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Flüchtlingsdebatte: „Wir sind nicht Köln, wir sind Süsel“

Bujendorf Flüchtlingsdebatte: „Wir sind nicht Köln, wir sind Süsel“

Hilfe bei Unterbringung gefragt — Bujendorfer und Gömnitzer sind verhalten.

Bujendorf. Die Dorfschaften Bujendorf und Gömnitz über mögliche Flüchtlingsunterbringung informieren sowie Wohnraum und ehrenamtliche Helfer rekrutieren — mit diesem Anliegen war die Gemeinde Süsel, vertreten durch den den stellvertretenden Bürgermeister Adrianus Boonekamp (CDU), am Mittwoch in die Schützenhalle in Bujendorf gekommen. Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln, am Abend mehrfach angesprochen, haben aber offenbar in Bujendorf und Gömnitz Skepsis gegenüber neuen Mitbürgern geschürt.

35 Menschen seien im vergangenen Jahr in der Gemeinde angekommen und untergebracht worden, für 2016 seien 113 angekündigt worden, berichtete Adrianus Boonekamp einleitend. Süsel habe Wohnungen in Zarnekau, Röbel, Groß Meinsdorf, Barkau und im Hauptort anmieten können, angesichts der Zahlen würden aber dringend weitere benötigt. „Wir streben weiter eine private Unterbringung in den Dörfern an, die Menschen können so besser integriert werden“, argumentierte er. Erst wenn das nicht mehr klappe, müsse man zu Plan B übergehen: zentrales Wohnen, im ungünstigsten Fall in Containern.

Der Gemeinde sei bewusst, dass in den Dorfschaften „nicht so gern“ Alleinstehende gesehen würden. Aber ob junge Männer oder Familien kämen, liege allein in der Entscheidung des Landes, das auch für die sehr kurzfristige Zuweisung und den daraus resultierenden Zugzwang der Gemeinden verantwortlich sei, machte Boonekamp verärgert klar. Ehrenamtler begleiteten die alleinstehenden jungen Männer bei ihren ersten Schritten in der neuen Umgebung — „das hat sich bewährt, und wir sollten uns davor hüten, sie gleich als potenzielle Verbrecher zu betrachten“.

Genau das scheinen einige Bujendorfer und Gömnitzer in den Flüchtlingen und Asylbewerbern zu sehen. Eine Auswahl von Wortbeiträgen: „Der Sommer steht vor der Tür. In Gömnitz leben viele junge Frauen und Mädchen. Wer garantiert für die Sicherheit?“ „Die Übergriffe haben seit Silvester nicht abgenommen, da muss man nur mal den Polizeireport lesen. Die Zeitungen verschweigen das doch.“ „Unsere Häuser verlieren an Wert mit Flüchtlingen in der Nachbarschaft.“ „Kinder von Flüchtlingen werden bei der Vergabe von Kindergartenplätzen bevorzugt gegenüber deutschen Kindern.“ „Warum werden für Flüchtlinge Wohnungen hergerichtet, für arme deutsche Familien nicht?“

Da half es auch nicht, dass ein Zuhörer eingangs der Diskussion um „eine vernünftige Wortwahl und einen vernünftigen Ton“ gebeten hatte. Aus der Bujendorferin Birte Petersen platzte es schließlich heraus: „Die Flüchtlinge kommen nicht aus Spaß. Sie fallen doch hier nicht ein, um junge Mädchen zu vergewaltigen. Ich möchte mal an die zahlreichen Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in ganz Deutschland erinnern. Woher kommt nur diese Angst bei Ihnen? Ich kann das nicht verstehen und bin fassungslos.“ Dass es Unklarheiten und Berührungsängste gebe, könne sie noch nachvollziehen. „Aber machen Sie einen Schritt auf diese Menschen zu, dann ist Integration möglich“, appellierte sie.

Albrecht Dudy, in Bujendorf wohnender SPD-Gemeindevertreter, erinnerte: „Es kommen so viele junge Männer, weil sie nicht in ihrem Land in den Krieg ziehen und sterben wollen.“ Auch für Andrea Belitz vom Kinderschutzbund Ostholstein war das Maß voll: „Sie alle sind Eltern, Großeltern, haben Neffen, Cousins. Stellen Sie sich vor, was passieren müsste, damit Sie Ihre Kinder über 10000 Kilometer hinweg auf eine Flucht in eine ungewisse Zukunft schicken!“ Sie arbeite seit 2009 mit unbegleiteten, männlichen Flüchtlingen, nicht einmal habe es einen negativen Kontakt mit der Polizei gegeben. „Ihr Ziel ist es, in Deutschland zu arbeiten, nicht den Sozialstaat zu schröpfen.“

Adrianus Boonekamp unterstrich: „Wir sind nicht Köln, wir sind Süsel. Und die beste Hilfe sind Sie.“ ben

„Die beste Hilfe sind Sie.“
Adrianus Boonekamp,
stellvertretender Bürgermeister Süsel
„Woher kommt nur
diese Angst?“
Birte Petersen aus Bujendorf

LN

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