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Ostholstein FiSch: Eltern sollen am Schulunterricht teilnehmen
Lokales Ostholstein FiSch: Eltern sollen am Schulunterricht teilnehmen
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22:24 29.10.2013
Das „FiSch“-Team mit den Schulleitern der Oldenburger Grundschulen.
Oldenburg

Deutschlandweit gilt jedes fünfte Kind als verhaltensauffällig. Da die Schule das Problem alleine nicht lösen kann, will man an Oldenburgs Grundschulen neue Wege gehen, um Schülern mit Lernschwierigkeiten zu helfen und Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Familie in Schule — kurz „FiSch“ genannt — heißt die Maßnahme, die heute startet und bei der Eltern einmal pro Woche ihre Kinder im Unterricht begleiten können.

Die Wagrienschule, die Grundschule am Wasserquell, die Grundschulen des Schulverbandes Oldenburg-Land sowie die Förderschulen in Oldenburg und Heiligenhafen haben diese Maßnahme gemeinsam auf den Weg gebracht. Sie richtet sich an Kinder, die aufgrund ihres Arbeits- und Sozialverhaltens oder aber fehlender Selbstorganisation Gefahr laufen, den Anschluss an ihre Klasse zu verlieren. „Ziel ist es, dass Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernproblemen sowohl von Lehrkräften, aber auch von Eltern Unterstützung erhalten“, so Koordinatorin und Lehrerin Kerstin Wilder. Eltern als auch Lehrer können sich dafür an das „FiSch“-Team wenden, dem neben Wilder auch Marie Behrens und Wolfgang Knoll angehören.

Jeden Mittwoch gehen die Schüler dann nicht zum normalen Unterricht, sondern sie treffen sich gemeinsam mit jeweils einem Elternteil und zwei Lehrkräften des „FiSch-Teams“ in zwei eigens für die Maßnahme hergerichteten Klassenräumen unter dem Dach der Wagrienschule. Die Schüler — es sind maximal sechs plus jeweils ein Elternteil — arbeiten Stoff aus ihren jeweiligen Klassen durch, verlieren damit nicht den Anschluss an die Klasse. Während eine Lehrkraft unterrichtet, können Schüler die Eltern immer wieder als Unterstützung bei der Bewältigung der Aufgaben und Anforderungen heranziehen.

Kerstin Wilder fungiert dabei als Elterncoach im Hintergrund, gibt Hinweise und Ermutigungen, um die Kommunikation zwischen Eltern und Schülern zu verbessern.

Der zweite Raum bietet Kerstin Wilder die Möglichkeit, mit Eltern im behutsamen Vier-Augen-Gespräch über Probleme im Umgang mit den Kindern zu sprechen.

Der Maßnahme vorgelagert ist ein Erstgespräch, bei dem Schüler, Lehrer und das FiSch-Team gemeinsam individuelle Ziele festlegen. Positiv formulierte Lösungsansätze stehen dabei im Vordergrund. „Das können ganz einfache Ziele sein, wie überhaupt einmal anzufangen, das Material bereit zu legen, oder sich von den Eltern oder den Lehrern Hilfe zu holen“, listet Wilder auf. „Wir wollen Eltern dabei auch das Gefühl geben, wieder positiv auf ihr Kind einwirken zu können und so ihre Elternrolle anders wahrzunehmen“, ergänzt Wolfgang Knoll.“

Die Maßnahme, deren Dauer auf zwölf Wochen festgelegt ist, die bei Bedarf aber auch verlängert werden kann, ist dabei nicht nur auf den einen Wochentag beschränkt. Wilder: „Wir arbeiten eng mit den Klassenlehrern zusammen, die ihrerseits überprüfen, ob die anvisierten Ziele auch im Unterricht erreicht werden.“ Die Rückmeldungen an den Schüler werden darüber hinaus nach jeder Stunde in einem Beobachtungsbogen festgehalten. Am „FiSch“-Tag können dann Eltern und Schüler gemeinsam die Fortschritte sehen — der Erfolg wird sichtbar gemacht.

„Natürlich ist es für die Eltern, insbesondere wenn sie berufstätig sind, nicht so einfach, einen Vormittag in der Woche ihr Kind zu begleiten“, räumt Wilder ein. Erfahrungen hätten jedoch gezeigt, dass sich häufig Lösungen mit den Arbeitgebern für den begrenzten Zeitraum finden ließen.

Sie und ihre Kollegen hoffen jetzt auf gute Mund-zu-Mund-Propaganda, damit einmal pro Woche „FiSch“- Tag in der Wagrienschule ist.

Ursprungsidee stammt aus England
FiSch (Familie in Schule) ist angeregt durch ein in England entwickeltes Familien-Erziehungsprogramm aus dem Bereich der Multi-Familien-Therapie.

Die Grundidee ist, ein Elternteil in den schulischen Alltag einzubinden und in einem klaren Rahmen dessen Kompetenzen in Konfliktsituationen zu stärken. Hierbei lernen die Eltern in einer Gruppe im Unterricht, selbstständig und der Situation angemessen zu handeln und sich bei schwierigen Situationen gegenseitig zu unterstützen.

Thomas Klatt

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