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Ostholstein Familienunternehmen Zoo
Lokales Ostholstein Familienunternehmen Zoo
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23:05 19.08.2016
Maja, Birgit, Ingo und Caroline Wilhelm (von links) posieren für ein Foto mit einigen ihrer Kamele. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter
Grömitz

Ein Leoparden-Baby, geboren in Grömitz. Etwa zwei Wochen alt und schon der neueste Hingucker im Zoo Arche Noah. Seit wenigen Tagen erkundet es das Gehege.

In Grömitz können seit 40 Jahren Tiere aller Art bestaunt werden. Jetzt ist eine neue Seehundanlage in Planung.

Liebstes Spielzeug: der Schwanz seiner Mutter. Dass Urlauber und Ostholsteiner Wildtiere erleben können, ist der Familie Wilhelm zu verdanken. Vor 40 Jahren fragte Handelsvertreter Hans Wilhelm seine beiden Söhne, ob sie gemeinsam einen Zoo aufbauen wollen. Diese sagten „Ja“ und wussten wohl nicht so recht, was da auf sie zukommt. Kein Wunder. Uwe und Ingo waren gerade einmal 21 und 18 Jahre alt.

Doch bereits im zweiten Jahr zählten sie 135000 Besucher.

Es ist Mitte August. Elf Bundesländer haben Ferien, Zehntausende Menschen machen Urlaub an der Ostsee. Für Ingo Wilhelm und seine Familie bedeutet das Hochsaison. Immer wieder bilden sich Schlangen an der Kasse. Der Zoo kommt auch vier Jahrzehnte nach der Eröffnung gut an. Warum, ist einfach zu erklären. Die Betreiber setzen auf Weiterentwicklung, orientieren sich an den Wünschen ihrer Kunden. Wer das Gelände betritt, dem fallen die vielen Bäume und Pflanzen auf. Zahlreiche Mauern sind längst verschwunden. Stattdessen setzt Ingo Wilhelm auf niedrige Zäune, kombiniert mit Elektroelementen. Kleinkinder und Rollstuhlfahrer sollen eine gute Sicht haben. „Das ist auch für die Tiere besser. So starren sie nicht die ganze Zeit auf Wände und sehen, wer da guckt“, erläutert Wilhelm, dessen Bruder Uwe 1978 einen Zoo in Braunschweig kaufte. Nur die Löwen und Leoparden leben hinter hohen Zäunen. Das ist wohl sicherer.

Lamas, Ziegen, Nandus und Rotnackenwallabys (Kängurus) können sogar aus unmittelbarer Nähe erlebt werden. Ihre Heimat ist frei zugänglich. Wobei: Sie haben Rückzugsmöglichkeiten. „Bei uns steht der Kontakt zwischen Mensch und Tier im Vordergrund. Entscheidend ist nicht die Zahl der Arten und Tiere“, betont Wilhelm. Vielmehr gehe es um Qualität und angemessene Haltung. Ein Beispiel dafür ist das 2012 eingeweihte, 400 Quadratmeter umfassenden Schimpansen-Haus nebst einem Außenbereich, in dem Wasser einen Hügel mit Kletterelementen umgibt.

Von solch einem tollen Zuhause – natürlich ohne Kletterelemente – können die Seehunde bislang nur träumen. Deshalb plant Ingo Wilhelm eine neue Anlage. Es ist das nächste Großprojekt. Wann die Umsetzung erfolgt, ist noch nicht entschieden. Der Zoochef will keine Erwartungen wecken, die eventuell nicht erfüllt werden. Fest steht: Das Grömitzer Familienunternehmen wird wachsen. „Wir haben Flächen von einem Landwirt gepachtet. Ohne die Hilfe der Familie Neumann könnten wir das nicht realisieren“, betont Ingo Wilhelm.

Stellt sich die Frage, wie es in den kommenden Jahren weitergeht. Der Zoo, der einmal am Ortsrand von Grömitz lag und mittlerweile von etlichen neueren Bauten umgeben ist, rüstet sich für die Zukunft. Drei der fünf Töchter von Ingo und Birgit Wilhelm (57) können sich vorstellen, den Betrieb fortzuführen. „Ich bin gelernte Erzieherin und mache ab September eine Ausbildung zur Bürokauffrau“, erzählt Caroline Wilhelm (24). Ihre Schwester Maja (20) ist bereits voll integriert, hat vor wenigen Wochen ihre Ausbildung zur Tierpflegerin beendet. „Ich wollte schon mit drei Jahren Tierpflegerin werden. Man arbeitet viel körperlich und es ist toll mit den Tieren“, erzählt sie. Bevor der Wechsel an der Unternehmensspitze erfolgt, will sie Erfahrungen bei anderen Betrieben sammeln – und außerdem: Noch wollen Birgit und Ingo Wilhelm nicht aufhören.

Vier Jahrzehnte tierischer Hingabe: Höhepunkte und Infos

Der erste Tag: Am 14. April 1976 öffnet der Zoo Arche Noah. Mit dabei waren auch Mufflon „Olaf“, Löwe „Oskar“, die Kragenbären „Ben“ und „Bonnie“ sowie der kleine Elefant „Baby“.

Die Geburt der Liger: Am 26. März 1990 tapsen plötzlich drei kleine Liger durch die Gegend. Die Bezeichnung steht für eine Kreuzung aus männlichem Löwen und weiblichem Tiger. „Das war eine große Sache“, sagt Ingo Wilhelm.

Schimpanse „Alfred“: In den Anfangsjahren gab es einen Affen namens „Alfred“. Dieser konnte sogar mit Messer und Gabel essen und saß so manches Mal am Esstisch von Familie Wilhelm. „Heute wäre das undenkbar. Es war eine andere Zeit“, betont Ingo Wilhelm.

Kein Wildfang: Neue Zootiere kommen von anderen Einrichtungen. Aus der Natur werden keine Tiere gefangen. Der Austausch findet weltweit statt. Zuletzt wurden zwei Leoparden nach Südkorea gebracht.

• Weitere Bilder aus dem Zoo gibt es auf www.LN-Online.de/Ostholstein.

 Sebastian Rosenkötter

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