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Ostholstein Frauen-Festival im Ferienpark: Entspannung, Party und ernste Themen
Lokales Ostholstein Frauen-Festival im Ferienpark: Entspannung, Party und ernste Themen
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22:10 22.04.2016
Freuen sich vor allem darauf, nette Menschen kennezulernen: Corinne, Martyna, Melanie, Rocky und Jasmin lassen es sich beim L-Beach-Festival im Ferienpark Weissenhäuser Strand gut gehen. Quelle: Fotos: Binder
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Corinne und Jasmin setzen „ein Zeichen für internationale Freundschaft“, wie sie schmunzelnd erklären. Die Schweizerin und die Bremerin haben es sich mit weiteren Frauen auf beziehungsweise vor einer Hängematte gemütlich gemacht und genießen die Sonne. Das Wetter spielt mit beim L-Beach-Festival im Ferienpark Weissenhäuser Strand — auch wenn Jasmin es gerne „noch etwas wärmer“ hätte.

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4000 Besucherinnen — Heute und morgen noch Programm bei L-Beach in Weissenhäuser Strand.

„Wir sind verheiratet — und doch gelten andere Regeln.“ Annika Jansen (37)

Etwa 4000 — größtenteils lesbische — Besucherinnen feiern an diesem Wochenende die laut Veranstalterin „größte Frauen-Party Europas“. Das Programm reicht von Musik über Sportangebote bis hin zu zahlreichen Workshops und Talkrunden. In einer davon erzählen gestern Regina und Annika Jansen ihre Geschichte. Mehr als 100 Frauen lauschen den Leiterinnen der Hamburger „Ilse“ (Initiative lesbischer und schwuler Eltern) von ihren Erfahrungen zum Thema „Vom Kinderwunsch zur Regenbogenfamilie“.

Seit 15 Monaten sind die beiden glückliche Eltern von Sohn Sverre. Doch es dauerte fast fünf Jahre, bis das lang ersehnte Wunschkind tatsächlich geboren wurde. Ende 2009 wandten sich die beiden Frauen zum ersten Mal an eine Kinderwunsch-Klinik. Bei der Frage, wer das Baby austragen würde, waren sie sich sofort einig: Regina hatte den Wunsch danach, Annika nicht. Es folgten mehr als 20 erfolglose Versuche, per Insemination — also durch Samenübertragung — schwanger zu werden. 2012 klappte es, doch in der neunten Woche hatte Regina eine Fehlgeburt.

Zuletzt sei sie schon so weit in den Wechseljahren gewesen, dass sie keine eigenen Eizellen mehr gehabt habe, erzählt die heute 44-jährige Regina. Also wurde eine Eizelle ihrer heute 38-jährigen Frau befruchtet und Regina eingepflanzt. „Viele lesbische Paare halten das für den perfekten Weg zum gemeinsamen Kind, weil beide Frauen ihren Anteil haben“, weiß Regina Jansen. Sie betont jedoch, dass diese Methode auch viele Risiken berge: „Man hat zu 100 Prozent fremdes Material im Körper. Es kann passieren, dass er es abstößt — ähnlich wie bei einem Spenderorgan.“ Sie selbst habe Sverre in der 32. Woche per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, weil sie an einer Schwangerschaftsvergiftung gelitten habe.

Der jeweilige Weg zur Schwangerschaft wolle insofern im Vorfeld gut durchdacht sein, mahnt Regina Jansen. Auch müssten sich lesbische Paare überlegen, ob sie sich an eine Samenbank wendeten oder sich privat einen Spender suchten — und ob im letzteren Fall dieser im Leben des Kindes eine Rolle spielen soll.

Annika Jansen ging zudem auf einige rechtliche Aspekte ein, mit denen sie und ihre Frau sich konfrontiert sahen. Auch noch nach Sverres Geburt: 14 Monate hat es gedauert, bis Annika Jansen ihren Sohn offiziell adoptieren durfte. „Das war ohnehin sehr skurril“, sagt die Mutter, „dass ich mein eigenes Kind adoptieren musste.“ Es war ihre Eizelle, die befruchtet wurde, die beiden Frauen leben seit Langem in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft — und doch hatte Regina Jansen bis vor Kurzem das alleinige Sorgerecht. „In einer Ehe ist der Mann rechtlich automatisch als Vater des Kindes anerkannt — ich würde mir wünschen, dass das auch bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften so ist“, sagt Annika Jansen.

Letztendlich habe sich jedoch alles Warten und Bangen gelohnt, ist sich das Paar einig, das jetzt mit dem kleinen Sohnemann um die Wette strahlt. Die Zeit bis zur erfolgreichen Schwangerschaft sei auch „eine Belastung für die Beziehung gewesen“, gibt Regina Jansen zu, doch Aufgeben sei nie eine Option gewesen. „Wir wollten einfach ein gemeinsames Kind.“

Eindrücke vom L-Beach 2014:

Von Jennifer Binder

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