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„Flüchtlinge brauchen eine sinnvolle Beschäftigung“

Fehmarn/Neustadt „Flüchtlinge brauchen eine sinnvolle Beschäftigung“

Sorge wegen isolierter Lage einer Fehmaraner Flüchtlingsunterkunft – Geschäftsführer des Kinderschutzbundes mahnt zu besserer Integration – Stadt prüft Möglichkeiten.

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Das ehemalige Martini-Haus in Albertsdorf ist mittlerweile eine Flüchtlingsunterkunft.

Quelle: Fotos: Jen, Archiv

Fehmarn/Neustadt. Folgt auf Langeweile irgendwann Frustration oder gar Aggression? Die Abgeschiedenheit einer Fehmaraner Flüchtlingsunterkunft hat die Diskussion um die Situation junger Asylbewerber in Ostholstein neu entfacht. Insulaner befürchten, dass die Stimmung in einer Unterkunft in Albertsdorf über kurz oder lang kippen könnte, weil es dort für die Bewohner so gut wie nichts zu tun gibt. Martin Liegmann, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes (KSB) Ostholstein, bestätigt, dass das Thema „auch in anderen Kommunen im Kreis ein Problem“ sei. Es sei wichtig, gerade junge Flüchtlinge sinnvoll zu beschäftigen – anderenfalls sei „ein destruktives Verhalten früher oder später die natürliche Konsequenz“.

Der KSB ist selbst in verschiedenen Städten und Gemeinden mit der Flüchtlingsbetreuung befasst. Gerade in Randlagen ohne gute Infrastruktur sei es häufig nicht leicht, Arbeitsfelder für Asylsuchende aufzutun, räumt Liegmann ein. Zumal Letztere auch keine gewerblichen Tätigkeiten ausüben dürften beziehungsweise jeder Job zunächst mit der Agentur für Arbeit abgestimmt werden müsse. Das Ganze sei eine große Herausforderung, doch es sei entscheidend, Angebote zu schaffen. Hier seien die hauptamtlichen Flüchtlingsbeauftragten – wie sie auch Fehmarn hat – gefordert. Es reiche nicht aus, sich bei der Integration darauf zu verlassen, dass Ehrenamtler freiwillige Aktionen initiierten.

Für Neustadt gebe es jetzt zum Beispiel die Idee, ein Café von Flüchtlingen für Flüchtlinge ins Leben zu rufen; der KSB will nun prüfen, wie und wo das Vorhaben umgesetzt werden kann. „Solche Projekte brauchen wir“, betont Liegmann. Jedem Menschen tue es gut, eine sinnvolle Aufgabe zu haben – und in der Regel würden Asylbewerber solche Aufgaben auch bereitwillig übernehmen.

Sie würden gerne etwas tun, pflichten Raafat und Azzam (beide 24) bei. Die beiden Syrer leben seit einigen Wochen mit etwa 20 weiteren Asylbewerbern in der Sammelunterkunft in Albertsdorf. Die Fehmaraner seien sehr freundlich, sagen die jungen Männer, sie hätten nur gern mehr Kontakt zu Einheimischen. Abgesehen vom regelmäßigen Deutschunterricht sei es „sehr langweilig“.

Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD) gibt zu, dass die Lage der Albertsdorfer Flüchtlingsunterkunft ziemlich isoliert ist. Die Stadt sei aber bereits dabei, gemeinsam mit der Firma Autokraft zu prüfen, ob zusätzliche Busverbindungen eingerichtet werden könnten. Zwar gebe es auch noch den Bürgerbus – man habe aber festgestellt, dass „das bisherige Angebot offenbar nicht ausreicht“. Ebenfalls geprüft werde, ob in der Unterkunft W-Lan eingerichtet werden kann. Die Bewohner würden sich freuen: Dann könne er viel besseren Kontakt zu seiner Familie halten, sagt Raafat. Bürgermeister Weber:

„Wir sind dran – ein vernünftiger Internetanschluss ist auf dem Land allerdings leider keine Selbstverständlichkeit, wie wir alle wissen.“

Während die einen die Bemühungen der Stadt unterstützen, reagieren andere Fehmaraner darauf jedoch weniger begeistert. Warum jahrelang eine Busverbindung nach der anderen gestrichen worden sei und es nun für die Flüchtlinge plötzlich doch wieder möglich sein soll, das Angebot zu erweitern, fragen sich mehrere Inselbewohner. „Sie sollen ihre Busse haben“, betont eine ältere Frau, „es ist nur erstaunlich, dass so etwas für die Einheimischen nicht getan wird.“

KSB-Chef Liegmann warnt mit Blick auf derlei Stimmen vor einer „Schieflage“. Kämen solche Einwände von Einheimischen, müsse man dem Rechnung tragen, mahnt er, es darf nicht der Eindruck entstehen, die Stadt mache mehr für Asylbewerber als für ihre alteingesessenen Bürger. Andererseits erhöhe eine Flüchtlingsunterkunft in kleinen Dörfern die Einwohnerzahl zum Teil nicht unerheblich – was dann eben auch mehr Busverbindungen rechtfertigen könne. Grundsätzlich sei eine bessere Anbindung an belebtere Teile der Insel auf jeden Fall wünschenswert, betont Liegmann.

Jennifer Binder

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