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Ostholstein Flüchtlinge in Neustadt abgezockt: Warnung vor Haustürgeschäften
Lokales Ostholstein Flüchtlinge in Neustadt abgezockt: Warnung vor Haustürgeschäften
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21:23 02.05.2016

Sie sprechen kaum Deutsch, haben nicht selten eine traumatische Flucht hinter sich — und werden dann in ihrem neuen Zuhause abgezockt. Die Berichte über Flüchtlinge, denen Verträge von Energieversorgern und anderen Unternehmen angedreht werden, häufen sich. Jüngst wurde in Neustadt eine syrische Familie zum Opfer. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt vor einer Welle ähnlicher Vorkommnisse und fordert mehr Aufklärung bezüglich Haustürgeschäften.

Dass Menschen abgezockt werden, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen, bestätigt auch Larisa Sharapova (Kinderschutzbund/Beschäftigung und Qualifizierung Ostholstein gGmbH). Sie ist im Bereich der Migrationsberatung tätig. „Es kommt immer wieder vor, dass Menschen Verträge in die Hand gedrückt bekommen. Wenn irgendwann Mahnungen rausgehen, kommen sie zu uns. Wir versuchen dann zu helfen, denn oft verstehen sie die Inhalte von Verträgen nicht.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch Antje Thiel vom Verein „Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn“ gemacht. „Vor einem dreiviertel Jahr hat mich eine iranische Familie, die ich betreue, angerufen. Sie sagte mir, dass ein Mann von der Strombehörde da sei. Das kam mir komisch vor und ich habe gesagt, dass sie bloß nichts unterschreiben sollen. Da dachte ich noch, dass es ein Einzelfall ist“, so Thiel. Vor einigen Wochen habe dann das Elmshorner Sozialamt gewarnt, dass mehrere Flüchtlinge an der Haustür Erdgas- und Stromverträge abgeschlossen hätten, obwohl sie diese gar nicht benötigen würden. Schließlich kümmert sich die Stadt um die Versorgung, wie auch in Neustadt.

An der Haustür unterschriebene Verträge sorgen immer wieder für Ärger. Regelmäßig warnen die Stadtwerke in Neustadt und Oldenburg vor unseriösen Dienstleistern, die auf Provisionsbasis unterwegs sind. Hinzu kommen Anrufe, die ebenfalls auf einen Vertragsabschluss abzielen, auch wenn der Kunde dies gar nicht möchte. Neustadts Stadtwerke-Leiterin Vera Litzka sagt, dass unlautere Haustürgeschäfte keine Einzelfälle seien. Neu sei für sie, dass Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse zum Opfer wurden. „Ich empfinde das als absolut geschmacklos. Generell gilt, dass solche Geschäfte nicht zu empfehlen sind und Kunden sollten wissen, dass sie ein zweiwöchiges Rücktrittsrecht vom Vertrag haben“, betont Litzka.

Dass die Zahl der Fälle zunehmen wird, scheint sicher. Joanna Batista vom Rechtsreferat der Verbraucherzentrale in Kiel, sagte den LN, dass ihr bislang keine Vorkommnisse bekannt seien. Das könne aber daran liegen, dass Flüchtlinge bislang nicht gezielt die Verbraucherzentralen aufsuchten. „Es kann aber sein, dass die Welle erst zu uns schwappt und demnächst in den Beratungsstellen ankommt.“

Stromanbieter wechseln

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, regelmäßig den eigenen Stromvertrag zu überprüfen und aus Kostengründen zu wechseln. Zu beachten sei, dass die Laufzeit eines neues Vertrages nicht mehr als ein Jahr und die Kündigsfrist nicht länger als einen Monat betragen sollte. Zudem warnt die Verbraucherzentrale vor „Supersparangeboten“ und betont, dass „die Preise möglicherweise nicht kostendeckend kalkuliert sind“. Festpreisangebote seien mit Vorsicht zu behandeln.

Von Sebastian Rosenkötter

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