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Ostholstein Frust bei den Windmüllern, Jubel bei den Gegnern
Lokales Ostholstein Frust bei den Windmüllern, Jubel bei den Gegnern
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22:21 26.06.2013

„Die Nachricht ist für uns natürlich eine gute Nachricht“, sagt Christian Schöning. Der Windkraftgegner gehört zur Freien Wählervereinigung Lensahn, die gegen den Windpark bei Sipsdorf kämpft. Schon allein die Aussicht auf ein mögliches Aus für die geplanten bis zu 150 Meter hohen Anlagen aufgrund der Einwände der Deutschen Flugsicherung (DFS) habe man laut Schöning bereits zum Anlass genommen, anzustoßen.

Während die Windkraftgegner jubeln, macht sich bei den Windmüllern der Frust breit. Klaus Klinckhamer, ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter, Windmüller und ansonsten selten um starke Worte verlegen, gibt sich inzwischen wortkarg. Hatte der Ex-Politiker dem Verhalten der DFS vor einigen Tagen noch „Narrenfreiheit“ zugesprochen, ist ihm inzwischen nur noch ein „Ich möchte dazu lieber erstmal gar nichts sagen“ zu entlocken. Der ehemalige Gremersdorfer Bürgermeister und Amtsvorsteher Klinckhamer ist in den vergangenen Monaten durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Eine im Februar dieses Jahres bereits erteilte Baugenehmigung für ein Repowering seines Windparks wurde Anfang April widerrufen. Acht 150-Meter-Anlagen sowie eine 100-Meter-Anlage mit einer Gesamtleistung von 26,3 Megawatt waren geplant. Mit Anwälten versucht der Windpark-Geschäftsführer Klinckhamer nun zu retten, was noch zu retten ist. Doch auch ein persönlich an die Kanzlerin übergebener Brief hat bislang nichts bewirkt. Ähnlich schlecht sieht es für mindestens vier weitere Windparks in der Nachbarschaft aus.

Einige Investoren haben sich für ihre geplanten Windparks nach der Verabschiedung der Windkraft-Teilfortschreibung des Regionalplanes im November vergangenen Jahres bereits Windmühlen bei den Herstellern vorbestellt. Zwischen drei und fünf Millionen Euro kostet eine einzige moderne Windmühle. Etwa 140 Stück hätten auf den Flächen in den Schutzzonen aufgestellt werden sollen. Etwa die gleiche Anzahl war für das Repowering vorhandener Parks in den Schutzzonen vorgesehen.

In Bargteheide zittert eine ganze Gemeinde vor der DFS. Dort soll ein Bürgerwindpark entstehen. Allerdings stehen einige der geplanten Anlagen innerhalb des Schutzradius. Ob diese genehmigt werden, hängt nun von der Landesluftfahrtbehörde ab, die sich wiederum beim Bundesaufsichtsamt rückversichert. In sieben Wochen soll das Ergebnis vorliegen. Ähnlich sieht es in der Gemeinde Pronstorf (Kreis Segeberg) aus. Bettina Albert, frisch gewählte Bürgermeisterin, ist von der Entwicklung völlig überrascht. Während einer erst vor zwei Wochen abgehaltenen Informationsveranstaltung mit den Investoren des geplanten Windparks in der Gemeinde sei zwar viel über Naturschutzbelange gesprochen worden. An mögliche Probleme mit dem Bad Schwartauer Drehfunkfeuer könne sie sich jedoch nicht erinnern.

Für die unter anderem vom SPD-Landtagsabgeordneten Lars Winter geforderte technische Umstellung — „Ich verstehe nicht, warum es so schwer sein soll, die Navigation auf GPS umzustellen“ — läuft den Windmüllern die Zeit weg. Um nicht erhebliche Einbußen bei der Vergütung des eingespeisten Windkraftstromes hinnehmen zu müssen, müssen ihre Windräder bis zum 31. Dezember 2014 am Netz sein.

Karl Detlef, seit 24 Jahren Windmüller auf Fehmarn, gibt sich dennoch gelassen. „In der Windenergie erleben wir immer Hochs und Tiefs. Und das ist jetzt so einTief.“ Allerdings habe man auch immer eine Regelung gefunden. „Denn an der Energiewende wird kein Weg vorbeiführen.“

Zumindest ein Zugeständnis hat die Deutsche Flugsicherung bei dem Krisentreffen in Kiel doch gemacht. „Sie hat für die Zukunft eine offensivere Informationspolitik zugesagt“, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Die Windkraft im Kreis Ostholstein
2500 Hektar Eignungsflächen werden in Ostholstein derzeit zur Windenergieerzeugung genutzt. An den 25 Standorten stehen etwa 305 Windkraftanlagen. Ihre maximale Leistung beträgt zusammen mehr als 420 Megawatt.

Die Teilfortschreibung Windenergie der Regionalpläne weist zusätzlich fast 1400 Hektar Windenergieeignungsflächen in Ostholstein aus. Dort könnten bis zu 200 weitere Anlagen gebaut werden. Knapp drei Viertel der Flächen liegen aber in den DFS-Schutzzonen.

„An der Energiewende führt kein Weg vorbei.“
Karl Detlef, Windmüller

Holger Marohn

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