrzeugs mit „gut“.

Schmitt, der sein Leben lang unfallfrei gefahren ist, war sicher, „dass ich das hinbekomme“. Er hatte sich auf ein befriedigendes Urteil eingestellt. Jetzt freut er sich über die sehr viel bessere Einstufung. „Es gibt ein anderes Selbstwertgefühl.“

Sein Sohn und die Schwiegertochter, denen er vom Fahrschulbesuch zunächst nicht berichtete, zollen ihm Respekt. „Chapeau, das hätten wir nicht gedacht“, lobt der Sohn und sagt dem Vater aber auch: „Es ist eine Momentaufnahme, du wirst nicht fitter.“ Erich Schmitt ist sich dessen bewusst. Ginge es nach ihm, dann werden regelmäßige Fahrtests ab 75 Jahren obligatorisch. Schmitt scheut auch nicht davor zurück, den Entzug des Führerscheins gutzuheißen, sollte jemand zur Gefahr am Lenkrad werden. pet

Immer wieder ein Thema — das Pro und Kontra von Fahrtests

Senioren-Fahrtests werden in großer Regelmäßigkeit immer wieder diskutiert, zuletzt Anfang des Jahres. Experten auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar und die Versicherungen forderten einen verbindlichen Fahrtest ab 75 Jahren — nicht mit dem Ziel des Führerscheinentzugs, sondern als Beitrag zur besseren Selbsteinschätzung. Denn Meldungen und schwere Unfälle mit Senioren häufen sich.

Unfallforscher der Versicherer verweisen darauf, dass die Unfallquote der über 75-Jährigen inzwischen höher liege als bei Fahranfängern zwischen 18 und 24 Jahren. Autofahrer über 75, die in einen Unfall verwickelt werden, haben diesen nach der Statistik der Versicherer in 75 Prozent der Fälle selbst verursacht. Freiwillige Fahreignungstests, wie sie der ADAC bereits seit Jahren anbiete, würden aber kaum genutzt, viele ältere Autofahrer seien uneinsichtig.

Die Politik scheut sich, ihnen verbindliche Fahrtests vorzuschreiben. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt weiter auf Freiwilligkeit. Sicheres Autofahren sei keine Frage des Geburtsdatums. Im Januar bekräftigte Dobrindt: „Pflichttests für Senioren am Steuer wird es nicht geben.“

LN

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