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Ostholstein Feten-Schlägerei ohne juristische Folgen
Lokales Ostholstein Feten-Schlägerei ohne juristische Folgen
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21:16 26.01.2016

Dass Ben (21) und Tom (26, Namen geändert) auf der Anklagebank im Eutiner Amtsgericht sitzen, ist schwer nachzuvollziehen. Die beiden jungen Männer wirken wie der Traum jeder Schwiegermutter. Gut aussehend, ordentlich gekleidet, sympathisch. Und doch sollen sie am 14. Mai 2015 auf der Landjugend-Fete in Böbs eine gefährliche Körperverletzung begangen haben. Gestern mussten sie sich vor dem Eutiner Amtsrichter Otto Witt verantworten.

Vieles ist seltsam an der Geschichte, die im Gerichtssaal ausgebreitet wird. Ben und Tom, so heißt es in der Anklage, hätten um 2.30 Uhr bei einem Streit Mitarbeiter einer Security-Firma geschlagen und getreten. Nur durch den Einsatz von Reizgas hätten sich die Türsteher des Angriffs erwehren können. Dabei soll Ben die treibende Kraft gewesen, Tom seinem Bruder zu Hilfe gekommen sein.

Doch schnell stellt sich die Sache ganz anders dar. Erst berichtet Ben, dass er völlig unvermittelt und ohne jeden Anlass von einem der Security-Männer zu Boden gerissen und in den Schwitzkasten genommen worden sei. „Ich habe niemanden geschlagen.   Ich bin das Opfer“, so Ben. Tom geriet ebenfalls in den Schwitzkasten eines anderen Sicherheitsmitarbeiters. Er habe Pfefferspray und Tritte an den Kopf und in den Bauch abbekommen.

Etwas Licht ins Dunkel bringt Martin (Name geändert), heute 19. Er sagt als Zeuge, dass er erst mit Ben über einen alten Streit gesprochen habe, dann zu den Sicherheitsleuten gegangen sei, um denen zu sagen, es könne gleich Ärger geben. „Dann bin ich wieder zu ihm hin, da habe ich erst gemerkt, dass er ganz ruhig war und nur reden wollte. Aber plötzlich kam einer von der Seite und hat ihn umgerissen. Und dann war da ein Riesenspektakel.“ Aber warum er denn die Security gerufen habe, wenn doch gar nichts los war, wird Martin gefragt. „Es gab keinen Anlass dafür, aber ich gehe Ärger lieber aus dem Weg. Das war rein prophylaktisch.“ Nein, an der Auseinandersetzung trage Ben gar keine Schuld, versichert Martin auf die Nachfrage von Amtsrichter Witt. Das bestätigt kurz darauf auch die Freundin von Ben. Mehr noch, sie kritisiert die Security. „So etwas Aggressives habe ich von Sicherheitsleuten noch nicht erlebt.“

Bei einem Mann und einer Frau vom Sicherheitsdienst klingt das ganz anders. Danach muss eine wahre Schlacht getobt haben, aus der der Mann mit erheblichen Blessuren hervorging. Headset verloren, Schläge kassiert, Reizgas abbekommen. Er sei kurzzeitig benommen gewesen, sagt der Zeuge der Security-Firma. Es sei ihm nicht gelungen, Ben auf den Bauch zu drehen, andere hätten ihn angegriffen.

„Mir wurde mehrfach gegen den Kopf getreten.“ Dass er Ben umgerissen habe, begründet der Mann damit, dass „eine Prügelei definitiv unmittelbar bevorstand“. Ähnlich äußert sich die Frau vom Sicherheitsdienst, die von Tritten auf Wehrlose und hysterischen Mädels erzählt.

Mit ihren Horroszenarien dringen die Zeugen der Security nicht durch. Richter Witt regt an, das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen. So kommt es auch. Witt sagt noch: „Dass man nicht zimperlich regiert, wenn man von hinten angegriffen wird, kann ich nachvollziehen.“

Susanne Peyronnet

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