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Frauen stricken gegen Gewalt

Neustadt Frauen stricken gegen Gewalt

Mit Wolle und Nadeln engagieren sich immer mehr Neustädter Frauen gegen Gewalt. Bis November sollen Hunderte Stoffquadrate entstehen. Miteinander verbunden, könnten sie als Schals oder Decken verkauft werden. Die Einnahmen sind für Präventionskurse gegen Gewalt gedacht.

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Sie werben für die Strickaktion gegen Gewalt an Frauen (v. l.): Natalia von Levetzow, Angelika Fugmann, Maeve Reichel, Ingrid Schuster und Elisabeth Reidenbach.

Quelle: Foto: Sebastian Rosenkötter

Neustadt. Was ungewöhnlich klingen mag, hat einen ernsten Hintergrund. Im vergangenen Jahr wurden dem Ostholsteiner Frauennotruf im Bereich Neustadt und Eutin 46 Taten häuslicher Gewalt gemeldet. „Das Dunkelfeld ist wohl sehr viel höher“, sagt Diplom-Psychologin Maeve Reichel. Die Scham, über Gewalt zu reden, sei groß.

Laut Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend erleben rund 25 Prozent aller Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in Partnerschaften. Noch höher sei die Zahl der Frauen, die psychische Gewalt, oder aber Gewalt durch andere Familienmitglieder erfahren.

Um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, beteiligen sich bislang rund 30 Neustädterinnen an der Aktion „Stri(c)kt gegen Gewalt“. Eine von ihnen ist Elisabeth Reidenbach. Sie ist mit Leidenschaft dabei und hofft auf weitere Unterstützer. Schließlich gebe es sehr viele Opfer von Gewalt, die nicht wüssten, wo sie Hilfe bekommen. Deshalb sei es wichtig, dass der Frauennotruf immer wieder öffentlich in Erscheinung trete.

Neustadts Gleichstellungsbeauftragte Natalia von Levetzow sieht dies ähnlich. „Der Mensch hat eine selektive Wahrnehmung. Man übersieht die Thematik leicht, wenn man nicht betroffen ist.“ Für von Levetzow fängt Gewalt dort an, wo die Freiheit einer Person eingeschränkt wird. Komische Blicke des Chefs, aufdringliche Verhaltensweisen von Kunden – Dinge wie diese sollten keinesfalls toleriert werden.

Doch nicht nur Opfer müssen eine hohe Hemmschwelle überwinden. Auch Nachbarn und Freunde tun sich häufig schwer. „Wenn eine Nachbarin ein blaues Auge hat und jemand vermutet, dass sie geschlagen wurde, ist es nicht leicht, dies in der richtigen Art und Weise anzusprechen. Schließlich ist es eine sehr intime Situation“, erläutert Natalia von Levetzow. Sie empfiehlt, dass sich auch Beobachter an Beratungsstellen wenden und das Vorgehen besprechen.

Mit der Strickaktion wollen die Neustädterinnen vor allem eines – Aufmerksamkeit. Zum internationalen „Tag gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November soll es eine Veranstaltung vor dem Neustädter Rathaus geben. An diesem Tag werden die gestrickten Quadrate im Mittelpunkt stehen. „Wir sind gerade in der Feinabstimmung. Ich kann mir vorstellen, einen großen Teppich der Solidarität gegen Gewalt anzufertigen. Anschließend könnte man einzelne Quadrate weiterverarbeiten und gegen Spenden abgeben, oder verkaufen“, sagt Maeve Reichel.

Fest steht, dass die Einnahmen in Neustadt eingesetzt werden sollen. Geplant ist, Präventionskurse für Mädchen und Frauen zu finanzieren. Ganz wichtig ist den Organisatorinnen und Unterstützerinnen eines: „Gewalt passiert überall“, so Maeve Reichel. „Die soziale Herkunft ist keinesfalls entscheidend.“

Hintergrund der Kampagne und Hilfsangebote für Betroffene

Die Kampagne „Stri(c)kt gegen Gewalt“ stammt aus Schwäbisch Hall vom „Runden Tisch gegen Gewalt an Frauen, Frauen gegen Gewalt“. Der Landesverband Frauenberatung Schleswig-Holstein unterstützt die Aktion ebenso wie der Frauenrat des Landes.

Ausführliche Informationen gibt es auf der Internetseite www.strickt-gegen-gewalt.de.

Die Wollquadrate sollten 20 mal 20 Zentimeter groß sein. Abgegeben werden können sie beim Verein „Frauenberatung und Notruf Ostholstein“ in Neustadt (Lienaustraße 14) sowie im Büro der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt (Rosenstr. 2a). Wolle kann gestellt werden.

Wer von Gewalt betroffen ist oder aber Gewalt beobachtet hat, der erreicht die Mitarbeiterinnen des Ostholsteiner Frauennotrufs unter 04561/9197 und 04521/73043.

Darüber hinaus gibt es an Wochenenden und Feiertagen die kostenfreie Hilfehotline mit der Nummer 08000/116016.

 Sebastian Rosenkötter

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