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Ostholstein Fehmarn ringt um nächste Windpark-Generation
Lokales Ostholstein Fehmarn ringt um nächste Windpark-Generation
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20:13 18.03.2016
Bürger-Info der Stadt Fehmarn: Detlef Scheel, Geschäftsführer bei Fehmarn-Netz, erläutert die Ziele der Windpark-Betreiber. In der Mensa der Inselschule sitzen viele Windmüller. Aber es werden auch kritische Stimmen laut. Quelle: Fotos: Schwennsen
Fehmarn

Kraftakt auf der Windpionier- Insel Fehmarn: Seit gut einem Vierteljahrhundert wird dort erfolgreich Windstrom produziert. Höchst profitabel für die Windmüller, lukrativ aber auch für die Stadt. Denn die Windpark-Betreiber sind seit Jahren beständig die stärksten Gewerbesteuerzahler. Dazu kommt ein ökologischer Zusatzeffekt: Fehmarns Beitrag zur Energiewende, der viele Touristen fasziniert. Sogar der Traum von einer energieautarken Insel hält weiter an.

Bürger-Info und Stadtvertretersitzung stoßen auf großes Interesse — Windmüller und Kritiker melden sich zu Wort — Mühsamer Kompromiss.

Wir haben uns diese Planung nicht leicht gemacht.“Marcel Quattek, Bauamt

Und doch wird schon seit Monaten hart um die nächste Repowering-Generation gerungen. Die Gretchenfrage für Verwaltung, Politik und Windmüller: Gelingt es der Insel, der Kieler Landesplanung einen Sonderweg abzuringen — mit Spielregeln, bei denen die Fehmaraner mitreden können? Die Frage betroffener Anlieger lautet dagegen: „Wie nahe rückt der Windpark nebenan an mein Grundstück und Haus?“

In dieser Woche erreichte das Ringen um einen Zukunftsweg einen neuen Höhepunkt. Er erinnert an die 90-er Jahre, als die Suche nach geeigneten Windparkflächen einige schon Spargellandschaften auf der ganzen Insel befürchten ließ. Am Ende gab‘s eine Lösung, mit der die meisten leben konnten. Die Zahl von einst über 150 Anlagen hat sich inzwischen nahezu halbiert.

Und jetzt? Mittwochabend lockte eine Bürger-Info der Stadt rund 200 Insulaner in die Inselschul-Mensa. Gegner trafen auf Befürworter. Der Abend verlief trotzdem friedlich. Aber die tiefen Gräben wurden schnell deutlich.

Knackpunkte gibt es reichlich. So soll ein Abstand der Windparks zu den Kernorten Burg (1500 Meter) und Landkirchen/Petersdorf (1200 Meter) gewahrt werden, damit sie sich weiterentwickeln können. An andere kleinere Ortschaften rücken sie im Falle einer Genehmigung jedoch näher heran.

Zum Beispiel Ostermarkelsdorf mit nur 800 Meter: „Kann sich dann unser touristischer Betrieb weiterentwickeln?“, fragte besorgt Christine Albert. Planer Raimund Weidlich: „Nach Süden ja, nach Osten wahrscheinlich nicht.“ Ein Betroffener aus der Splittersiedlung Ostermarkelsdorf (außerhalb des Dorfes) befürchtet sogar nur 400 Meter Abstand, eine Anwohnerin aus Altenteil: „400 Meter sind eine Zumutung. Ich bin für Windkraft, aber nicht in meinem Schlafzimmer.“ Rainer Schiwek sorgte sich, Bannesdorf drohe von vier Windparks „umzingelt“ zu werden — und als Zugabe obendrein noch die Trasse zum künftigen Belttunnel.

Das alles war eine schwere Vorbelastung, als tags darauf die Stadtvertretung die Weichen stellen wollte. Plötzlich drohte das mühsam geschnürte Paket, das an die Landesplanung gesandt werden soll, auseinander zu reißen. „Aus ,Atomkraft, nein danke!‘ wird auf Fehmarn allmählich ,Windkraft ja, aber...‘“, bedauerte Werner Ehlers (CDU). Erbittert wurde über Schutzzonen, Höhenbegrenzungen und „Wind-Goldkarten“ gestritten. Ratlosigkeit machte sich breit.

Als es ganz chaotisch wurde, beantragte Marianne Unger (SPD) eine Sitzungsunterbrechung. Per namentlicher Abstimmung ging‘s danach weiter. Mit einer Option, die einen Bürgerwindpark im Inselnorden, einen Ersatzwindpark westlich der E 47 und eine Chance für den Windpark Presen wahrt.

Von Gerd-J. Schwennsen

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