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Ostholstein „Fehmarns Surf-Zukunft steht auf dem Spiel“
Lokales Ostholstein „Fehmarns Surf-Zukunft steht auf dem Spiel“
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09:48 20.03.2016

Im Surfshop Orth auf Fehmarn herrscht Hochbetrieb. Bis Ostern soll der Umbau abgeschlossen sein, denn mit dem Osterhasen kommen die Wassersportler auf die Sonneninsel. Besitzer Achim Stuzmann investiert in die Zukunft: 100000 Euro — kein Pappenstiel. Deswegen beunruhigt ihn auch die aktuelle Diskussion um die von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) geplanten Befahrensverbote in Naturschutzgebieten sowie die für FFH- und Vogelschutzgebiete vorgesehenen Vereinbarungen.

Wassersportler befürchten weitere und dann existenziell gefährdende Einschränkungen — Millionenumsätze stünden auf dem Spiel — Naturschutz funktioniere nicht ohne Surfer.

„Wir Surfer sind das Bauernopfer von Minister Habeck.“ Bernie Hiss, Surfer

„Ich bin seit 25 Jahren auf Fehmarn in der Szene aktiv. Meine Erfahrung ist, dass auf ein Verbot in der Regel quasi das nächste unmittelbar folgt“, erklärt Stuzmann. Und eben dieser zu befürchtende Schritt sei für die Szene eine existenzielle Bedrohung. Er begründet die These wie folgt: Fehmarn sei einzigartig, weil es Stehreviere gebe, die bei allen Windrichtungen optimal nutzbar seien. „Genau das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Und genau in diesen Gebieten möchte Habeck den Naturschutz mit Befahrungsverboten belegen und eventuell sogar noch weiter ausweiten.“

Stuzmanns Juniorpartner Sebastian Schwalm sagt mit Blick hinaus auf die Ostsee: „Die Praxis sieht doch so aus: Die einzigen, die die Naturschutzgebiete tatsächlich im Blick haben und aktiv schützen, das sind wir.“ Die Wasserschutzpolizei habe wichtigere Aufgaben und auch nicht die Mannschaftsstärke dafür. Achim Stuzmann ergänzt an dieser Stelle: „Wir kennen unsere Leute, haben täglich mit denen zu tun. Wir kontrollieren die Spots.“

Ex-Surfprofi und Boardhersteller Bernie Hiss hatte bereits in Heiligenhafen erklärt: „Ohne uns funktioniert kein Naturschutz auf der Ostsee.“ Hiss spricht Widersprüche im Habeck-Kurs an. Auf der einen Seite stehe die Ökokatastrophe Beltquerung, die er als Grüner mittrage, und auf der anderen „sollen wir Surfer sein Bauernopfer sein“. Es handle sich um Greenwashing. Dabei seien die Wassersportler auf Fehmarn die einzige Kraft, die Naturschutz kommuniziere, auf Internetseiten, in Fachzeitschriften oder aber mit selbst bezahlten Flyern und durch Gespräche am Strand. Habeck erreiche mit seinen Verboten das Gegenteil dessen, was er anstrebe. Hiss: „Kommt das Verbot, schadet er der Natur.“ Die Surfer würden dann den juristischen Weg einschlagen, um ihre Rechte zu wahren.

Denn laut Hiss gebe es keinen wissenschaftlichen Nachweis, der negative Einflüsse der Surfer auf die Natur belege, auch wenn Habeck dies propagiere.

Belegbar sei dagegen der Schaden für Fehmarn. Jeder dritte Gast sei über das Surfen nach Fehmarn gekommen. Zwölf Surfschulen, dazu Shops und Gastronomen, dürften jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag an Umsätzen durch die Wassersportler generieren. Hiss selbst hat in seiner Firma „Hiss-Tech“, die Boards herstellt, 22 Angestellte. „Da hängen natürlich auch noch die Familien daran“, betont er. Kritisch betrachtet wird die aktuelle Tendenz auch in Heiligenhafen, wo der Großinvestor Jens Sroka mit seinen Hotels „Bretterbude“ und „Beach Motel“ die Surfer-Klientel mit seinen Angeboten ansprechen möchte.

Habeck hatte bei seinem Besuch in Heiligenhafen davon gesprochen, dass ihm kein Betrieb bekannt sei, der existenzielle Bedrohungen durch die Planungen befürchte. Stuzmann hakt an dieser Stelle ein, sagt: „Ich war nicht beim Treffen mit dem Minister dabei, aber an dieser Stelle hätte ich sicher was zu sagen gehabt.“ Prinzipiell hoffen die Surfer auf der Sonneninsel noch auf einen echten Kompromiss mit Habeck. „Das, was wir bisher gehört haben, bedeutet jedoch einzig ein Geben von unserer Seite“, so Schwalm. Daher setzen die Surfer auf die angekündigten Gespräche zwischen Habeck und dem Deutschen Segler Verband, dem die Surfer unterstellt sind. Aktuell kann von einem Konsens nicht die Rede sein.

Von Peter Mantik

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