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„Frieden ist nicht selbstverständlich“

Neustadt „Frieden ist nicht selbstverständlich“

Gedenken an Cap-Arcona-Katastrophe in Neustadt — Überlebender schildert seine grausamen Erlebnisse und warnt vor einem Erstarken von Hass und Ausgrenzung.

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Mit Kränzen wurde der Tausenden Opfer gedacht.

Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter/jhw

Timmendorfer Strand. „Am schlimmsten war es, wie eine Kakerlake behandelt und jederzeit getötet werden zu können.“ Ein Satz, der schockiert und sprachlos macht. Ein Satz, der die Grausamkeiten im Zweiten Weltkrieg aufzeigt. Ein Satz, der deutlich macht, wie wichtig die fortwährende Erinnerung an eine der größten Katastrophen kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist.

LN-Bild

Gedenken an Cap-Arcona-Katastrophe in Neustadt — Überlebender schildert seine grausamen Erlebnisse und warnt vor einem Erstarken von Hass und Ausgrenzung.

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Henryk Francuz ist Überlebender. Er wurde in Konzentrationslager eingesperrt und schließlich mit Tausenden anderen an Bord der „Cap Arcona“ zusammengepfercht. Das Schiff lag ebenso wie die „Thielbek“

am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht vor Neustadt. An diesem Nachmittag starben etwa 7000 Menschen.

71 Jahre später gedachten gestern rund 200 Angehörige, ehemalige Häftlinge, Bürger — unter ihnen viele Schüler — derjenigen, die ihr Leben verloren. Dan Howard, Militärattaché der britischen Botschaft, erinnerte an die Luftangriffe der Royal Air Force. Er sprach von einem schrecklichen Irrtum, da die Piloten davon ausgegangen seien, dass es sich um Wehrmachtssoldaten und deren Schiffe handeln würde. „Die Nachricht, dass dies nicht stimmte, erreichte sie nicht“, sagte Howard. Umso wichtiger sei es, die Opfer zu betrauern. „Frieden ist nicht selbstverständlich. Es kann immer wieder schnell zu Feindschaften kommen“, betonte der Militärattaché.

Erinnern und mahnen: Henryk Francuz appellierte eindringlich an alle Zuhörer, Unrecht nicht schweigend hinzunehmen. Schließlich hätten die Nazis ihr Werk nicht ausüben können, wenn die Mehrheit nicht geschwiegen hätte. „Für uns Überlebende war es eine lange Reise zurück aus der Hölle. Wir alle sind verantwortlich, Hass, Diskriminierung und Antisemitismus nicht erneut groß werden zu lassen“, sagte Francuz, der eigens aus Israel angereist war.

Deutliche Worte fand auch Neustadts Bürgervorsteher Sönke Sela (CDU). Den Zweiten Weltkrieg bezeichnete er als eine der größten Tragödien der Menschheitsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die planvolle und systematische Vernichtung von Menschen habe sich am 3. Mai auch in der Neustädter Bucht abgespielt. Menschen aus 24 Nationen seien durch die Bomben getötet worden. Viele ertranken in der Ostsee, etliche andere wurden am Strand erschossen. „Sie hatten bereits einen langen qualvollen Weg hinter sich“, so Sela.

Die grauenhaften Geschehnisse seien Anlass und Verpflichtung, der Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihres Glaubens entgegenzutreten. Gerade nach den sogenannten NSU- Morden sei sichtbar geworden, dass rechtes Gedankengut in Deutschland wieder zum Töten führe.

Um der am 3. Mai vor Neustadt Gestorbenen zu gedenken, ließen die Schüler des Küstengymnasiums 71 schwarze Ballons in den Himmel steigen. Für viele Anwesenden war es ein wichtiges Zeichen, dass sich die Jugendlichen mit der Katastrophe beschäftigen.

Unvergessenes Leid — Trauer in den Herzen der Timmendorfer

Es ist sonnig und friedlich, nur das freundliche Vogelgezwitscher dringt durch die Stille, als Timmendorfs Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD) begleitet von einem Vertreter des Kreises, Kommunalpolitikern und ihren Stellvertretern Rainer Steen (CDU) und Jörn Eckert (SPD) sowie Pastor Prof. Thomas Vogel zum Ehrenmal auf dem Friedhof an der B 76 geht. Es sei nicht Pflichtübung sondern „Herzensangelegenheit“, dass dieses Leid nicht in Vergessenheit gerate, so Jörn Eckert nach der Kranzniederlegung. jhw

Von Sebastian Rosenkötter

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