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Ostholstein Fehmaraner gedenken der Pogromnacht
Lokales Ostholstein Fehmaraner gedenken der Pogromnacht
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22:15 11.11.2013
Auf ihrem Rundgang um den Burger Marktplatz zur Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. November 1938 — und deren Opfer — hielt die Gruppe schweigend vor dem Burger Rathaus inne. Quelle: Fotos: Schwennsen
Burg a. F

Kleine Windlichter flackerten im Herzen der Burger Altstadt — und kämpften gegen klirrende Kälte sowie den nachlassenden Sturm. Zeitgleich läuteten nur wenige hundert Meter entfernt die mächtigen Kirchenglocken an St. Nikolai. Es war zwar keine große, spektakuläre Aktion. Und doch ging von ihr ein deutliches Signal aus: Rund drei Dutzend Frauen, Männer und Jugendliche gedachten am Wochenende der Schrecknisse der Pogromnacht vom 9. November 1938.

Zum 75. Jahrestag jener furchtbaren Nacht, in der in fast ganz Deutschland die Synagogen brannten, trafen sich Sonnabend erwachsene und junge Menschen ebenso wie deutsche und ausländische Mitbürger. Am frühen Abend zogen sie zunächst ums Burger Rathaus und marschierten anschließend um den Marktplatz herum. Ein kopfsteingepflasterter Platz im Zentrum der Stadt, aber bislang ohne Stolpersteine: Juden gab es damals auf Fehmarn schon nicht mehr.

Gemeinsam traten sie auf: Mitglieder der SPD-Ortsgruppe sowie Frank Borner mit zahlreichen Schülern von der Unesco-Projektgruppe an der Inselschule. Genau jene Gruppe, die vor Monaten schon die Diskussion um nach Nazis benannte Straßennamen in Heiligenhafen entfacht hat.

„Es geht uns nicht darum, Täter zu richten. Aber wir wollen die Erinnerung an die Opfer wachhalten“, erklärte Borner. Drei Schüler trugen gemeinsam einen kurzen Text des italienischen Schriftstellers und Auschwitz-Überlebenden Primo Levi vor: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

Fehmarn setzte ein Zeichen. SPD-Ortsvorsitzender Hans-Peter Thomsen als Initiator der Aktion freute sich, dass viele Jugendliche an dieser Gedenkveranstaltung teilnahmen. „Diese Zeit darf nicht in Vergessenheit geraten“, erinnerte er an die damaligen Geschehnisse — und an die Lebensgeschichte des jungen Juden Herschel Grünspan (Grynszpan). Diakon Michael Löcke von der katholischen Kirche sprach ein Gebet, daran schloss sich die ganze Gruppe mit einem gemeinsamen „Vaterunser“ an.

Die Pogromnacht am 9. November 1938

1400 Synagogen, Betstuben, Versammlungsräume, Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger wurden in der Schreckensnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ganz Deutschland zerstört. Diese Pogromnacht markiert zugleich den Übergang von der Diskriminierung der Juden zur systematischen Judenverfolgung im Dritten Reich, die schließlich in den Holocaust mündete.

30 000 Juden wurden am Tag danach verhaftet. Hunderte starben oder wurden in den Selbstmord getrieben. Doch schon 1933 hatten SA-Männer zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen.

17 Jahre jung war der Jude Herschel Grünspan. Dessen Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris diente den Nationalsozialisten als willkommener Anlass, den Volkszorn zu entfachen. Die NS-Propaganda wählte für die Pogromnacht den beschönigenden Begriff „Reichskristallnacht“.

1879 fand auf Fehmarn die letzte Bestattung eines Juden statt. Der alte jüdische Friedhof liegt an der Sundchaussee zwischen Burg und Blieschendorf. Als die Chaussee 1923/24 ausgebaut wurde, gab es auf Fehmarn keine Juden mehr. 1957 wurde hier ein Gedenkstein gesetzt.

Gerd-J. Schwennsen

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