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Geburt im Rettungswagen: „Ich hatte Angst um mein Baby“

Oldenburg Geburt im Rettungswagen: „Ich hatte Angst um mein Baby“

Zarah K. (26) hat ihren Sohn Mohammad auf dem Weg von Putlos nach Eutin zur Welt gebracht. Jetzt ist sie „einfach nur erleichtert“, dass es ihm gut geht. Es war die dritte Geburt im Rettungswagen seit der Schließung der Oldenburger Entbindungsstation (die LN berichteten).

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Zarah (26) und Bashir (31) K. mit ihrem Sohn: Der kleine Mohammad wurde am 24. Dezember geboren — auf dem Weg in die Klinik.

Quelle: Fotos: Binder

Oldenburg. Und plötzlich war klar, dass sie das Krankenhaus nicht mehr rechtzeitig erreichen würden. „Ich hatte so große Angst“, erinnert sich Zarah K. an den Moment, als der Rettungswagen stoppte und ihr bewusst wurde, dass sie ihr Baby dort bekommen würde. „Ich wusste nicht, ob alles gut gehen würde“, sagt die 26-Jährige, „ich habe die ganze Zeit nur gehofft, dass mit meinem Kind alles in Ordnung ist.“

Am 24. Dezember hat die Bewohnerin der Flüchtlingsunterkunft in Putlos ihren Sohn Mohammad im Krankenwagen zur Welt gebracht, kurz vor der Ankunft in der Klinik in Eutin.

Bei Familie K. ist der Schrecken inzwischen überwunden und die Sorge großer Freude gewichen. Mama und Baby sind gesund und munter, beide konnten schon kurze Zeit nach der Geburt nach Putlos zurückkehren. Familienvater Bashir K. (31) ist umso erleichterter, als schon die Zeit vor der Geburt alles andere als entspannt war. Seine Frau war bereits hochschwanger, als das Paar mit seiner fünfjährigen Tochter Tanya aus Afghanistan floh. Gerade mal acht Tage nach der Ankunft in Putlos setzten die Wehen ein. Natürlich habe er sich schon während der Flucht Sorgen gemacht, sagt Bashir K., er habe Angst gehabt, dass die gefährliche Reise für seine schwangere Frau zu viel sein könnte. Auch Zarah selbst gesteht, dass sie nicht sicher war, ob das ungeborene Kind die Strapazen unbeschadet überstehen würde. „Aber wir hatten keine Wahl“, sagt sie, „wir mussten dort weg.“

Nach der Ankunft in Ostholstein sei sie sofort zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden, erzählt die junge Mutter. Ihr sei ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, als die Ärzte ihr gesagt hätten, dass mit dem Baby alles in Ordnung sei. „Ich habe gedacht, jetzt ist alles gut“, sagt Zarah.

Bis sie sich am Tag der Geburt erneut der Angst um ihr Kind ausgesetzt sah. Auch ihr Mann Bashir erinnert sich mit Schrecken daran, wie der Krankenwagen auf dem Weg in die Klinik plötzlich anhielt.

Er selbst war in einem anderen Auto auf dem Weg nach Eutin, als ihn die Nachricht erreichte, dass seine Frau es zur Entbindung nicht mehr ins Krankenhaus schaffen würde. Die Rettungswagen-Besatzung gab den Standort durch, Bashir K. wurde zu seiner Frau gebracht. „Ich habe einfach nur gehofft, dass meine Frau und mein Kind das alles gut überstehen“, erinnert sich der 31-Jährige, „das war das einzige, woran ich denken konnte, ich hatte solche Angst um sie.“

Die Geburt selbst verlief letztlich ohne Komplikationen. Auch der Notarzt und der Rettungsassistent „waren sehr nett und haben sich gut um uns gekümmert“, erzählt Zarah K. dankbar. Auch Landrat Reinhard Sager (CDU) hat die Leistung der Besatzung schon gelobt — er betonte jedoch gleichzeitig, dass ein solcher Vorfall auch für die medizinischen Fachleute eine enorme Belastung bedeute. Es sei im Interesse aller Beteiligten, Geburten im Rettungswagen zu vermeiden: „Jede Geburt ist anders“, warnte er, nur in einer Klinik könne auf unvorhergesehene Situationen angemessen reagiert werden.

Das Land hat inzwischen eine Fachfirma damit beauftragt, Maßnahmen zu entwickeln, um die Situation für Schwangere in Ostholstein und im ebenfalls betroffenen Kreis Nordfriesland zu verbessern. 90 000 Euro werden dafür laut Sozialministerium investiert. In den kommenden Wochen sollen Gespräche mit allen Beteiligten wie Ärzten, Hebammen und dem Kreis als Träger des Rettungsdienstes geführt werden. Im April sollen erste Ergebnisse vorliegen.

„Ich habe nur gehofft, dass es meinem Kind gut geht.“
Zarah K. (26)
Kinderwagen verschenkt
Gleich mehrere LN-Leser haben sich nach dem Bericht über die siebenköpfige Familie M. aus Syrien gemeldet, weil sie ihr einen Kinderwagen schenken wollten. Auch Stephan und Susanne Löblein wollten etwas Gutes tun und haben ein Gefährt gespendet, das sich später auch gleich zum Buggy umfunktionieren lässt. Darüber dürfen sich jetzt Zarah und Bashir K. freuen.
„Jetzt können sie auch im Winter mit ihrem Baby in die Stadt gehen“, sagt Christine Sprenger vom Roten Kreuz in der Flüchtlingsunterkunft in Putlos.
Weil es dort noch viele weitere Familien mit Kindern gibt, freut sich das DRK nach wie vor über weitere Kinderwagen-Spenden (Abgabe im Weidenkamp 2a). Auch Männerkleidung und Schuhe in kleinen Größen wird gebraucht. Freiwillige, die in Putlos helfen möchten, können sich dort (ab 12 Uhr) unter 04361/50809200 melden.

Jennifer Binder

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