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Ostholstein Gähnende Leere in Haffkrug — Sky-Markt eröffnet wieder nicht
Lokales Ostholstein Gähnende Leere in Haffkrug — Sky-Markt eröffnet wieder nicht
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08:56 20.02.2016
So weit das Auge reicht: leere Parkplätze auf dem Parkplatz am Waldweg. Das wird in den nächsten Wochen auch so bleiben. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen
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Haffkrug

„Glauben Sie noch daran, dass der Sky-Markt am Haffkruger Waldweg irgendwann eröffnet wird?“ Im Ort und auch in der Gemeinde Scharbeutz gibt es kaum jemanden, der diese Frage mit einem klaren „Ja“beantwortet.

Investor Jens Lange aus Feldberg hat den Termin der Fertigstellung verschoben — wieder einmal. Geplant war die Eröffnung des Sky-Marktes zunächst für November 2013, dann für Juli und schließlich für September 2014. Im Oktober 2015 kündigte Lange an, ihn zu diesem Osterfest eröffnen zu wollen. Auf LN-Anfrage sagte er gestern: „Wir sind wohl noch bis Ende März im Gange.“ Die Frage: „Ende März 2016?“ beantwortete er energisch mit „Natürlich!“ Lange weiter: „Wir brauchen noch ein paar Wochen, weil Zeitenpläne mit zwei Baufirmen abgestimmt werden müssen.“ Beispielsweise gehe es um die Verlegung des Fußbodens. Ein Gewerk greife nun mal ins nächste, so dass die Reihenfolge stimmen müsse, so der Bauherr. Lange bekräftigte: „Wir müssen fertig werden. Das ist auch mit dem Mieter Coop abgestimmt.“ Derzeit sind Bauarbeiter mit dem Pflastern der Außenanlagen beschäftigt.

Der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) hält die wiederholte Zusage, die Eröffnung sei für Ende März 2016 vorgesehen, für „völlig unglaubwürdig“. Jens Lange hatte ihn gestern per E-Mail darüber informiert. Owerien erinnerte daran, dass der Investor am 1. Oktober 2015 zugesagt habe, er werde „innerhalb der nächsten zehn Tage, gemeinsam mit unseren Mietern und den Baufirmen, den Fertigstellungstermin verbindlich festlegen“. Owerien: „Wie nicht anders zu erwarten, haben wir bis heute keinen Bauzeitenplan.“ Der Bürgermeister weiter: „Wenn Herr Lange bis heute nicht weiß, wann die ersten Handwerker im Innenbereich weitermachen werden, dann ist doch auch für Baulaien erkennbar, dass der Termin Ende März nicht eingehalten werden kann.“ Die Gemeinde lasse derzeit durch ihren Anwalt prüfen, welche juristischen Maßnahmen sie hat, dieses Bauvorhaben endlich fertigzustellen. Diesen Schritt hatte der Bürgermeister bereits während seiner Neujahrsansprache Anfang Januar angekündigt.

Katharina Rehm, Pressesprecherin der Coop-Gruppe in Kiel, äußerte sich auf LN-Anfrage: „Wir können bestätigen, dass die Bauarbeiten wieder im Gange sind. Jedoch liegt uns derzeit noch kein Bauzeitenplan vor, so dass wir momentan keine weiteren Angaben zum Eröffnung geben können. Wir streben weiterhin eine schnellstmögliche Eröffnung an.“

Leidtragende dieser Entwicklung sind vor allem die etwa 2000 Bewohner Haffkrugs und deren Urlauber. Seit der Schließung des Edeka- und späteren „Top Kauf“- Marktes in der Bahnhofstraße haben sie kaum noch Einkaufsmöglichkeiten. Seit Monaten steht als Provisorium ein Container vor dem Rohbau. In ihm verkaufen Uwe und Marion Hackel Dinge des täglichen Bedarfs, betreiben eine Lotto-Annahme- und eine Poststelle. Mehrere Monate lang hielt Willi Weede aus Kassau mit seinem mobilen Verkaufswagen donnerstags an der „Kurparkresidenz“. Aus persönlichen Gründen stellte er dieses Angebot ein. Der Haffkruger Seniorenbeauftragte Hartmut Diederley berichtete von Sammelbestellungen, durch die sich einige ältere Bewohner mit Lebensmitteln versorgen. Ideal sei diese Lösung aber nicht, denn: „Die Kunden wollen doch vorher sehen, was sie kaufen.“

Haffkrugs Dorfvorsteher Helmut Kurth sieht durch das fehlende Nahversorgungs-Angebot eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen Ferienorten an der Ostsee. „Bald sind wir hier nur noch ein Ort für Tagesurlauber“, sieht er in eine düstere Zukunft. Die Verweildauer von Feriengästen hänge nun mal ganz entscheidend auch von den Einkaufsmöglichkeit ab, zumal immer mehr Gäste mit dem Zug anreisen.

Kurth: „Urlauber wollen es in ihren Ferien bequem und gemütlich haben. Alles muss nah gelegen sein.“ Im übrigen sei der Wunsch nach einer Nahversorgung nicht überzogen oder gar extrem.

Christina Düvell-Veen

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