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Ostholstein Fehmarn dreht Tunnelbauern das Wasser ab
Lokales Ostholstein Fehmarn dreht Tunnelbauern das Wasser ab
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10:23 17.12.2015
Die Tunnelbauer am Fehmarnbelt bekommen im Sommer kein Wasser. „Wir können in der Hauptsaison nicht liefern. Das steht fest. Ende!“, sagt Dietmar Frohberg, Vorsteher des Wasserbeschaffungsverbandes. Quelle: Archivbild: Gäbler
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Fehmarn

„Wir können liefern, außer in den Monaten Juli und August“, betont Geschäftsführer Gerd Utech. Vorrang habe dann die Versorgung der Inselbevölkerung und Urlauber. Die Konsequenz: Femern A/S muss für die beiden Betonmischwerke und das Containerdorf bei Puttgarden jetzt Alternativlösungen ausarbeiten. Sie sollen Anfang 2016 den Planungsbehörden vorgelegt werden.

Der angekündigte temporäre Wasserstopp kommt nicht ganz überraschend. Mehrfach hat der Wasserbeschaffungsverband Fehmarn seit 2014 mit Femern A/S verhandelt. Laut Verbandsvorsteher Dietmar Frohberg sollen die Dänen den ursprünglich angemeldeten Bedarf sogar schrittweise von 25 auf nunmehr 15 Kubikmeter pro Stunde reduziert haben.

Doch der WBV bleibt hart. „Wir können in der Hauptsaison nicht liefern. Das steht fest. Ende!“, so Frohberg am Dienstagabend auf der Verbandsversammlung in Burg. Der Grund ist klar: In der Hauptsaison stößt die Wasserversorgung der Urlaubsinsel schon jetzt in Extremzeiten an ihre Grenzen.

Die Erinnerung an die Hitzewelle im Sommer 2013 wirkt bis heute nach. Statt knapp 13000 Insulaner waren rund 100000 Menschen auf der Insel. Frohberg beschwor damals eine „ernste Notlage“, rief zum drastischen Wassersparen auf. Es drohte bei 33 Grad der schlimmste Fall: Verbote, oder dass das Wasser stundenweise gedrosselt oder sogar ganz abgestellt wird. Ein Krisenaufruf über die LN verhinderte dieses Szenario.

Die Grundvoraussetzungen sind aber geblieben. Der Zweckverband Ostholstein (ZVO) beliefert den WBV jährlich mit rund 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser. Viel mehr geben die Speicherkapazitäten auf Fehmarn auch gar nicht her. Der Bau zusätzlicher Wasserbehälter oder eine Verstärkung der Ringleitung würde Millionen kosten, die aber weder der ZVO noch der WBV aufbringen wollen. Frohbergs Kommentar: „In Puttgarden ist eine Industrieanlage geplant, die wir nicht ganzjährig beliefern können. Wir dürfen die Versorgungssicherheit der Bevölkerung nicht gefährden.“

Noch deutlicher wird Utech: „Wir haben immer gesagt: Eine Garantie von uns kriegt Ihr nicht!“ Sich als Wasserversorger ganz zu verweigern, kommt für den WBV aber auch nicht in Frage. „Letztlich brauchen wir auch Einnahmen“, so Utech. Und einen möglichen Prozess will beim Verband niemand riskieren.

Wie geht es jetzt weiter? „Femern A/S hat uns kein reines Wasser eingeschenkt“, wertete auf der Verbandsversammlung Christiane Stodt-Kirchholtes (Grüne) das von Problem der Wasserversorgung als „nur eines von vielen ungelösten Fragen“ im laufenden Planfeststellungsverfahren. „Verhindern werden wir dadurch den Bau des Belttunnels aber nicht“, konterte Utech. „Notfalls müssen die dafür Mineralwasser kaufen“, scherzte Frohberg. Der frühere FWV-Stadtvertreter ist kein Befürworter der festen Beltquerung.

Offiziell liegt dem WBV zwar noch kein „Plan B“ von Femern A/S vor. Aber daran gebastelt wird in Kopenhagen schon: „Wie mit dem Wasserbeschaffungsverband abgestimmt, wird Femern A/S für die Monate Juli und August Alternativlösungen für die Wasserversorgung der Baustelle erarbeiten“, bestätigte gestern auf LN-Anfrage Sprecher Felix Irmer.

Mögliche Optionen sind die Bereitstellung des Wassers durch eine Entsalzungsanlage oder eine Anlieferung per Schiff oder Lkw. Die Konzepte werden derzeit erarbeitet und Anfang 2016 als Teil der geänderten Planungsunterlagen den Behörden übergeben.

Gerd-J. Schwennsen

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