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Ostholstein Fehmarn: Böse Komödie op Platt
Lokales Ostholstein Fehmarn: Böse Komödie op Platt
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20:18 02.02.2016
Auf Insel-Tournee sind „de Theaterspeelers vun de Laienspeelgrupp Westfehmarn“ mit dem Dreiakter „Familienbande“. Quelle: Fotos: Schwennsen

Für Freunde des plattdeutschen Theaters bleibt Fehmarn eine Hochburg. Denn auch in diesem Winter machen gleich drei Laienspiel-Ensemble sowie eine Feuerwehr-Theatergruppe mit neuen Inszenierungen auf sich aufmerksam. Seit dem Wochenende touren „De Theaterspeelers vun de Laienspeelgrupp Westfehmarn“ über die Insel.

„Dieser Dreiakter ist ein Heidenspaß“, freut sich Dirk Westphal, der die Gruppe leitet, über die diesjährige Stückauswahl. Woran liegt‘s? Claus Woberg, Autor der „Familienbande“, bringt es selber auf den Punkt: „Dat is n‘ böös Komedie in dree Törns.“ Schwarzer Humor also — der trotzdem vor allem bei den Zuschauern mächtig die Lachmuskeln strapaziert. Garantiert.

Das ist vor allem ein Verdienst der Schauspieler. Obwohl ausnahmslos Laien, sind sie fast alle seit vielen Jahren bühnenerprobt. Sie agieren mit reichlich Spielwitz und Charme. Und sie stecken doch routiniert und gelassen schon mal einen Aussetzer weg, wenn es nicht gleich auf Anhieb mit der Textsicherheit klappt. Für den Notfall springt Sieglinde Koehn behutsam als „Toseggersch“ (Souffleuse) ein.

Das begeisterte Publikum kennt und schätzt sie allesamt. Im doppelten Sinne: als „Theaterspeelers“ und natürlich auch im richtigen Inselleben. Was für ein Spaß, wenn der nette Nachbar von nebenan sich auf der Bühne plötzlich als grantiger Senior, hinterlistiger Bauer oder gar als fieser Gauner entpuppt.

Denn darum geht‘s in dem unterhaltsamen Stück: „Drei Generationen leben alles andere als friedlich unter einem Dach. Nur eines eint sie: Sie sind alle höchst kriminell“, schmunzelt Westphal. Statt trauter Familienharmonie eine richtige Gaunerfamilie. Und Opa Hoppedanz (gespielt von Helmut Barke) ist zu allem auch noch der Allerschlimmste.

Schwarzer Humor: Der Witwer — der „vergessen“ hat, den Behörden den Tod seiner Frau mitzuteilen, deren Grabstätte pikanterweise daheim die Kühltruhe ist — will sein Testament verfassen und schaltet gleichzeitig eine Heiratsanzeige.

Eine heikle Situation für alle Beteiligten. Wer darf hoffen, etwas zu erben? Und wer nicht? Oder: Nimmt das Chaos eine ganz andere Wende? Denn plötzlich tauchen eine vermeintliche Heiratsschwindlerin und ein allzu neugieriger Kriminalbeamter auf, dem diese ganz spezielle fehmarnsche „Familienbande“ ziemlich Spanisch vorkommt. Wie das Ganze ausgeht, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden.

Die weiteren Schauspieler, die um Opa Hoppedanz herumschwirren, sind ganz in ihrem Element. Gonda und Herbert Prüß, Maren Wendel, Anke Westensee, Wiebke Utech, Uwe Rosenberg, Heike Schlese — die auch für die Maske zuständig ist — und Dirk Westphal als Schauspieler ernten jedenfalls das eine oder andere Mal offenen Szenenapplaus. Auch in diesem Jahr feierte die Gruppe als Gast bei der Volkshochschule eine umjubelte Doppelpremiere.

Das hat auf Fehmarn Tradition. Früher war allerdings die DRK- Theatergruppe aus Petersdorf, die älteste der Insel, dort regelmäßig zu Gast. Im Inselwesten währt die Theatertradition seit mindestens 1923 — bis die Akteure um Dirk Westphal eigene Wege gingen. 2015 gab es aber nach zwei Jahren Pause ein Comeback unter der Leitung von Uwe Westensee.

Die Qual der Wahl: Die nächsten Aufführungen
Laienspielgruppe Westfehmarn: Der Dreiakter „Familienbande“ wird Sonnabend, 6. Februar, sowie tags darauf ab 16 Uhr im IFA Feriencentrum in Burgtiefe aufgeführt. Es folgen zwei Abendvorstellungen: Dienstag, 9. Februar, und Donnerstag, 11. Februar, ab 19 Uhr „Gasthof Meetz“ in Bannesdorf.

St.Mariengilde Landkirchen: Nur noch zweimal ist der Einakter „Glück im Speel, Pech im Stall“ zu sehen, über dessen Premiere die LN ausführlich berichtet haben. Die Aufführungen finden am Sonnabend, 6. Februar, sowie tags darauf jeweils ab 16 Uhr im „Gasthof Meetz“ in Bannesdorf statt.

DRK-Theatergruppe Peterdorf: Von Dänschendorf nach Petersdorf umgezogen sind die traditionellen DRK- Wohltätigkeitsveranstaltungen. Zu sehen ist das neue Stück „Mien Vadder schall Mudder warrn“: Freitag, 12. Februar, ab 19 Uhr und Sonntag, 14. Februar, ab 16 Uhr in Christian Haltermanns Scheune (Sonntag mit Kaffee und Kuchen, Einlass 14 Uhr).



Die Feuerwehr Süderort ist 2016 mit ihrem plattdeutschen Stück „Een Säugling to veel“ dran. Sie spielt alle drei Jahre im Wechsel mit der Nachbarwehren; derzeit keine neuen Termine.

Gerd-J. Schwennsen

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