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Ostholstein Feuerwehr: Mangelhafte Technik gefährdet Sicherheit
Lokales Ostholstein Feuerwehr: Mangelhafte Technik gefährdet Sicherheit
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21:18 10.02.2018
Atemschutzgeräteträger Marco Bendrich verkabelt vor dem Einsatz das Funkgerät mit der Handsprechgarnitur und diese wiederum mit der Kommunikationseinheit, die in der Maske fest verbaut ist. „Bedienfehler sind eigentlich ausgeschlossen“, sagt er. Quelle: Fotos: Dirk Schneider
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Malente

„Wenn die Verbindung zum Atemschutztrupp im Gebäude abreißt, muss eine Such- und Rettungsaktion abgebrochen werden“, erklärt Bendrich. Im schlimmsten Fall blieben dann vermisste Personen zurück. Von dem Problem seien auch die Eutiner und Süseler betroffen, weitere Wehren aus dem Kreisgebiet würden hinter vorgehaltener Hand davon berichten. Es entstehe vermutlich durch eine mangelhafte Abstimmung zwischen dem eigentlichen Handfunkgerät einerseits und den Zubehörteilen wie Headset, Mikrofonen und Kopfhörern andererseits. Die Folge: Stimmen würden bis zur Unverständlichkeit verzerrt. Man höre nur noch undefinierbare Töne. Auch den Rat der Funkausbilder, die verschiedenen Audioprofile neu einzustellen und feiner zu justieren, habe man befolgt. „Wir haben probiert, probiert, probiert, aber nichts funktioniert“, so Bendrich. „Wir haben uns vom Digitalfunk deutlich mehr versprochen.“

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Die Malenter Feuerwehr schlägt Alarm. Bei Löschangriffen bricht die Kommunikation zwischen den Atemschutzgeräteträgern, Sicherungstrupps und Einsatzleitung immer wieder zusammen. Die mangelhafte Technik gefährde die Sicherheit der Einsatzkräfte, warnt der stellvertretende Gemeindewehrführer Andree Bendrich.

Software-Update soll Verbesserungen bringen

Kreiswehrführer Thorsten Plath bestätigt, dass fast alle Wehren von der Problematik betroffen seien, sich diese aber unterschiedlich stark auswirke. Und in einigen Wehren scheine das Ganze reibungslos zu funktionieren. Es gehe hier wohl um das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Modulen, für die man die richtige Abstimmung finden müsse, so seine erste Einschätzung. „Die Praxis zeigt, dass die Anbauteile sehr genau bedient werden müssen.“ Beispielsweise könnten kleinste Abweichungen bei der Positionierung des Mikrofons, das in den Helmen und Masken der Atemschutzgeräteträger montiert ist, die Übertragung der Stimme beeinträchtigen. Die vorhandene Technik werde beständig weiterentwickelt. „Ein Software-Update soll Verbesserungen bei den Audioprofilen bringen.“ Wann die Handsprechfunkgeräte neu programmiert werden können, ist allerdings unklar.

„Die ersten Updates wurden im September angekündigt, bis heute ist nichts passiert“, spielt Bendrich den Ball zurück. Eine Aussage Plaths, dass es sich möglicherweise um einen Bedienfehler handele, will er nicht unkommentiert stehen lassen. „Wir haben wirklich alles versucht und auch sämtliche Kombinationsmöglichkeiten zwischen Soft- und Hardware durchgespielt – manches wurde etwas besser, aber nichts wurde richtig gut.“ Und im scharfen Einsatz habe man auch nicht Zeit und Muße, mal schnell den Sitz eines Mikrofons um zwei, drei Zentimeter zu korrigieren oder durch das Menü zu scrollen, um Einstellungen zu ändern. Zudem zeige das Beispiel Eutin, die gerade neue Anbauteile getestet haben und diese bestellen werden, dass es wohl Geräte gebe, die den Anforderungen genügen. „Wir haben diese Handsprechgarnitur geprüft. Die Verbindung ist viel besser, wenn auch nicht optimal“, so Bendrich.

Und das könnte eine Sammelbestellung werden. Mit der Eutiner Wehr, die nach Aussage von Heino Kreuzfeldt die Ausstattung für 70 Mann umrüsten wird, planen auch die Süseler 24 Ersatzbeschaffungen für etwa 500 Euro pro Stück. Als erste Wehr Ostholsteins habe Heiligenhafen diesen Wechsel schon vollzogen, betonen die Gemeindewehrführer Heino Kreuzfeldt (Eutin) und Rolf Müller (Süsel). „Die Handsprechteile, die wir jetzt ausprobieren konnten, bieten deutliche Vorteile“, sagt Müller und Kreutzfeld ergänzt. „In die neuen Geräte kann man einfach reinsprechen, ohne auf Winkel und Abstand oder gar die Modulation der eigenen Stimme zu achten – und wird von der Gegenstelle auch verstanden.“ Mit dieser Feststellung kritisieren die Wehrführer zugleich die etwas praxisfernen Handhabungsempfehlungen.

20 neue Garnituren

für Malente

Überzeugt von Bendrichs Argumentation beschloss der Malenter Hauptausschuss einstimmig, als Sofortmaßnahme 10000 Euro für die Beschaffung von zunächst 20 neuen Hör-und-Sprech-Garnituren bereitzustellen, um – wie Bürgermeisterin Tanja Rönck (parteilos) es formulierte – „die Leute, die für uns ins Feuer gehen, abzusichern“.

Auf Fehmarn gibt es, so Gemeindewehrführer Volker Delfskamp, keine gravierenden Probleme. Das habe zuletzt der Großalarm beim Scheunenbrand in Vadersdorf gezeigt. Weniger zufrieden ist Burgs Wehrführer Dirk Westphal: „Der Digitalfunk hat keine großen Verbesserungen gebracht.“ Im Gegenteil: Nicht alles sei alltagstauglich, mancher Einsatz auch wetterabhängig. Probleme tauchten bei Stahlbetonbauten wie kürzlich im Keller des Erlebnisbades „FehMare“ auf. Beim Großfeuer im Vadersdorf habe der Digitalfunk aber reibungslos geklappt.

dis/gjs

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