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Ostholstein Hildegard Olnhoff wird heute 105 Jahre alt
Lokales Ostholstein Hildegard Olnhoff wird heute 105 Jahre alt
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12:08 05.12.2018
Hildegard Olnhoff in ihrem Zimmer in der Kurpark-Residenz. Diese Bilder von ihrem Ehemann, ihrem Sohn als Matrose, der Tochter und einer Enkeltochter zeigen einen kleinen Teil ihrer Familie. Quelle: Luisa Jacobsen
Haffkrug

Als Hildegard Olnhoff am 5. Dezember 1913 im damaligen Königsberg (Kaliningrad) geboren wurde, war der Erste Weltkrieg noch nicht ausgebrochen. Als sie 1937 heiratete, war es nicht mehr lange bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Und als sich dieser Krieg dem Ende neigte, da floh Hildegard Olnhoff mit ihren zwei kleinen Kinder über das gefrorene Frische Haff aus Ostpreußen. Gemeinsam mit ihrem Mann lebte sie dann in und um Hamburg herum, erlebte den Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder, alles das, was jüngere Menschen nur aus Geschichtsbüchern und von alten Schwarz-Weiß-Fotos kennen. „Ich hatte ein bewegtes Leben“, sagt Hildegard Olnhoff. „Und viel Glück dabei.“

Mit 90 Jahren zuletzt die Heimatstadt besucht

Heute feiert Hildegard Olnhoff ihren 105. Geburtstag. Zusammen mit vielen Verwandten und ihrer Tochter Christa, die in Frankreich lebt und trotz ihres hohen Alters regelmäßig zu Besuch kommt. Zwei Menschen, die in ihrem Leben viel bedeutet haben, können nicht dabei sein. „Mein Ehemann starb schon mit 66 Jahren“, sagt Hildegard Olnhoff. „Wir waren sehr verbunden“. Und auch ihren Sohn hat sie bereits überlebt. Das sind schlimme Erinnerungen, mit denen Hildegard Olnhoff zu leben gelernt hat. 

Wenn sie erzählt, erzählt sie vor allem Schönes: Zum Beispiel von ihrer Jugend – damals, als sie sich Papier in die schicken, aber zu großen Schuhe ihrer Mutter gesteckt hat, um auf Absatzschuhen eine Königsberger Promenade entlanglaufen zu können. Und sie lächelt bei den Erinnerungen an das Leben nach der Flucht, nachdem ihr Mann aus dem Krieg zurückgekehrt war. „Ich arbeitete in einer Genossenschaftsbank, damit er sein Studium beenden konnte“, erzählt sie. Bankangestellte hatte sie an der städtischen Handelsschule in Königsberg gelernt.

„Mein Mann wurde Lehrer, Oberstudienrat, dann Rektor.“ Wenn er versetzt wurde, musste die Familie umziehen. Gestört haben Hildegard Olnhoff diese Ortswechsel nie. Wo die Familie gelebt hätte, sei es ihnen gut ergangen und ihre Heimat, die hatten sie ja ohnehin verloren. „Vier Mal habe ich Königsberg noch besucht“, sagt Hildegard Olnhoff. Zuletzt mit 90 Jahren. Und gefreut habe sie sich, als sie einmal gesehen habe, wie schön das Haus, in dem sie einst lebte, hergerichtet worden sei.

„Der liebe Gott hat mich nie gefunden, ich war so viel unterwegs“

Dankbar sei sie, sagt Hildegard Olnhoff. Für ihre Kinder, die so gut geraten seien. Dafür, dass sie die Flucht zusammen überstanden haben. Für ihr ganzes, bewegtes Leben. „Früher habe ich noch oft meine Tochter in Frankreich besucht“, erzählt sie. Umzüge, Reisen, Ortswechsel hätten ihr Leben geprägt. „Deswegen sage ich immer, der liebe Gott hat mich nicht gefunden, ich war zu viel unterwegs.“ Jetzt, mit 105 Jahren, geht das nicht mehr. Doch sie habe auch nicht mehr so viele Bedürfnisse.

Hildegard Olnhoff wohnt in der Kurpark-Residenz Haffkrug, hat ihr Zimmer geschmackvoll eingerichtet. Was ihr wichtig ist: dass sie auf dem Laufenden bleibt. „Ich schaue jeden Abend Nachrichten“, sagt sie. Gleichzeitig sei der Abend die einzige Tageszeit, an der der Fernseher laufe. Tagsüber stricke sie gern – für Menschen in ihrem Umfeld und auch für gemeinnützige Organisationen. Zuletzt engagierte sich Hildegard Olnhoff gegen die Abschiebung der Flüchtlingsfamilie K. (die LN berichteten). Das Altern mache ihr keine Angst, im Gegenteil: „Johannes Heesters wurde auch am 5. Dezember geboren“, sagt sie. „Nur zehn Jahre früher. Ich habe einmal gedacht, ich möchte mindestens so alt werden wie er.“

Auf Facebook gratulieren zahlreiche LN-Leser:

Sie hat zwei Weltkriege erlebt, die Nachkriegszeit, das Wirtschaftswunder. Wir sagen herzlichen Glückwunsch!

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Mittwoch, 5. Dezember 2018

Luisa Jacobsen

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