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Ostholstein Familien in Not: Kinderschutzbund lässt sie nicht im Regen stehen
Lokales Ostholstein Familien in Not: Kinderschutzbund lässt sie nicht im Regen stehen
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21:22 06.10.2017
Kinderschutzbund-Geschäftsführer Martin Liegmann (l.) und Kita-Leiterin Tina Kell-Maxara (r.) mit Katja und Dirk F.. Quelle: Foto: Rosenkötter

Dirk und Katja F. aus Neustadt gehören dazu. Beide sind in der Gastronomie tätig. Während sie die Frühschicht übernimmt, arbeitet er bis spät nachts. Trotzdem ist das Geld knapp. 2016 verschärfte sich die Situation so sehr, dass die Familie nicht wusste, wie sie den Kita-Aufenthalt ihrer Tochter weiterfinanzieren sollte. „Unsere Tochter ist ein Kann-Kind. Das bedeutet, dass sie mit sechs oder sieben Jahren eingeschult werden konnte. Wir wussten, dass es für sie besser ist, erst 2017 in die Schule zu kommen. Jedoch war es für uns fast unmöglich, das zu finanzieren“, schildert Katja F. die Situation.

Die Aktion „100 Familien in Not“ des Kinderschutzbundes läuft seit 2015. In prekären Situationen soll unbürokratisch geholfen werden. Oft geht es darum, den Zugang zu Kitas und Ganztagsschulen zu ermöglichen. Die Zahl der unterstützten Familien steigt in Ostholstein an.

40 Familien wurden in diesem Jahr bislang mit 20000 Euro unterstützt.

Ihre Rettung war Tina Kell-Maxara, Leiterin der Kindertagesstätte am Neustädter Binnenwasser. Sie kannte die Notlage, reichte einen Antrag auf Zuschuss beim Kinderschutzbund als Betreiber der Kita ein. 100 Euro monatlich wurden genehmigt. Die übrigen 134 Euro konnte Familie F. stemmen. Dennoch war es für sie schwierig, die Hilfe anzunehmen. „Von der Idee waren wir begeistert. Aber wir haben gesagt, dass es doch Familien gibt, denen es schlechter geht“, so Dirk F.. Einfacher wäre es, wenn der Staat die Kitagebühren abschaffe. „Das würde Familien entlasten“, sagt Dirk F.

So wie Dirk und Katja F. geht es vielen Eltern in Ostholstein. Kinderschutzbund-Geschäftsführer Martin Liegmann schätzt, dass im Kreis rund 1000 Familien betroffen sind. Geholfen werden konnte unter anderem einem Pflegekind mit Migrationshintergrund, überschuldeten Eltern mit mehreren Kindern, alleinerziehenden Müttern sowie Kindern, deren Eltern sich gerade getrennt hatten. „Uns geht es bei der Aktion um das politische Signal. Die Gesellschaft driftet auseinander. Das hat sich bei der Bundestagswahl bestätigt und die Entwicklung hängt auch mit Armut zusammen“, sagt Liegmann.

Dennoch würden die Spenden aus dem früheren Elternunterstützungsfonds nicht an jeden ausgezahlt. „Wir prüfen die Anträge und nutzen die Nähe unserer Einrichtungsleiter. Die kriegen mit, ob jemand zwei Autos und fünf Handys hat, oder ob sich eine Familie bemüht, arbeitet und versucht, ihren Kindern die sogenannte Teilhabe zu ermöglichen“, so Liegmann.

Dass viele Kinder unter geringen Löhnen, den Auswirkungen von Saisonarbeit sowie familiären Schicksalen leiden, ist bekannt. Der Unterstützungsfonds wurde bereits vor etwa sieben Jahren eingerichtet.

„Wir hatten pro Jahr 50000 Euro an Außenständen – alles fehlende Elternbeiträge in den Bereichen Kindergarten und Offene Ganztagsschule“, so Liegmann. Die Not im Land sei spürbar gewesen.

Mithilfe von Spenden und seit 2015 mit dem neuen Namen „100 Familien in Not“ soll die Lage etwas verbessert werden.

Das Angebot wird immer häufiger genutzt. Wurden 2013 gerade mal 16 Familien unterstützt, waren es 2016 schon 35 Familien – Tendenz steigend. Es kommt den Kindern zugute. „Deshalb sollte man es gerne annehmen“, rät Dirk F., dessen Tochter mittlerweile in die erste Klasse gehe und dort super klarkomme. Doch ist dies eben nur mit neuen Spenden möglich.

Details über das Projekt sowie Spendeninfos gibt es auf www.kinderschutzbund-oh-helfen.de.

 Sebastian Rosenkötter

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