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Geburtshilfe: Absage aus Kiel

Oldenburg Geburtshilfe: Absage aus Kiel

Keine Unterstützung aus Kiel: Das Land hat der Forderung nach einer eigenen Entbindungsstation für den Norden Ostholsteins eine Absage erteilt. Kommunen, Hebammenverband und weitere Initiativen haben gemeinsam für das Ziel gekämpft. Jetzt ist unklar, wie es weitergeht.

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Die Wiedereröffnung einer Geburtsstation im Norden Ostholsteins werde „als unrealistisch eingestuft“, bestätigt Ministeriumssprecher Christian Kohl. 

Quelle: dpa

Oldenburg. Seit der Schließung der Geburtshilfe in Oldenburg vor drei Jahren drängen die Betroffenen im Nordkreis auf deren Wiedereröffnung. Die Kommunen sehen das Land in der Pflicht, gesetzliche Vorgaben für eine flächendeckende medizinische Versorgung zu schaffen. Zuletzt hat eine neu gegründete Allianz aller Beteiligten – das „Bündnis für Geburtshilfe“ – ein Positionspapier erstellt, das jetzt in Kiel übergeben wurde. Das Ergebnis ist nach Aussage der Initiatoren ernüchternd: Das Sozialministerium habe auf die Entscheidung der vorherigen Landesregierung verwiesen und keinerlei Hoffnung auf Unterstützung gemacht.

Die Wiedereröffnung einer Geburtsstation im Norden Ostholsteins werde „als unrealistisch eingestuft“, bestätigt Ministeriumssprecher Christian Kohl. Staatssekretär Matthias Badenhop habe aber die finanzielle Unterstützung einer Koordinierungsstelle Geburtshilfe angeboten, wenn der Kreis eine solche einrichten wolle.

Weitere Geburten im Rettungswagen

Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD) zeigt sich enttäuscht von der Reaktion aus Kiel. „Das ist eine brutale Situation für den Nordkreis“, so der Verwaltungschef. Er hatte stets betont, dass es „zu einer zentralen Geburtshilfestation im Norden Ostholsteins keine Alternative gibt“. Wie auch seine Amtskollegen warnt Weber seit der Schließung der Geburtshilfe in Oldenburg vor Gefahren für werdende Mütter und ihre Babys aufgrund längerer Wege ins Krankenhaus.

In den vergangenen Jahren hatten insgesamt drei Frauen ihre Kinder im Rettungswagen zur Welt gebracht; 2017 kamen zwei weitere Fälle hinzu, wie die Sana-Kliniken bestätigen. Eine Frau sei „quasi im Schlaf von der Geburt überrascht worden“, die andere lebe im Kreis Segeberg und habe auf eigenen Wunsch den längeren Weg Richtung Eutin angetreten, berichtet Unternehmenssprecher Michael Hesse. Bei insgesamt voraussichtlich 1200 Geburten im Jahr 2017 liege die Quote von Geburten im Rettungswagen damit bei 0,16 Prozent, rechnet er vor.

Dass derlei Situationen die Ausnahme bleiben, davon gehen auch die Mitglieder des „Bündnisses für Geburtshilfe“ aus. Dennoch sei „jeder Fall ein Fall zu viel“, heißt es übereinstimmend. Hinzu komme, dass die Lage junge Familien abschrecke, warnen die Vertreter von Städten und Gemeinden. Es sei kaum möglich, junge Menschen auf dem Land zu halten oder gar als neue Einwohner zu gewinnen, wenn die medizinische Versorgung eingeschränkt werde.

Schlechtere Versorgung auf dem Land?

In der Eutiner Sana-Klinik wurde mittlerweile entschieden, „aus Gründen der Qualitätssicherung“ nur noch Schwangere zu versorgen, die mindestens in der 32. Woche sind oder deren Baby ein zu erwartendes Geburtsgewicht von 1500 Gramm hat. Die Gewerkschaft Verdi hat Sana jüngst auch mit Blick auf andere medizinische Bereiche vorgeworfen, sich „immer weiter aus der Fläche zurückzuziehen“ – eine Kritik, die die Geschäftsführung entschieden zurückweist. Um die Zukunft der Entbindungsstation gab es derweil sogar im Lübecker Marienkrankenhaus vor Kurzem Sorgen, weil die Haftpflichtversicherung für Belegärzte teurer wird (LN berichteten).

Von Resignation

bis Kampfgeist

Wie, beziehungsweise ob sich das „Bündnis für Geburtshilfe“ nach dem jüngsten Rückschlag weiter für sein Ziel einsetzt, ist bisher unklar. Fehmarns stellvertretender Bürgermeister Werner Ehlers (CDU) zeigt sich ernüchtert: „Weitere Beschlüsse können wir uns sparen“, sagte er jüngst in einer Sitzung der Stadtvertretung. Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) dagegen will sich noch nicht geschlagen geben: „Ich gehe davon aus, dass wir weitere Schritte unternehmen werden“, sagt er. Wie die aussehe könnten, solle demnächst in großer Runde beraten werden.

Allianz gegründet

2014 wurde die Geburtshilfe in Oldenburg geschlossen. Seitdem fordern die Kommunen im Norden Ostholsteins für deren Wiedereröffnung. Sie haben sich inzwischen mit weiteren Partnern zum „Bündnis für Geburt“ zusammengeschlossen.

Den Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Situation für Schwangere, der im Auftrag des Landes erstellt worden war, halten die Betroffenen im Nordkreis für „wenig hilfreich“.

 Jennifer Binder

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