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Ostholstein Frauen an der Macht: Bekommt Timmendorf einen neuen Politikstil?
Lokales Ostholstein Frauen an der Macht: Bekommt Timmendorf einen neuen Politikstil?
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21:10 21.06.2013
Frauen-Power für Timmendorfer Strand: die wiedergewählte Bürgervorsteherin Anja Evers (CDU, M.) und ihre Stellvertreterinnen Anja Meints (WUB, l.) und Mechthild Petsch-Kuhn (SPD). Quelle: Fotos: Latzel
Timmendorfer Strand

„Das ist wirklich ein neues Bild.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgervorsteherin Anja Evers (CDU) die konstituierende Sitzung der neuen Gemeindevertretung von Timmendorfer Strand. Und Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) sieht in diesem neuen Bild mehr als Äußerlichkeiten. Sie verbindet damit auch einen neuen Politikstil in der Gemeindevertretung. Denn Evers spielte mit ihrer Feststellung nicht nur auf die zahlreichen neuen Gesichter in der Runde an, sondern auch auf die Tatsache, dass jetzt insgesamt acht Gemeindevertreterinnen die politischen Geschicke der Gemeinde mitbestimmen werden. Zuvor saß Evers als einzige Frau zwischen lauter Männern. Und es ist nicht nur die Anzahl der Frauen in der Gemeindevertretung: Bis auf zwei sind auch alle Schlüsselpositionen der Gemeinde jetzt mit Frauen besetzt. Zu den Stellvertreterinnen der einstimmig wiedergewählten Anja Evers wurden Anja Meints (WUB) und Mechthild Petsch- Kuhn (SPD) bestimmt. Kara vereidigte zudem ihre Stellvertreter: Gudula Bauer (CDU), Andreas Müller (WUB) und Jörn Eckert (SPD).

„Es wird nicht so bleiben, wie es ist“, kommentierte Kara die kommende Arbeit. „Das liegt an der Art und Weise, wie Frauen sich geben. Sie haben einen anderen Stil zu diskutieren, zuzuhören und damit umzugehen, wenn ihre Ideen nicht sofort auf Zustimmung stoßen.“ Außerdem seien Frauen offener für neue Ideen von anderen, offener jedenfalls als Männer, die ihr „Platzhirsch-Gehabe“ pflegten.

Erwartungsvoll, aber nicht ganz so euphorisch ist Anja Evers: „Es war ja vorher nicht alles schlecht. Frauen haben natürlich einen anderen Stil, wie der hervortreten mag, werden die nächsten Monate zeigen.“ Bisher habe sie mit ihren Stellvertretern hervorragend zusammengearbeitet, das erwarte sie auch von ihren beiden Stellvertreterinnen. Aber: „Frauen sind einfach diplomatischer. Deshalb wird es einen Tick harmonischer, als es schon war.“ Dass sich die Frauen so stark durchgesetzt haben, überrascht Evers nicht. „Viele Frauen haben sich engagiert und einen guten Wahlkampf gemacht. Ich hoffe, dass sie jetzt ihre Ziele in die Tat umsetzen. Das ist für Frauen mit Kindern und Beruf ja immer etwas schwieriger als für Männer.“

Ein paar Bastionen sind den Männern auch noch geblieben — in den Ausschüssen. Zu Vorsitzenden wurden gewählt: Jacob Bielfeldt (WUB, Finanzausschuss), Jörn Eckert (SPD, Ausschuss für Kultur, Bildung und Soziales), Rainer Steen (CDU, Ausschuss für Planung und Bauwesen), Kay Kastner (SPD, Ausschuss für Verkehr und Brandschutz) sowie Ingo Menke-zum Felde (CDU, Tourismusausschuss). Bei einigen Ausschüssen haben aber ebenfalls erstmals die Frauen den Vorsitz inne. Dazu gehören: Nicole Hopp (WUB, Hauptausschuss), Stefanie Paetow (Grüne, Ausschuss für Jugend und Sport) und Gudula Bauer (CDU, Ausschuss für Umwelt und Energie) Diese erste Sitzung mit neuem Personal ging auch schon weitgehend konfliktfrei über die Bühne. „Der Alltag des kommunalpolitischen Handelns hat uns wieder erreicht“, sagte Bürgermeisterin Hatice Kara und verwies auf die zahlreichen Herausforderungen wie Zentrumsplanung, Fischereihof Hemmelsdorf oder Seebrücke Niendorf, die in dieser Legislaturperiode anstehen. „Diese Aufgaben können wir nur gemeinsam bewältigen“, mahnte Kara. „Entgegen meiner Erfahrungen im ersten Jahr als Bürgermeisterin“, fuhr sie mit Blick auf diverse Querelen der vergangenen Monate fort, „hoffe ich, dass wir fair und sachlich um gute Lösungen ringen werden.“ Alle Gemeindevertreter seien am Gemeinwohl orientiert, „und wir müssen zu Entscheidungen kommen. Und bei allem Ernst wollen wir auch die Heiterkeit nicht vergessen“.

„Frauen sind diplomatischer, alles wird einen Tick harmonischer.“
Anja Evers, Bürgervorsteherin

Sabine Latzel und Susanne Peyronnet

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