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Fiese Masche: Das Geschäft mit der Hilfsbereitschaft

Neustadt/Eutin/Süsel Fiese Masche: Das Geschäft mit der Hilfsbereitschaft

Kirche wollte Defibrillator anschaffen und setzte auf Sponsoren. Die Firma übernahm das Anwerben und sammelte rund 20000 Euro ein. Dabei kostet ein Gerät nur etwa 2000 Euro. 

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Die Lebensrettungstafel in der Eutiner Kirche hängt bereits, der Defibrillator soll folgen.

Quelle: Foto: Ben

Neustadt/Eutin. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eutin wollte Gutes tun und einen Defibrillator anschaffen. Die Finanzierung sollten Unternehmen aus der Region übernehmen, das Anwerben eine GmbH aus Süddeutschland. Per Telefon und auch persönlich wurden Geschäftsleute aus Süsel und anderen Orten angesprochen. Stets im Gepäck hatten die Mitarbeiter den Verweis auf das lebensrettende Gerät sowie die Außenwirkung, etwas Positives zu unterstützen. Auf einer sogenannten Lebensrettungstafel, die im Gemeindesaal der Michaeliskirche hängt, sind jetzt die Logos von 23 Sponsoren zu lesen. Die Kirche geht davon aus, dass insgesamt etwa 20000 Euro zusammengekommen sind. Die genaue Summe kennt nur die GmbH, will sie aber aus Datenschutzgründen nicht nennen. Viel Geld für ein lebensrettendes Gerät, dass kaum mehr als 2000 Euro kostet. Die hohe Differenz zum Sammelergebnis sorgt nun für reichlich Unmut.

LN-Bild

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eutin wollte Gutes tun und einen Defibrillator anschaffen.

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2009 ärgerte sich Neustadt: Die Stadt hatte einen Defibrillator angeschafft, erzählt Bürgermeisterin Dr. Tordis Batscheider (SPD). Eine andere GmbH als in Eutin war involviert. Das Vorgehen ähnelte dem aktuellen Fall. Am Ende waren die Geldgeber sauer, die Stadt kam erst 2012 aus dem Vertrag heraus.

Pastorin Maren Löffelmacher teilt den LN mit, dass die Kirchengemeinde im Zusammenhang mit der Sponsoring-Aktion diverse Nachfragen von lokalen Unternehmern zu dem Sponsoring-Modell erhalten habe.

Diese hätten den Gewinn der beauftragten Firma als zu hoch erachtet. „Daraufhin wurde geprüft, ob eine Möglichkeit besteht, von dem geschlossenen Vertrag zurückzutreten. Aber die Verträge sind juristisch nicht zu beanstanden“, sagt Löffelmacher. Zugleich kündigt sie an, denjenigen, die es wünschen, ihren Betrag von der Kirchengemeinde zurückerstatten zu lassen.

Man hätte schon länger über die Anschaffung eines Defibrillators nachgedacht, erzählt Susanne Kasten, stellvertretende Vorsitzende der Kirchengemeinden Eutin. Im vergangenen Jahr habe sich dann zufällig das Unternehmen gemeldet und angeboten, ein solches Gerät mit Hilfe von Sponsoren zu ermöglichen. „Es passte zu unseren Überlegungen. Wir haben hier viel Publikum. Das Gesamtpaket stimmte“, sagt Kasten. Jedoch habe niemand darüber nachgedacht, wie viel Geld tatsächlich gesammelt werde. „Wir dachten, dass lediglich die notwendige Zahl von Sponsoren gesucht wird. Wir wollten mit der Aktion auch Vorbild für andere sein, etwas für die Allgemeinheit machen“, ergänzt Pastor Philipp Bonse. Im Nachhinein sei man dabei zu blauäugig gewesen. Schließlich hätten für das Geld weit mehr Geräte in der Region aufgestellt werden können. Warum die Differenz zwischen den reinen Anschaffungskosten eines Defibrillators und den eingeworbenen Mitteln so hoch ist, erklärt die Firma den LN auf Nachfrage.

Schriftlich teilt sie mit, dass neben dem Gerät auch Kosten für das eingesetzte Personal, die Schulung der Nutzer sowie die Auslieferung und die Montage der Tafel hinzukämen. Zudem würde die kostenintensive Wartung des Gerätes übernommen. Darüber hinaus betonen die Verantwortlichen, dass es sich „nicht um eine Spendenaktion zur reinen Refinanzierung eines Defibrillators“ handle. Vielmehr gehe es um eine PR-Maßnahme. Die Sponsoren würden eine Präsentationsmöglichkeit auf einer Lebensrettungstafel kaufen. Diese wird in Kombination mit dem AED (Automatisierter externer Defibrillator) angebracht. Der AED sei nur als Prämie zu verstehen.

Dass im Auftrag der Eutiner Kirchengemeinde rund 20000 Euro eingesammelt wurden, empfindet der Neustädter Arne Rieber, der selbst AED-Geräte vertreibt, zumindest als moralisch äußerst verwerflich. Den LN erzählt er von Fällen, in denen Unternehmen bis zu 30000 Euro für ein Gerät eingeworben hätten. „Ein Gewinn von 20000 Euro ist durchaus realistisch bei solch einem Vorgehen“, erläutert Rieber. Das ärgert ihn. Schließlich könnten für die Summe mehr als zehn Geräte gekauft, aufgestellt und im besten Fall sogar Menschenleben gerettet werden. Die Kosten für ein AED beziffert er auf 1000 bis 2000 Euro, je nach Hersteller und Funktionen. „Hinzu kommt die Wartung. Diese kostet alle vier Jahre rund 150 Euro“, sagt Rieber.

Er fürchtet, dass es in Zukunft immer schwieriger werde, Sponsoren zu finden. Das Misstrauen würde immer größer. Dies bekommt Pastor Matthias-R. Hieber aus Süsel bereits zu spüren. „Wir wurden vom DRK angesprochen, so ein Gerät in der Kirche aufzuhängen, da wir hier am längsten ,aufhaben’. Wir wollten die Hälfte der 1200 Euro zahlen und Sponsoren suchen. Nun haben wir das Problem, dass wir die zweite Hälfte nicht zusammenbekommen.“

Bei all dem Ärger bleibt eine positive Nachricht. Die Kirchengemeinde Eutin hat einen Defibrillator, der nach einer Schulung der Mitarbeiter aufgehängt werden soll.

 Sebastian Rosenkötter

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