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Ostholstein Gedenkstätte erweitert die Ausstellung
Lokales Ostholstein Gedenkstätte erweitert die Ausstellung
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22:12 12.09.2016
Der Archäologie-Student Michel Berning gehörte zu den interessierten Ausstellungsbesuchern am Tag des offenen Denkmals. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen

Nachdenklich, still, beeindruckt oder tief bewegt – jeder, der den Tag des offenen Denkmals am Sonntag zu einem Besuch in der Gedenkstätte Ahrensbök nutzte, verließ das Gebäude auf seine ganz eigene Art. Die Historikerin Dr. Ingaburgh Klatt, Vorsitzende des etwa 70 Mitglieder starken Trägervereins, führte durch die Gedenkstätte, beantwortete viele Fragen, hörte selber auch Neues.

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Viele interessierte Besucher am Tag des offenen Denkmals – Förderverein in Ahrensbök sucht altes Büromobiliar.

Michel Berning (25) kam mit seinen Eltern aus Eutin erstmals nach Holstendorf. Er besuchte früher die Wilhelm-Wisser-Realschule in Eutin und studiert derzeit Archäologie in Köln. „Bis heute wusste ich gar nichts von dieser Gedenkstätte. Und ich weiß auch nicht, warum unsere Klassen immer nach Neuengamme ins ehemalige KZ gefahren sind. Hier haben wir doch etwas ganz Ähnliches in der Nähe“, gab er zu bedenken. Seine Mutter Sigrid Berning (57) kennt Dunkelsdorf durch ihren Vater gut. „Das, was den Juden dort angetan wurde, habe ich aber erst hier in der Ausstellung entdeckt.“

Ingaburgh Klatt blickte aber nicht nur in die Vergangenheit, sondern berichtete auch von Zukunftsplänen. Nachdem bereits die drei Themen „Frühes KZ“, „Schule“ und „Todesmarsch“ dargestellt und dokumentiert sind, geht es jetzt um das Thema „Zwangsarbeit“. Die Einzel-Ausstellung soll am 2. April 2017 eröffnet werden. Zu sehen sein wird dann auch ein Büro, wie es eines in der neben der Gedenkstätte gelegenen Flachsröste gegeben haben könnte. „Wir suchen noch Büromobiliar aus den Jahren 1936 bis etwa 1954“, sagte Klatt und zeigte einen alten Locher, den sie gerade geschenkt bekommen hatte.

Für 2017 haben sich bereits sieben Klassen aus der Polizeischule in Eutin für Führungen angemeldet. Und an diesem Donnerstag werden Richter und Staatsanwälte durch die Gedenkstätte geführt.

Ingaburgh Klatt wird auch ihnen dann von der wechselhaften Vergangenheit des Gebäudes berichten. Errichtet wurde es 1883 als Wohnhaus des Direktors einer Zuckerfabrik. Die Zuckerfabrik ging ebenso pleite wie Jahre später eine chemische Fabrik. Der Freiwillige Arbeitsdienst (FAD) der Reichsbannerjugend (SPD) musste 1933 nach kurzem Aufenthalt das Haus räumen, weil dort vom 3. Oktober bis zum 5.

Dezember desselben Jahres ein frühes Konzentrationslager eingerichtet wurde. Heute ist es das einzige erhaltene Gebäude mit dieser Geschichte in Schleswig-Holstein.

Nach den KZ-Häftlingen, die knapp neun Wochen in dem Gebäude inhaftiert waren, folgten von Januar bis Ostern 1934 Ahrensböker Realschüler. Zwei Jahre später entstand eine Flachsröste, in der während der Kriegsjahre Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Es folgten wechselnde Besitzer, bis im Jahr 2000 ein Trägerverein das leer stehende und heruntergekommene Gebäude mit öffentlichen Mitteln der Gemeinde Ahrensbök, des Kreises und des Landes erwarb. Eröffnet wurde die Gedenkstätte am 8. Mai 2001. 2003 wurde das Haus „wegen der besonderen historischen Bedeutung im öffentlichen Interesse“ zum Denkmal erklärt.

Mitglieder des Trägervereins haben in den vergangenen Jahren ideell und manuell gemeinsam versucht, dieses Denkmal zu erhalten. Sie verhinderten in Eigenarbeit, dass das marode Haus verkam. Anfangs wurde die Stätte ohne öffentliche Hilfe, nur unter Einsatz von Mitgliedsbeiträgen und Spenden, mühsam instand gehalten. Allerdings halfen viele freiwillige Helfer – wie die jungen Leute des Bugenhagenwerks oder die Teilnehmer der jährlich stattfindenden internationalen Jugendsommerlager. 2008 bekam der Trägerverein erstmals finanzielle Hilfe des Bundes, und seit einigen Jahren fließen Landesmittel.

Kostenlose Führungen sind dienstags und sonntags

Die Gedenkstätte ist jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr und jeden Dienstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Sie kann nach Anmeldung auch an anderen Tagen besucht werden. Das Gebäude liegt an der Flachsröste 16 im Ahrensböker Ortsteil Holstendorf an der Bundesstraße 432, Telefonnummer 04525/493 060, E mail: gedenkstaetteahrensboek@t-online.de.

Eintritt und Führungen sowie die Teilnahme an Veranstaltungen sind kostenfrei. Spenden sind willkommen.

Christina Düvell-Veen

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