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Ostholstein Für Addi Kahl ist der Norden ein Gedicht
Lokales Ostholstein Für Addi Kahl ist der Norden ein Gedicht
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22:09 30.10.2013
Addi Kahl (77) gibt in seinem Musikgeschäft in Eutin eine Kostprobe von „Die Holsteinische Schweiz“. Das Lied findet sich neben Gedichten und Geschichten in Kahls Buch „Nordische Impressionen“. Quelle: Fotos: Kessing, hfr
Eutin

Addi Kahl ist ein norddeutsches Original. Gerade mal fünf Jahre hielt der gebürtige Süseler es in Nordrhein-Westfalen aus, machte in Dinslaken am Niederrhein eine Ausbildung zum Bergmann. Dann zog es ihn zurück in den Norden. Was diesen so faszinierend für Kahl macht, das hat der 77-Jährige jetzt in einem Buch festgehalten. „Nordische Impressionen“ lautet dessen Titel passenderweise.

„Wenn ich im Wind an der Nordsee sitze und die Kiebitze höre oder mir auf Föhr beim Radfahren immer eine Brise entgegenbläst“ — das sei typisch nordisch, findet Addi Kahl. Und natürlich seine Heimat Ostholstein. „Es ist hier rundherum so schön“, schwärmt der Eutiner. Mallorca? Das sei nicht so seins, sagt er, und man glaubt es ihm sofort. Seit 26 Jahren wohnt Kahl inzwischen in der Kreisstadt, betreibt dort ein Musikgeschäft und tritt als „Alleinunterhalter“ auf. „Mein Publikum ist schon eher 50plus, wie man das so schön nennt“, gibt er freimütig zu. Für sein Buch würden aber auch junge Menschen in sein Geschäft kommen, sagt Kahl und scheint es nicht so recht glauben zu können.

In Geschichten und Gedichten — so auch der Untertitel des Buches — kommen Kahls „Nordische Impressionen“ mit Illustrationen und Bildern von Peter Schultz und Olaf Jahns daher. Zum Teil sind es bekannte Stücke. Mit „Halligleven“, „La Paloma“ und „Segelzeiten“ wurde Kahl in der Region als Liedermacher bekannt. Zusammen mit seinen Musikerkollegen von „Frische Bris“ hat Kahl die Songs nicht nur bei vielen Veranstaltungen gesungen, sondern auch eine CD aufgenommen. Manche Lieder präsentierte er sogar in Fernsehsendungen, etwa die Liebeserklärung an seine Heimat: „Die Holsteinische Schweiz“, Kahls erstes Werk.

Vor etwa fünfzehn Jahren, schätzt Kahl, habe er mit dem Schreiben begonnen, vor zirka fünf Jahren seien die ersten Gedichte und Geschichten fürs Buch entstanden. Die sind übrigens nicht spezifisch „nordisch“, Verwendung findet bei Kahl, was ihn bewegt: die Schönheit der Natur, Kindheitserinnerungen — „erlebte Geschichten, Empfindungen und Impressionen querbeet“. Wenn das Gefühl stimme, komme es aufs Blatt.

Manches auf Plattdeutsch. „Das klingt ehrlicher, rustikaler. Da kann man mehr sagen als in anderen Sprachen, ohne zu beleidigen“, meint Kahl. Einiges schreibt er als Geschichte auf, anderes als Gedicht. „Gewisse Wortspiele funktionieren in Gedichtform besser“, erklärt der Eutiner. Die Form biete sich einfach an, wenn man mit Reimen oder gleichen Satz-Endungen arbeiten wolle. „Humorig nachdenklich“ sollen seine Stücke dabei sein, so Kahl.

Warum er aber überhaupt schreibt, das kann Kahl nicht genau erklären. „Das kam einfach so.“ Vielleicht sei es dem Bedauern, dass das Leben nicht ewig dauere, geschuldet, dem Wunsch, „etwas zu hinterlassen“. Wenn er damit anderen eine Freude mache, sei das umso schöner. Er selbst mag Gedichte und Geschichten von Ringelnatz, Heinz Erhardt, Loriot. Sehr viel würde er aber nicht lesen. „Ich hab viel zu viel mit mir zu tun“, sagt Kahl und lacht. Die nächsten Stücke sind schon in Arbeit.

„Mallorca? Das ist nicht so meins.“
Addi Kahl, Eutiner Liedermacher

Britta Kessing

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