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Ganz früh eines Morgens auf dem Markt

Eutin Ganz früh eines Morgens auf dem Markt

Der Eutiner Marktplatz ist an Sommertagen wie diesen das pralle Leben. Aber wie fangen die Tage an?.

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Hartmut Himburg kümmert sich mit seinen Kollegen um die öffentlichen Toiletten in der Stadt, auch um die hier beim Rathaus.

Quelle: Fotos: Intelmann

Eutin. Eutin. Regina Hamer (61) kommt, wenn die anderen gehen. Seit zwei Uhr steht sie bei Allwörden in der Bäckerei, hat 390 Brötchen gebacken, belegt und eingepackt, das Frühstück für die Gäste des Reisebüros Behrens, die heute mit vier Bussen auf Fahrt gehen.

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Der Eutiner Marktplatz ist an Sommertagen wie diesen das pralle Leben. Aber wie fangen die Tage an?.

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„Muss ja, da- mit alles schier ist.“ Hartmut Himburg, er sorgt für Sauberkeit in öffentlichen Toiletten

Zwei Uhr ist ziemlich früh. Zwei Uhr ist ein Termin in der Nacht, an dem man sich mit einigem Recht noch mal umdreht im Bett. Aber für Frau Hamer ist das nicht neu. Sie macht das seit fünf Jahren, geht um 17 Uhr schlafen, ist eine Stunde nach Mitternacht wieder wach, und ihr Körper, sagt sie, „hat sich inzwischen daran gewöhnt“.

Allwörden liegt an der Ecke des Eutiner Marktes. Man kann von dort quer rüber gucken über den Platz, wo in der Mitte das Kriegerdenkmal mahnend seinen Finger hebt und erinnert an „die im Kriege Gebliebenen“. Marktplätze sind Keimzellen der Städte, ihre Herzkammern, wenn es gut läuft. Dann kommt auf ihnen zusammen, was zusammengehört. Dann sieht man und wird gesehen, dann hört man und spricht man, dann entsteht, was Bürgerschaft zu nennen wäre oder einfach nur Miteinander.

Morgens um fünf lässt das Miteinander aber noch auf sich warten. Der Markt ist leer und verwaist. Ein paar Tauben gurren, Krähen krähen, die Spatzen schimpfen sich ein für den Tag. Die Dunkelheit hat sich schon vor einer Stunde verloren. Jetzt liegt ein grauer Himmel über Eutin, und beim Rathaus hängt müde und schlecht gelaunt eine Flagge am Mast. Ringsum steht still die Stadt und schweiget. Das Thermometer zeigt 16 Grad.

Kurz nach fünf fährt bei Allwörden ein Auto vor und holt Regina Hamers Brötchen ab. Ihre Kollegin Nadja Ehler (25) ist inzwischen auch gekommen. Sie fängt später an, holt mittags ihren Sohn aus dem Kindergarten und sagt: „Zwei Uhr, das wäre gar nichts für mich.“

Die ersten Passanten kommen. Ein junger Mann mit Rucksack und Dreiviertelhose. Eine Frau, die ihr Rad vor der Tourismus-Information abschließt und Richtung Lübecker Straße verschwindet. Ein Mann auf einem Fahrrad, großer Bart, eingepackt wie Mitte Januar, vorne einen Eimer am Lenker und hinten einen windschiefen Karton auf dem Gepäckträger. Auch beim Stadtbäcker Klausberger herrscht schon Betrieb hinter den Kulissen, gegenüber im Sky-Markt ebenso.

Hartmut Himburg (59) ist ebenfalls früh wach, wie jeden Morgen. Ab fünf kümmert er sich mit seinen Kollegen um die öffentlichen Toiletten in der Stadt, auch um die im Torbogen beim Rathaus. „Muss ja, damit alles schier ist“, sagt er und stützt die tätowierten Arme auf den Besen. „Aber ganz zufrieden stellen kannst du sie nie.“

Gegen sechs läuft der Platz langsam mit Leben voll. Vor Lokalen werden Stühle losgebunden und Sonnenschirme hochgeklappt, Kübelpflanzen bekommen Wasser, die HypoVereinsbank hat ihren ersten Kunden.

Oben im Haus über „Arko“-Kaffee lehnt ein Mann im orangefarbenen Bademantel aus dem Fenster und guckt über den Markt. Ein Logenplatz, höher hinauf geht es hier nicht. Bei der Parfümerie Schuback lächeln die Models von den Plakaten, schön und makellos, als wäre es nachmittags auf einer Gartenparty. Models gehorchen anderen Gesetzen.

Märkte sind ja immer auch Herausforderungen. Sie können Kopfsteinpflasterwüsten sein mit einem Stück Pflichtkunst in der Mitte, sie können Laufstege sein und Jahrmärkte der Eitelkeiten. Sie können zu Spielplätzen werden, zu Begegnungsstätten und, wenn sie mit Finanzen zu tun haben, auch zu vogelwilden Veranstaltungen, die mit Milliarden an Steuergelder gerettet werden müssen, aber das ist eine andere Geschichte. Der Eutiner Markt hat sich für eine gelassene Beschaulichkeit entschieden, und in die fährt kurz vor sieben Peter Kusch (59) von der Stadtreinigung. Er leert in der Innenstadt die Mülleimer aus, wie jeden Morgen ab sechs Uhr. Vier Jahre hat er noch bis zur Rente, sagt er, „schauen wir mal“. Ein Kollege von der Stadtreinigung fegt vor den Bänken beim Denkmal die Kippen zusammen. Vier Bänke, vier Kippenberge, es sammelt sich was an. Beim Brunnen steigt eine Ente aus dem Wasser, wackelt zum „Brauhaus“ und verschwindet Richtung Eingang, wo auf einer Tafel Liensfelder Stangenspargel mit Holsteiner Katenschinken angeboten wird.

Vor der Stadtbäckerei Klausberger finden sich die ersten Gäste ein, Jens Diehl (51) zum Beispiel. Er ist um fünf aufgestanden und sitzt jetzt hier mit einer Tasse Kaffee beim zweiten Frühstück. Helga Puls (80) kommt mit ihrer Enkelin Laura (16) dazu. Sie ist ist jeden Morgen hier, sagt sie, seit 40 Jahren. Und sie sitzt immer draußen, im Sommer wie im Winter. „Wir hatten schon Eis im Becher, das macht mir gar nichts.“

Als gegen acht in Büros, Kontoren und Klassenräumen schon wieder über binomischen Formeln und unbezahlten Rechnungen gebrütet wird, haben beim Sky-Markt die ersten Kunden längst eingekauft. Wenig später werden vorm „Brauhaus“ Gläser mit den Bestecken auf die Tische gestellt und beim „Homunkulus“ die Kleider an einer Stange nach draußen geschoben. Um neun ist die Stadt endgültig erwacht. Das Thermometer zeigt 20 Grad, Tendenz steigend. Es geht wieder los.

Peter Intelmann

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