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Ostholstein Feridun Zaimoglu: Wuchtig und nicht zimperlich
Lokales Ostholstein Feridun Zaimoglu: Wuchtig und nicht zimperlich
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20:31 02.08.2017
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Burg a. F

Der in Kiel lebende Erfolgsautor Feridun Zaimoglu kommt nach Burg. Im Rahmen der Jubiläums-Ausstellung zum 25-jährigen Bestehen des Ernst-Ludwig- Kirchner-Vereines Fehmarn liest er aus seinem neuen Roman „Evangelio“ – eine Auseinandersetzung mit Martin Luther.

Feridun Zaimoglu, 1964 in einer muslimischen Familie geboren und seit mehr als 30 Jahren in Kiel zu Hause, pflegt eine Besonderheit beim Schreiben. Gern verwandelt er sich in seine jeweiligen Protagonisten. Wenn „Isabel“ im gleichnamigen Roman mit sehr wenig Essen auskommt, dann lebt er auch sehr asketisch. Wenn sein kindlicher Protagonist namens Wolf ins „Siebentürmeviertel“ nach Istanbul fliehen muss, taucht auch Zaimoglu für längere Zeit dort unter. Für seinen neuen Roman hat er sich eine besondere Rolle ausgewählt: Luther. Dabei stammt Zaimoglu – wie gesagt – aus einer muslimischen Familie. Er wünscht sich, dass man den Nachnamen deutsch ausspricht, das klinge „zackiger und schöner“.

Zaimoglu, vielfach preisgekrönt, erhielt zuletzt 2016 den Berliner Literatur-Preis und die Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein. Fast 40 Jahre lang habe er sich mit Luther und dem Christentum auseinandergesetzt, sagt Zaimoglu. Er habe die Bibel dutzendfach gelesen – immer wieder. „Evangelio – ein Luther-Roman“, Ende Februar bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, zeigt nun seine Auseinandersetzung mit dem großen deutschen Reformator.

„Eine Warnung vorneweg: Zaimoglu macht es seinen Lesern nicht leicht. Für seine Romane erfindet er gern eigene Sprachen mit eigenen Klängen“, so Imke Ehlers vom Kirchner-Verein, die mit dem Autor befreundet ist. Diese Kunstsprache ist keine Nachahmung der Sprache von damals, sondern im Sinne einer Nachdichtung zu lesen. Vom ersten Wort an stellt er klar, dass er sich mit Luthers Sprache regelrecht berauscht hat, bis er selbst so zu denken, zu sprechen und zu träumen anfing.

Die Geschichte setzt 1521 ein. Zum Schutz vor Papst und Kaiser ist Luther als Junker Georg auf der Wartburg bei Eisenach festgesetzt. „Junker Georgen, Mönch ohne Kutte, gebannt auf die felsenfeste Warte, ist ein stößiger Stier. Er wütet in der ersten Hitze. Meister Martinus speit aus den bösen Geist, den prasselnden Stücken. Sein Maul fließt über, denn das Evangelium sticht ihn.“

Erzählt wird aus der Perspektive des Landknechts Burkhard, der Luther im Auftrag des Kurfürsten von Sachsen bewachen soll. Burkhard ist katholisch und anfänglich voller Zweifel gegenüber den neuen reformatorischen Ideen. Die ungezügelte aufbrausende Wut Luthers gegenüber den Papstanhängern, den Muslimen, Juden und Hexen rufen bei ihm viele Irritationen hervor. Doch Luther wird in „Evangelio“

nicht nur mit den Augen Burkhards gesehen, sondern ergreift selbst aktiv in Form von eingestreuten Briefen das Wort.

Karten für fünf Euro

Die Lesung im Rahmen der Ausstellung „Fehmarn – Kirchners Paradies“ beginnt am Freitag, 4. August, um 19.30 Uhr im „Senator-Thomsen- Haus“ in Burg (Breite Straße 28).

Karten gibt es im Vorverkauf für fünf Euro in den Burger Buchhandlungen Rauert und Niederlechner sowie in der Kirchner-Ausstellung, außerdem für acht Euro an der Abendkasse.

Gerd-J. Schwennsen

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