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Faszinierende Zeitmaschinen

Neustadt Faszinierende Zeitmaschinen

Die Neustädter Joachim und Sebastian Otto restaurieren Uhrwerke, einige sind Hunderte Jahre alt.

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Sebastian Otto (34) zeigt eine Walze, wobei das Holz nicht mehr das Originale ist. Kein Wunder, das Uhrwerk stammt aus dem 17. Jahrhundert. Viel mehr, außer das es im Raum Bremerhaven eingesetzt wurde, ist jedoch nicht bekannt.

Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter

Neustadt. Es klickt und klackt, Zahnräder greifen ineinander. Wer den Firmensitz des Neustädter Unternehmens „Otto Buer Glocken- und Uhrentechnik“ betritt, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen. Der Eingangsbereich ist vollgestellt. Komische Maschinen, die so manch ein Besucher noch nie gesehen hat, werden hier präsentiert. Es ist eine Art Mini-Museum, eine Zeitreise. Uhrwerke, teils mehrere Hundert Jahre alt, zusammengetragen aus der ganzen Republik, stehen hier. Liebevoll gereinigt und restauriert wurden sie von Joachim (74) und Sebastian Otto (34).

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DieseMaschine mit vergoldetem Zifferblatt gehörte Graf Hardenberg (Northeim).

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Die beiden Geschäftsführer trennen zwar 40 Jahre Altersunterschied, ihre Leidenschaft — historische Uhrwerke zu retten und zu bewahren — teilen sie. Der Senior, der den Familienbetrieb vor mehr als 20 Jahren von Buer (bei Osnabrück) nach Ostholstein verlagerte, erinnert sich, dass seine Liebe zu Uhrwerken aus einer Notwendigkeit entstand. Vor etwa 50 Jahren habe er die Glocken einer Kirche ausbessern sollen. „Da wurde ich gebeten, mir die Uhr einmal anzuschauen, da diese nicht mehr funktionierte“, so Joachim Otto. Gesagt, getan: Nach und nach, auch dank eines befreundeten Uhrmachers, lernt er die Uhrwerke zu zerlegen, ihren Aufbau zu verstehen, sie zu reinigen und zu reparieren. Pläne, wie solch alte Zeitmaschinen zusammengesetzt sind, existieren nicht. Dafür sind sie zu alt.

„Mein Interesse begann mit einer Verpflichtung, daraus entstand dann aber Begeisterung“, so Otto.

Eines der ältesten Uhrwerke, welches in den Räumlichkeiten der Firma zu sehen ist, steht gleich neben den Eingang. Es ist ein geschmiedetes Uhrwerk von Gut Hasselburg. Entdeckt hat es Joachim Otto bei der Sanierung der Turmuhr. Das war 2012. „Es lag auf dem Boden und war total verrostet“, erinnert er sich. Mittlerweile glänzt der Stahl wieder und offenbart, wie filigran Schmiede ganz ohne heutige Fräsen und Bohrer arbeiten konnten. Schließlich ist das Uhrwerk, welches eine Leihgabe ist, von 1740. „Die Herstellung hat vielleicht zwei, drei Jahre gedauert. Jeder Zahn wurde von Hand hergestellt und das möglichst gleich“, erläutert Sebastian Otto.

All die anderen Uhrwerke, die sowohl im Empfangsbereich als auch in der Werkstatthalle stehen, befinden sich im Besitz der Familie Otto und stammen meist aus Kirchen. „Es gab eine Zeit, da wurden die einfach verschrottet. Dann kam die Zeit, in der sie verschenkt wurden. Dann konnte man sie kaufen und jetzt haben wir eine Zeit, in der sie unter Denkmalschutz stehen und sie nicht mehr entfernt werden dürfen“, sagt Joachim Otto.

Für die beiden Geschäftsführer sind die Uhrwerke jedoch mehr als eine kleine, nette Privatsammlung. Sie sind notwendig, um ihren Kunden aufzuzeigen, welche Arbeitsschritte notwendig sind, wenn sie eine ähnliche Maschine saniert haben wollen. Aufträge bekommt das Unternehmen aus ganz Europa. Mal sind es Glocken, die gestimmt werden müssen, mal sind es Uhren, deren Zeiger sich nicht mehr bewegen wollen.

Zuversichtlich stimmt Joachim Otto, dass viele Gemeinden immer sensibler mit ihren alten Uhrwerken umgehen. „Viele werden reaktiviert und es werden Zugänge für Besucher geschaffen“, so Otto. Dennoch gibt es auch eine negative Seite. Während früher fast jede Kirche über einen eigenen Küster verfügte, der die Uhrwerke aufzog, mangelt es heutzutage an Personal. Abhilfe schaffen kann ein elektrischer Aufzug. Und wie der funktioniert, ist natürlich auch zu sehen im Museum, das eigentlich gar kein Museum ist.

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Sebastian Rosenkötter

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