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Ostholstein Festspiele Eutin brauchen mehr Zuschüsse
Lokales Ostholstein Festspiele Eutin brauchen mehr Zuschüsse
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17:15 20.11.2018
Das Musical „My Fair Lady“ erwies sich in der Spielzeit 2018 als Zuschauermagnet. Quelle: Peyronnet
Eutin

Das klingt erst einmal gut: „Die Eutiner Festspiele sind wirtschaftlich zu betreiben.“ Das hat Philipp Leist, Projektleiter bei der auf Kultureinrichtungen spezialisierten Unternehmensberatung Actori, festgestellt. Aber die Einschränkung schiebt er gleich hinterher: „Sie müssen sich verändern.“ Als Leist am Dienstag die Ergebnisse seiner von den Festspielen in Auftrag gegebenen Untersuchung vorstellte, verkündete er noch eine andere wichtige Nachricht: Ob die Sommeroper überlebt oder nicht, liegt nicht allein in der Hand der Festspiele.

Politik ist am Zug

Es sind Außenstehende, die letztlich darüber entscheiden. Es sind die Politiker von Stadt, Kreis und Land. Leist hat herausgearbeitet, dass die Eutiner Festspiele mit 15 Prozent öffentlicher Förderung im jährlichen Budget weit abgeschlagen hinter allen anderen Festspiele liegen. 22 Festspiele aus Deutschland und Österreich hat sich Leist zum Vergleich angeschaut und ermittelt, dass sie sich zu 23 bis 35 Prozent über öffentliche Zuschüsse finanzieren. Der Mit-Gesellschafter und Geschäftsführer der Eutiner Festspiele, Falk Herzog, sagt dazu: „Wir sind hoffnungslos öffentlich unterfinanziert. Wir müssen auf eine normale öffentliche Finanzierung hinwirken.“

225 000 Euro kamen für die Spielzeit 2018 als Zuschüsse herein, das waren dank einer einmaligen zusätzlichen Zahlung vom Land 45 000 Euro mehr als im Vorjahr. Die öffentlichen Zuschüsse setzen sich ohne diese einmalige Zahlung aus 80 000 Euro vom Land, 25 000 Euro vom Kreis und 75 000 Euro von der Stadt Eutin zusammen. Ein Betrag, der sich seit Jahren nicht erhöht hat. „Faktisch ist das eine Kürzung“, sagt Leist. Für 2019 dürfte sich der Zuschuss von der Stadt auf 110 000 Euro erhöhen, der vom Land auf 100 000.

Seine Voraussage, die Festspiele könnten überleben, knüpft Leist aber noch an andere Voraussetzungen. Auch die Einrichtung selbst muss ihre Hausaufgaben erledigen: über eine Ausweitung des Programms, vor allem auch in Hinblick auf Kinder und Jugendliche, nachdenken, die eigenen Strukturen verbessern, mehr Werbung betreiben und den Kartenverkauf optimieren.

Rudolz bleibt, Caron geht

Personelle Veränderungen kündigte Gesellschafter Falk Herzog beim künstlerischen Personal an. In Zukunft werde es keine ganzjährige, festangestellte Intendanz mehr geben. Der Vertrag mit Intendantin Dominique Caron laufe Ende August 2019 aus, sie stehe danach nicht mehr zur Verfügung.

Für zwei Jahre verpflichtet wurde Hardy Rudolz. Der Sänger, Schauspieler, Regisseur und Choreograph hatte in der Spielzeit 2018 eine umjubelte „My Fair Lady“ inszeniert. Er wird auch in den kommenden zwei Spielzeiten die Musicals auf der Seebühne umsetzen.

Regisseur Hardy Rudolz wird in den nächsten zwei Spielzeiten in Eutin Musicals inszenieren. Quelle: Susanne Peyronnet
Für Intendantin Dominique Caron endet ihre Zeit bei den Festspielen im kommenden Jahr. Einen fest angestellten Nachfolger wird es nicht geben. Quelle: Maxwitat

Alles Voraussetzungen, damit die Festspiele langfristig überleben können. Nach erfolgreichen Jahren mit jeweils mehr als 37 000, sogar bis zu 43 000 Zuschauern pro Saison erlebten die Festspiele ab 2008 einen Niedergang bei den Besucherzahlen. Tiefpunkt war das Jahr 2017 mit nur 14 500 Besuchern– allerdings bei weniger Vorstellungen. Der Supersommer 2018, ein äußerst attraktives Programm mit „My Fair Lady“ und „La Traviata“ und hohes persönliches Engagement der Gesellschafter bescherten den Festspielen in diesem Jahr eine Wiederbelebung mit 33 200 Zuschauern. Leist goss etwas Wasser in den Wein: „Es wird schwer werden, dieses Jahr 2018 zu wiederholen. Das Wetter und das Engagement lassen sich nicht verstetigen.“

Sorgenkind Tribüne

Erschwerend kommen noch zwei Dinge hinzu. Ein städtebaulicher Vertrag regelt, und dabei spielt auch der Denkmalschutz eine Rolle, dass die Festspiele nur drei Monate im Jahr und nur für höchstens 35 Vorstellungen die Bühne auf dem Grünen Hügel nutzen dürfen. Eine Ausweitung auf vier Monate wäre laut Gutachten wünschenswert. Das größte Problem ist die Tribüne, die dringend erneuert werden müsste. Das ist ein Millionenprojekt. Falk Herzog: „Die Tribüne ist das Schlüsselbauwerk. Ohne Tribüne keine Festspiele. Wenn wir die Tüv-Zulassung nicht mehr bekommen, ist es zu spät.“ Um die Zuschauerränge mit Holzarbeiten für die Saison 2019 am Leben zu erhalten, müssten 30 000 Euro aufgebracht werden.

Leist hat auch untersucht, was die Festspiele für Eutin leisten. Konservativ gerechnet gibt jeder der 33 000 Besucher der Spielzeit 2018 im Durchschnitt 20 Euro in Eutin aus. Und selbst die Musiker und Sänger bringen Geld in die Stadt. Laut Herzog lassen sie in der Zeit für die Proben und Aufführungen bis zu 100 000 Euro allein an Miete für ihre Unterkünfte in Eutin und Umgebung. „Auch das ist ein Wirtschaftsfaktor“, sagt Falk.

Die Ergebnisse des Gutachtens sind in mehreren Gesprächsrunden mit Politik und Verwaltung von Land, Kreis und Stadt erörtert worden. Geschäftsführer Herzog nannte die dabei geführten Diskussionen „auf allen Ebenen erfreulich offen, verantwortungsbewusst und auch zukunftsorientiert“.

Susanne Peyronnet

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