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Ostholstein Gefährlicher Irrtum: Soldat feuert Rakete auf Flugzeug ab
Lokales Ostholstein Gefährlicher Irrtum: Soldat feuert Rakete auf Flugzeug ab
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13:35 21.09.2013
Mit einer FIM-92 Stinger wie dieser zielte ein Soldat auf ein Flugzeug. Quelle: dpa
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Putlos/Oldenburg

Gefährlicher Zwischenfall auf einem Schießplatz der Bundeswehr: Statt auf eine Drohne hat ein Soldat im ostholsteinischen Putlos eine Stinger-Rakete auf ein Flugzeug abgefeuert. Das Geschoss verfehlte zum Glück sein Ziel. Um den Vorfall aufzuklären, hat die Bundeswehr ausgerechnet den Major eingesetzt, der auch die Verantwortung für die gesamte Übung hatte. Das Ergebnis der internen Untersuchungen der Bundeswehr: Zwei Jahre nach dem Vorfall musste sich gestern ein damals 25-jähriger Feldwebel wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr verantworten.

Dieser Feldwebel musste sich gestern vor dem Oldenburger Amtsgericht wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr verantworten. Doch während des Prozesses kamen erhebliche Zweifel an den Darstellungen auf. „Bei der Bundeswehr trifft nicht ein Mann alle Entscheidungen“, so der Richter. Auch die Staatsanwaltschaft hatte Zweifel.

Klar ist: Es war Ende Mai 2011, als der Feldwebel mit seiner Einheit auf dem Schießplatz in Putlos zum Üben war. Mit der Fliegerfaust „Stinger“ sollte der Abschuss von Flugzeugen trainiert werden. Nach diversen Trockenübungen ging es für den Angeklagten um kurz nach zehn Uhr mit seinem Trupp schließlich auf die Schießbahn sechs des Truppenübungsplatzes.

Um 11 Uhr sollte das Schießen beginnen. Doch schon vorher gab der als Feuerleiter eingesetzte Unteroffizier den Abschussbefehl. Ein Fehler, der tödlich hätte enden können. Denn im Fadenkreuz des Schützen stand ein ziviles Flugzeug, dass im Auftrag der Bundeswehr so genannte Schleppziele zieht. Schleppziele sind Säcke, die von bemannten Flugzeugen an bis zu sechs Kilometer langen Seilen gezogen werden. Die übenden Soldaten feuern dann mit Flugabwehrgeschützen darauf. Für die Stinger-Übungen werden eigentlich unbemannte Drohnen verwendet.

Dass das anvisierte Ziel ein bemanntes Flugzeug und keine Drohne war und zudem auf der benachbarten Bahn flog, erkannte bei dem Vorfall offenbar niemand. Ausgestattet mit einem Sensor zur selbstständigen Zielsuche schoss die Stinger mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit auf das Flugzeug zu. Warum die mit einer Trefferquote von 80 Prozent angegebene Rakete ihr Ziel verfehlte und in einem Waldstück des Schießplatzes einschlug, ist unklar.

Nach zwei Stunden, mehrmals durch Pausen unterbrochen, hinterließ der Prozess gestern mehr offene Fragen als geklärte, vor allem zur Sicherheit auf dem Schießplatz Putlos. Die Bundeswehr selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Da sind ja noch andere Beteiligte, die nicht ganz optimal gehandelt haben, um das mal vorsichtig auszudrücken“, sagte der Richter. Das Verfahren stellte er gegen eine Geldbuße auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Geldstrafe ein. Für den vor dem Ende seiner Bundeswehrzeit stehenden Feldwebel ist der Vorfall aber noch nicht erledigt. Gegen ihn ermittelt die Bundeswehr in einem Disziplinarverfahren.

Dort, so der Richter, werden dann hoffentlich die offenen Fragen geklärt werden können, so dass am Ende für mehr Sicherheit auf dem Übungsplatz gesorgt werden kann.

Holger Marohn

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Rakete für den Handgebrauch
 
Der Truppenübungsplatz Putlos westlich von Oldenburg liegt unmittelbar an der Ostseeküste. Der Platz ist mit einer Landfläche von 12,5 km2 relativ klein, mit dem Sicherheitsbereich auf See erweitert sich die Fläche aber auf 486 km2. Im Jahr 1935 wurde das Gebiet zum Übungsplatz für Panzer, seit 1957 nutzt ihn die Bundeswehr.

Die FIM-92 Stinger (Foto) ist eine infrarotgelenkte Luftabwehrrakete, hergestellt wird die Waffe in den USA. Sie hat eine Reichweite von etwa vier km und kann per Hand oder von Fahrzeugen aus abgefeuert werden. Die Bundeswehr schaffte Ende der 90er Jahre etwa 4400 Stinger- Raketen an, sie werden von Heer, Luftwaffe und Marine eingesetzt.

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