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Ostholstein Gastrobeat in 21 Betrieben
Lokales Ostholstein Gastrobeat in 21 Betrieben
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12:55 06.11.2018
Auszubildende im Gastgewerbe im Brauhaus in Eutin: Patrick Luckfiel (Koch, 3. Lehrjahr), Pierre Dettmann (Koch, 3. Lehrjahr), Ghulamreza Azizi (Service, 1. Lehrjahr) und Rajab Ali Alizade (Koch, 1. Lehrjahr, v.l.). Quelle: Peyronnet
Ostholstein

Einen Tag auf Entdeckungsreise gehen in der Küche, im Service oder an der Rezeption. Einmal hinter die Kulissen von Restaurants und Hotels gucken und überlegen, ob das nicht ein Platz fürs Leben wäre. Dieses Angebot machen die Industrie- und Handelskammer und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) am Donnerstag, 8. November.

In den Ausbildungsbetrieben in der Gastronomie ist Musik drin, finden die Organisatoren und haben dem Tag deshalb den Namen Gastrobeat gegeben. Angerichtet ist das Angebot mit Informationen von Ausbildern, praktischen Übungen und Vorführungen, etwa dem Zubereiten eines Essens an der Seite des Küchenchefs oder dem Decken eines perfekten Tisches. Das Ziel ist es, Auszubildende zu gewinnen, um dem jetzt bereits spürbaren Fachkräftemangel im Gastgewerbe zu begegnen. „Wir sehen das als Investition in die Zukunft. Der Mangel ist schon da“, beschreibt Bernhard Held, Food & Beveragemanager im von Til Schweiger gestalteten Barefoot-Hotel in Timmendorfer Strand, die Motivation seines Hauses.

Mehr Stellen als Bewerber

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen des Ausbildungsmarkts. Sie stammen aus dem sogenannten Berufsberatungsjahr, das von Oktober 2017 bis September 2018 dauerte. In Ostholstein kamen rein rechnerisch bei den Köchen auf jeden Jugendlichen 4,5 Ausbildungsstellen, in der Hotellerie auf jeden 5,9 Stellen und bei den Restaurantfachleuten auf jeden Jugendlichen 16 Stellen. Ende September waren bei den Köchen noch 36 Stellen unbesetzt, bei den Hotelfachleuten 41 und bei den Restaurantfachleuten 24. Insgesamt wurden in diesen drei Bereichen 310 Ausbildungsstellen angeboten. „Wir gehen davon aus, dass es auch für den Start im Herbst 2019 ein ähnliches Angebot geben wird“, teilte die Sprecherin der Arbeitsagentur, Olga Nommensen, mit. Wer sich für eine Ausbildung im Gastronomiegewerbe entscheidet, hat zurzeit gute Chancen, hinterher bleiben zu können. Aufgrund des Fachkräftemangels sei meistens eine Übernahme nach der Ausbildung sicher, da es inzwischen auch an der Küste eine Ganzjahressaison gibt, berichten die Ausbilder, die in Timmendorfer Strand für den Gastrobeat warben.

Auszubildende, Ausbilder und Vertreter von Dehoga, Agentur für Arbeit und Industrie- und Handelskammer freuen sich auf viele Teilnehmer beim 5. Gastrobeat. Quelle: René Kleinschmidt

Fachkräfteengpässe gibt es laut Nommensen bereits in zahlreichen Branchen. Das Hotel- und Gastgewerbe konkurriere immer stärker mit anderen Wirtschaftszweigen. Von Fachkräfteengpass spricht die Arbeitsagentur, wenn auf eine Stelle weniger als drei Arbeitslose kommen. In Ostholstein sind es 1,7 Arbeitslose auf eine Stelle bei Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, in Berufen der Lebensmittelherstellung- und -verarbeitung, zu denen die Köche zählen, 1,3 und bei Reinigungsberufen 1,2.

Gastroberufe haben Zukunft

Der Chef der Agentur für Arbeit, Markus Dusch, wirbt für eine Ausbildung in der Gastronomie: „Wer sich für einen Beruf im Hotel- und Gastgewerbe entscheidet, wählt einen Beruf mit Zukunft. Die Branche bietet für Jugendliche interessante Spezialisierungsmöglichkeiten und Karrierechancen. Aber auch für Arbeitslose und Beschäftigte gibt es gute Entwicklungsperspektiven.“ Gerne unterstütze die Arbeitsagentur Betriebe bei der Weiterbildung ihrer ungelernten Arbeitskräfte.

Was Betriebe alles anstellen, um Lehrlinge zu bekommen, davon berichtet Holger Pulvermann. Er betreibt in Eutin das Stadtcafé und ist Vorstandsmitglied im Dehoga Eutin-Malente. „Einige stellen Autos zur Verfügung. Wenn wir sagen, wir garantieren ein freies Wochenende im Monat, wäre das schon mal was.“ Pulvermann weiß aus eigener Erfahrung, dass die Gastronomie ihren Mitarbeitern einiges abverlangt. „Die jungen Leute müssen dafür motiviert werden, am Wochenende, abends oder in den Ferien zu arbeiten, das ist schwer. Alle wollen aber auch an diesen Tagen essen gehen.“ Die Ausbildungsvergütung müsse besser werden. Über Urlaub in Urlaubszeiten könne dagegen nicht geredet werden. „Wir sind ein Urlaubsland.“ Auch seinen Kollegen schreibt er etwas ins Stammbuch: „Es gibt welche, die könnten ausbilden, haben aber keine Lust dazu. Die Betriebe müssten sich mehr motivieren auszubilden.“

Jetzt noch anmelden

Alles Informationen und teilnehmenden Betrieben zwischen Timmendorfer Strand und Fehmarn samt Kontaktdaten für die Anmeldung stehen unter www.gastrobeat.de.

Das Barefoot-Hotel will ausbilden und macht deshalb beim Gastrobeat mit. Es sind sogar noch Plätze frei. Filmstar Til Schweiger, der das Hotel designt hat, wirbt: „Ich lade euch dazu ein, beim Gastrobeat-Event hinter die Kulissen zu schauen und euch ein eigenes Bild von den Abläufen und den Ausbildungsberufen der Köche und Hotel- oder Restaurantfachleute zu machen. Wir brauchen coole Leute wie euch, die das Gastgewerbe noch besonderer machen.“

Susanne Peyronnet und René Kleinschmidt

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