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Lokales Ostholstein Mehr Kommunikation mit Gebärdensprache
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18:53 28.01.2019
Jeden Monat eine neue Gebärde lernen: Petra Nasner sagt „Tschüs", ohne zu sprechen. Quelle: Susanne Peyronnet
Eutin

„Hallo“ und „Tschüs“ ist ganz einfach. Nur die rechte Hand heben, Handfläche zum Gegenüber, und sie nach rechts und links bewegen. Einfaches Winken steht für Begrüßung und Abschied. Ich – Zeigefinger auf sich selbst richten – und du – Zeigefinger auf das Gegenüber richten, sind ebenfalls leicht zu erlenen. Bei „Guten Morgen“, einer zusammengesetzten Gebärde, wird es schon schwieriger. Das Zeichen für gut (Daumen und Zeigefinger zusammen, die restlichen Finger abgespreizt) ist noch einigermaßen geläufig. Bei Morgen aber sind die meisten ratlos.

Nicole Dreller (l.) und Petra Nasner zeigen die Gebärden für Guten Morgen. Quelle: HFR

„Die Ostholsteiner“, die Werkstätten für angepasste Arbeit, stellen im Jahr 2019 die Kommunikation in den Mittelpunkt. „Wir haben festgestellt, dass wir allen Menschen im Unternehmen nicht gerecht werden, die sich nicht äußern, sich nicht mitteilen können“, sagt Prokurist Andreas Weddeling. Sei es wegen einer schweren geistigen Behinderung oder aus anderen Gründen. Außerdem wollen „Die Ostholsteiner“ ihren Beschäftigten ermöglichen, sich im Unternehmen besser zurechtzufinden. Dazu dienen Piktogramme an den Türen, die weit über das hinausgehen, was bekannt ist. Kiste + Schraube + Mutter = Verpackung.

"Die Ostholsteiner" gehen neue Wege der Kommunikation. Andrea Gerschefski und Prokurist Andreas Weddeling vor einem der Piktogramme. Quelle: Susanne Peyronnet

Die Piktogramme entstammen dem System „Metacom“, das die Mutter einer „Ostholsteiner“-Mitarbeiterin für ihre Tochter Meta entwickelt hat. Weitere Hilfen für eine unterstützte Kommunikation sind Karten-Sets, ebenfalls mit Bildchen, mit denen sich Menschen mitteilen können. Hilfreich sind auch sogenannte Talker, kleine Geräte, auf die etwas aufgesprochen werden kann wie auf ein Diktafon. Mit einem Knopfdruck können die Benutzer Mitteilungen etwa ihrer Eltern abspielen.

Jeder soll sich äußern können

„Wir wollen allen Menschen ermöglichen, in Kommunikation zu treten. Es ist ein Grundbedürfnis, sich mitteilen zu können“, begründet Weddeling die Motivation der „Ostholsteiner“. Andrea Gerschefski, Mitarbeiterin der Tagesförderstätte, ergänzt: „Unsere Aufgabe ist es herauszufinden, wie wir kommunizieren können.“

Den Schwerpunkt bildet dabei in diesem Jahr die Gebärdensprache. „Das hat nichts mit dem Fingeralphabet zu tun, jede Gebärde steht für ein ganzes Wort“, erläutert „Die Ostholsteiner“-Sprecher Per Köster. Dafür wurde ein Grundstock an Vokabeln festgelegt, die eingeübt werden. Es gibt stets Gebärden des Monates. Zwei Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen, Petra Nasner und Nicole Dreller, stellten sich als Models für die Gebärden zur Verfügung. Sie sind jetzt auf einem Übersichtsplakat (Format A2) zu sehen, das jeden Monat von einem Plakat mit der Gebärde des Monats ergänzt wird. Überall werden diese Gebärden geübt.

Darüber hinaus wünschen sich „Die Ostholsteiner“, dass die Plakate auch außerhalb ihrer Gebäude verbreitet werden, etwa in Sozialeinrichtungen, Bibliotheken, Volkshochschulen und Verwaltungen. Angefordert werden können sie bei Per Köster, Tel. 045 21/79 93 24 oder per E-Mail an koester@die-ostholsteiner.de.

Susanne Peyronnet

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