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Ostholstein Feuchtigkeit und Schimmel bedrohen Exponate
Lokales Ostholstein Feuchtigkeit und Schimmel bedrohen Exponate
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18:06 26.11.2018
Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski zeigt einen alten Löscheimer. Laut Inschrift gehörte das Exemplar einem Herrn Höhn aus dem zweiten Quartier. Er wohnte in einem Haus mit der Nummer 74. Quelle: SEBASTIAN ROSENKÖTTER
Neustadt

Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD) spricht von einem untragbaren Zustand. Sie befürchtet aufgrund der schlechten Lagerbedingungen eine teilweise Zerstörung des Fundus. „Deswegen werden die Stücke jetzt auch so rasch wie möglich in einem Kellerraum bei Ameos untergebracht. Auf diese Weise können die Exponate vor weiterem Zerfall bewahrt werden, eine endgültige Lösung ist dies aber auch noch nicht“, teilt Batscheider den LN mit.

Dass der Umzug dringend notwendig ist, wird bei einem Rundgang durch den Horchturm deutlich. Verteilt auf drei Räume und einen Flur lagern Hunderte Kartons gefüllt mit Keramik, Knochen, Steinen, Spielzeugen und einem Schiffsmodell. „Die ältesten Gegenstände sind mittelsteinzeitliche Funde, die jüngsten kommen aus dem 20. Jahrhundert“, erläutert Museumsleiter Dr. Frank Wilschewski. Von archäologischen Stücken bis hin zu einer Kanonenkugel und einem Lübecker Barockschrank aus dem 18. Jahrhundert reichen die Exponate. Einige sehen auf den ersten Blick schrottreif aus. Dazu zählen auch zwei alte Fahrräder. Doch eben diese wurden während des Zweiten Weltkriegs zur Flucht genutzt. Sie sind ein Stück Stadtgeschichte. „Fast alle Gegenstände sind Teil unseres kulturellen Erbes.

Früher wurde der Großteil im Museum gelagert, heute ist es andersrum“, sagt Frank Wilschewski.

Doch warum werden all die Exponate im Horchturm sowie zum Teil bereits heute auf dem Ameos-Gelände aufbewahrt? Die Antwort liefert Wilschewski. Als das frühere Kreismuseum 2006 in den Besitz der Stadt Neustadt überging, stand eine dringend notwendige Sanierung des Gebäudes (Kremper Tor) an. Ab Ende 2008 musste das Bauwerk komplett geräumt werden. „Wir hatten nur wenige Wochen Zeit. Der Horchturm war ein Provisorium. Schon damals war klar, dass er keine Endlagerstätte sein sollte“, erinnert sich Wilschewski. Jeder Winter hinterlasse seine Spuren an den Exponaten.

Die Rettung für einige der Stücke könnte der diskutierte Neubau des Amtes für gesellschaftliche Angelegenheiten auf dem Klosterhof sein. Die Stadtverordneten sollen im Dezember eine Entscheidung treffen. Nach einem positiven Votum und daraus resultierenden Bau könnten Teile des Archivs einziehen. Jedoch dürfte der Platz begrenzt sein. „Voraussichtlich könnte dort nicht alles gelagert werden.

Wir würden daher eine geeignete Auswahl treffen, zum Beispiel könnten das Verwaltungsarchiv und die häufiger nachgefragten historischen Stadtakten dort aufbewahrt werden“, sagt Dr. Tordis Batscheider. Die beiden Letztgenannten befinden sich aktuell im Amt II in der Rosenstraße sowie im VHS-Gebäude.

 Von Sebastian Rosenkötter

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