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Ostholstein Freund nach Zechgelage verprügelt
Lokales Ostholstein Freund nach Zechgelage verprügelt
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22:21 15.04.2016

Manchmal überschlagen sich im Gerichtssaal die Ereignisse regelrecht. Manchmal scheinen Verhandlungen jedoch auch in einer Art entschlusslosem Niemandsland vor sich hin zu dümpeln, zumindest fühlt es sich so an. Und dafür war in dieser Woche der Prozess gegen zwei junge Ostholsteiner vor dem Amtsgericht in Eutin ein gutes Beispiel. Angeklagt waren der 25-jährige Julian B. und der 23-jährige Tom F. (Namen geändert), und zwar wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Sie sollen den 21-jährigen Pascal H. (Name geändert) verprügelt und getreten haben. Beide Angeklagte waren zum Tatzeitpunkt betrunken, beiden ist eine Behinderung wegen eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit bescheinigt worden.

Tom F. hatte sich zu Prozessbeginn dafür entschieden, die Karten auf den Tisch zu legen. Exzessiv gezecht hätten sie am Tatabend und in der Tatnacht, berichtete er, zu viert insgesamt, denn ein Cousin von Pascal H. war ebenfalls dabei, und zwar in der Wohnung von Julian B. in Pansdorf. „Bier, Wodka, Korn, Sekt und ein echt ekelhafter, hochprozentiger Rum“: So umriss Tom F. die Getränkeauswahl, die schließlich dazu führte, dass sich Pascal H. in genannter Wohnung übergab. Was Julian B. derart missfiel, dass er gegen drei Uhr nachts die Gästeschar hinauswarf. Draußen beschlossen er und Tom F. anscheinend, dass Pascal H. für den Vorfall eine Abreibung verdient hätte. Tom F. schlug zu, „auf den Hinterkopf und zweimal ins Gesicht“. Pascal H. ging zu Boden und wurde getreten, sowohl von Tom F. als auch offenbar von Julian B., der vor Gericht zunächst allerdings nicht aussagen wollte.

Pascal H. erlitt ein Hämatom und eine Schwellung am Auge sowie eine Platzwunde. Sein Cousin stand daneben und rührte sich nicht, „weil ich tierische Angst hatte“. Sie ließen den verletzten Pascal H. liegen und gingen zurück zur Wohnung von Julian B. Pascal H. klingelte derweil am nächstgelegenen Haus, dessen Bewohner einen Rettungswagen und die Polizei verständigten. Julian B. und Tom F. zechten noch bis acht Uhr morgens weiter, „weil es mich so bedrückt hat, was ich getan habe“, so Tom F. Er entschuldigte sich im Gerichtssaal mehrfach und ausdrücklich bei seinem Opfer und kündigte an, sich stationär therapieren zu lassen.

Schweigsam gab sich hingegen Julian B., bis sich abzeichnete, dass eine Einstellung des Verfahrens nur bei einer gewissen Einlassung seinerseits möglich sein würde. Daraufhin schloss er sich weitgehend der Darstellung von Tom F. an. Auch er habe nach der Tat ein schlechtes Gewissen gehabt, so Julian B., und sich zwischenzeitlich wieder mit Pascal H. vertragen. Was war nun daraus zu machen?

Tatsächlich wurde das Verfahren schließlich eingestellt. Tom F. muss weiterhin eine bereits begonnene Arbeitstherapie besuchen, bis er einen Platz in einer stationären Einrichtung bekommt, und — aufgrund seines nur geringen Taschengeldes — ein Schmerzensgeld von 120 Euro an Pascal H. zahlen. Julian B. zahlt ein Schmerzensgeld von 300 Euro und erhielt als zusätzliche Auflagen die Teilnahme an einem Anti-Aggressionstraining und an einem Alkohol-Beratungsgespräch. latz

LN

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