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Ostholstein Gebündelte Geburtshilfe: Bewährt oder durchgefallen?
Lokales Ostholstein Gebündelte Geburtshilfe: Bewährt oder durchgefallen?
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21:15 31.07.2015
Oldenburg

Hat sich das neue Geburtshilfe-Konzept in Ostholstein bewährt? Ein Jahr nach der Schließung der Oldenburger Entbindungsstation fällt die Bilanz bei Verantwortlichen und Betroffenen sehr unterschiedlich aus. Während Sana Klinik und Land von einer erfolgreichen Entwicklung sprechen, wächst bei Schwangeren im Nordkreis die Verzweiflung.

Dörte Grimmenstein von der Oldenburger Hebammen-Praxis bezeichnet die Situation als „sehr familienfeindlich“. Eine Geburt solle ein freudiges Ereignis sein — stattdessen regiere bei den Betroffenen inzwischen die Angst, bestätigt sie das, was auch mehrere Schwangere und junge Mütter im Gespräch mit den LN immer wieder betont haben. Viele von ihnen befürchten, es im Ernstfall nicht rechtzeitig in die Klinik zu schaffen. Ihr Arbeitsfeld habe sich sehr zum Negativen verändert, so Grimmenstein: „Meine Hauptaufgabe besteht mittlerweile darin, Frauen zu trösten.“

Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) erklärt, die Schließung der Geburtshilfe in Oldenburg sei und bleibe „eine bittere Entscheidung“. Auf die Frage, ob sich die Versorgung Schwangerer im Kreis seither verschlechtert haben, sagt er: „Es ist unstreitig, dass sich die Anfahrtswege zur nächsten Geburtsklinik für werdende Mütter im Norden des Kreises verlängert haben.“ Die Qualität der medizinischen Versorgung von Mutter und Kind müsse jedoch im Vordergrund stehen; die entsprechenden Anforderungen hätten in Oldenburg nicht vollständig erfüllt werden können.

In Kiel wertet man das neue Konzept als Erfolg. „Durch das Engagement aller beteiligter Akteure vor Ort ist es gelungen, auch weiterhin eine gut funktionierende geburtshilfliche Versorgung in Ostholstein sicherzustellen“, so Staatssekretärin Anette Langner vom Gesundheitsministerium. Zum Beispiel seien Kliniken mittlerweile verstärkt mit niedergelassenen Ärzten vernetzt, Mitarbeiter des Rettungsdienstes würden zusätzlich geschult und Rettungswagen seien speziell für geburtshilfliche Notfälle ausgestattet worden.

Nach Angaben des Kreises gab es nach den zwei Fällen im vergangenen Jahr, bei denen Mütter im Rettungswagen entbunden hatten (die LN berichteten), keine Probleme mehr aufgrund längerer Anfahrtswege zur Eutiner Klinik. Landrat Sager sieht zudem das Boarding-Angebot — bei dem Schwangere schon vor dem Geburtstermin in der Nähe der Eutiner Klinik untergebracht werden — als „einen wichtigen und sinnvollen Baustein“ im Rahmen der Neuausrichtung der Geburtshilfe.

„Das Boarding ist eine gute Möglichkeit für Schwangere, die befürchten, die Klinik im Fall der einsetzenden Geburt nicht rechtzeitig zu erreichen“, betont auch Sana-Sprecherin Susanne Groß. Bisher hätten vier Frauen das Angebot genutzt. Sechs weitere hätten einen Platz reserviert, dann jedoch „vorher entbunden beziehungsweise wurden mit Beschwerden klinisch aufgenommen“.

Die Sicherheit für Mutter und Kind sei durch die Bündelung der Geburtshilfe in Eutin erhöht worden, so die Sana-Sprecherin. Das Unternehmen sei jedoch „weiterhin sehr offen für eine Mitarbeit an einem Runden Tisch, um mögliche Verbesserungspotenziale zu entwickeln“. Das Land wolle entsprechende Treffen künftig mit einer externen Moderation unterstützen, kündigt Staatssekretärin Langner an.

Ein entsprechender Posten sei ausgeschrieben. Ziel der Gespräche sei es, „konkrete Maßnahmen in der Region zu entwickeln, um die Belastungen für werdende Eltern und Familien so gering wie möglich zu halten“. Dazu könne beispielsweise eine „engmaschigere Vorsorge“ beitragen, um „den Zeitpunkt der Geburt noch besser eingrenzen zu können und damit Risiken zu minimieren“.

Informationen rund um die Geburt
1069 Frauen haben 2014 in der Eutiner Sana Klinik entbunden. Sieben Prozent von ihnen bekamen einen geplanten Kaiserschnitt, bei 25,4 Prozent war laut Klinik ein Kaiserschnitt notwendig. 2015 wurden in Eutin bisher 641 Kinder geboren (Kaiserschnittrate: 5,6 bzw. 28,7 Prozent). 2013 waren es 932, in Oldenburg waren es damals 180.
Ein Info-Abend für werdende Eltern wird am morgigen Montag, 3. August, in der Sana Klinik Eutin (18 Uhr, Cafeteria) angeboten. Das Team des Mutter- Kind-Zentrums Ostholstein informiert zu Themen rund um die Geburt und beantwortet Fragen. Im Anschluss an die Veranstaltung können Kreißsaal, Wochenstation und Kinderzimmer besichtigt werden. Teilnahme kostenfrei.

Jennifer Binder

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