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Ostholstein Festspiele: Die Probenarbeit beginnt
Lokales Ostholstein Festspiele: Die Probenarbeit beginnt
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21:55 12.06.2017
Schauspielerisch hochkarätig besetzt ist der „Frosch“ mit Elmar Gehlen, der hier seinen Kostümentwurf von Martina Feldmann präsentiert.
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Eutin

Familiär im Ton und klar in der Sache umriss die Regisseurin die Entwicklung von der Ouvertüre bis zum Finale, vom eintönig gewordenen Eheleben über die geplante Rache bis zur champagnerseligen Auflösung. Perfektes Timing ist unerlässlich: „Lange Pausen zwischen den Liedern wird es nicht geben: Applaus und gleich weiter“, sagt Caron.

Intendantin Dominique Caron setzt auf Teamgedanken – Elmar Gehlen mimt den Frosch.

Erfolg für Leo Siberski

Einen Grund mit den Kollegen anzustoßen, gab es während der ersten künstlerischen Besprechung für Leo Siberski. Der Dirigent wird mit Beginn der neuen Spielzeit als Generalmusikdirektor am Theater Plauen-Zwickau wirken. Zuvor konzentriert er sich nach eigenem Bekunden jedoch ganz auf seine aktuelle Arbeit in Eutin.

Die begrenzten räumlichen und technischen Möglichkeiten der Freilichtbühne fordern den Sängern ein Höchstmaß an Konzentration und Präsenz ab: „Wir spielen mit euren Persönlichkeiten“, sagt die energiegeladene Französin, für die es die sechste Spielzeit ist. Angesichts der knapp bemessenen Probenzeit sei sie froh, auf einige „Fledermaus“ -erfahrene Stimmen bauen zu können: Steffi Lehmann ist eine versierte Adele und Michael Heim hat bereits 250 Mal als Gabriel von Eisenstein auf der Bühne gestanden. In Eutin ist er zum ersten Mal dabei und sein Eindruck von der Naturbühne fällt positiv aus. „Die Akustik ist toll“, urteilt der Österreicher.

Wie ein Nachhausekommen mutet der Abstecher in die Kulissen für Milana Butaeva an: „Ich fühle mich schon wie ein Teil der Bühne“, sagt die Sopranistin, die in ihre fünfte Spielzeit startet.

Künstlerisch allerdings liegt Neuland vor der Sopranistin, die unter anderem als Carmen begeistert hat. Der Prinz Orlofsky ist ihr Rollendebüt und ihre persönliche Premiere in einer Hosenrolle. Auch Peggy Steiner gibt erstmals die Rosalinde von Eisenstein, die weit mehr ist als eine treu ergebene Ehefrau.

Das Spiel um die Verstellung wird auf vielschichtige Weise lebendig in Regieeinfällen wie einem offenen choreografierten Umbau zwischen zweitem und drittem Akt: Alle Figuren mimen eine Rolle, niemand ist, was er zu sein vorgibt: „Frosch ist der einzige, der ehrlich ist“, sagt Caron. Mit Elmar Gehlen wird der trinkfreudige Gefängniswärter von einem renommierten Mimen verkörpert: „Den Frosch muss man einfach machen“, sagt der Schauspieler mit Blick auf die Reihe großer Namen, die die Figur schon verkörpert haben. Eine Vorstellung davon, wie er aussehen wird, geben die Zeichnungen von Kostümbildnerin Martina Feldmann.

Der freche spielerische Charakter der Operette soll sich in Kostümen im Stil der 20er Jahre widerspiegeln. Auch das Bühnenbild von Ursula Wandaress kommt ohne angestaubte Biedermeieridylle aus. Ein inszenierter Theaterraum, angelehnt an das Theater des Barock, eröffnet eine Reihe spielerischer Möglichkeiten. „Das Theatralische soll nicht versteckt, sondern bewusst gezeigt werden“, erläutert Wandaress. Die dramaturgische Idee ist klar: Nicht nur die Masken der Figuren verbergen ein zweites Gesicht, auch die beweglichen Theaterwände haben eine Kehrseite, es finden sich Abwege und Nischen.

Alles zusammen zu bringen ist die Aufgabe der kommenden Wochen. Ein Kraftakt, für den Dominique Caron auf den Teamgedanken setzt. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit wird am 8. Juli bei der Premiere zu erleben sein. Die Voraussetzungen stimmen, denn Caron stellt fest: „Ich bin von Talent umgeben.“

 Astrid Jabs

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