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Gefährlicher Wind: Kentergefahr auf der Ostsee

Heiligenhafen/Niendorf Gefährlicher Wind: Kentergefahr auf der Ostsee

Eine frische Brise sorgt bei Seglern normalerweise für zufriedene Gesichter. Doch dieser Sommer hat es in sich. Wassersportler geraten immer wieder bei extremen Sturmböen in Notsituationen. Experten raten Seglern und Surfern zur Vorsicht.

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Diese Yacht wurde an den Steinwarder-Strand gespült. Die DLRG Heiligenhafen half bei der Bergung.

Quelle: Foto: Dlrg (hfr)

Lensahn. Daniel Heuser, Wachleiter der DLRG in Heiligenhafen, sagt: „Wir haben schon viele Einsätze mit Surfern und Seglern in diesem Jahr.“ Erst vor zwei Wochen sei eine manövrierunfähige Yacht an den Strand gespült worden. Der Strand von Heiligenhafen sei außerdem ein besonderer Standort, weil er nicht in einer Bucht sondern am offenen Meer liege.

LN-Bild

Vor Heiligenhafen und Niendorf mussten Skipper gerettet werden.

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„Es bleibt dabei, es wechseln sich Tiefdruck-Gebiete ab. Robert Scholz, Deutscher Wetterdienst

DLRG-Abschnittsleiter Hubertus Patzelt aus Heiligenhafen: „Der Segler, der vor zwei Wochen hier angespült wurde, hatte großes Glück. Er hätte auch leicht ins Buhnenfeld treiben können.“ Dies sei ein seltener Großeinsatz gewesen. Problematisch seien die sehr unterschiedlichen Strömungsverhältnisse vor Heiligenhafen durch sich ständig drehende Winde. Das bedeutet für die Rettungsschwimmer: erhöhte Wachsamkeit. Auch fehlen der DLRG in Heiligenhafen laut Patzelt bisher noch die Erfahrungswerte für den Bereich der neuen Testbuhnenfelder. Daher sei der jüngste Einsatz für alle Beteiligten lehrreich gewesen.

Weiter südlich beim Niendorfer Yachtclub erklärt Hafenmeister Volker Wolpert: „Wir spüren das auch. Wir hatten erst in der Vorwoche einen Vorfall.“ Eine Yacht mit Motorschaden sei in der Brandung an den Strand gespült worden. Sie musste abgeschleppt werden.

In der vergangenen Woche wurde bei der Travemünder Woche ein kompletter Regattatag bei den Profiseglern abgesagt, aus Sicherheitsgründen. Auch das hatte es lange nicht mehr gegeben.

Kim Seemann, Hafenmeister in der Ancora Marina in Neustadt, bestätigt diese Eindrücke und erläutert: „Das Wetter ist in der Tat tückisch und auffällig.“ In Neustadt habe er zwar noch von keiner Notsituation gehört, dennoch rät er: „Die Touren müssen gut geplant sein.“ Für Prognosen empfiehlt er den Deutschen Wetterdienst. Der im Internet bei Surfern und Seglern beliebte Windfinder sei zu unpräzise.

Ralf Baur von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sagt: „Unser Wirkungsbereich ist auf See. Dort haben wir im Vergleich zu 2016 noch keine Häufung an Einsätzen.“

Signifikant hoch sei die Einsatzzahl 2014 gewesen – damals gab es häufig starke Ostwinde, es kam sogar zu Todesfällen. Ein besonders ruhiges Jahr sei dagegen 2015 gewesen. Diesen Sommer sorgen immer wieder Tiefdruckgebiete für böige und tückische Winde. Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst meint: „Das bleibt die kommenden Wochen auch so.“ Ein gleichbleibendes Hochdruckgebiet sei nicht in Sicht. Morgen und Freitag erwarte er erneut Windstärken von sieben bis acht. Ruhige Flautetage seien bisher die Seltenheit. Allerdings schränkt er ein: „So richtig stürmisch ist es auch nicht, aber für Wassersportler können diese Böen schnell zu viel sein.“

Hinzu kommt, dass es erfahrungsgemäß im August/September weiter auffrischt – während zeitgleich die Retter der DLRG ihre Zelte abbrechen. Vorsicht bleibt das Gebot der Stunde.

Verrücktes Wetter: Hagel und Sturm

So groß wie Eiswürfel waren die Hagelkörner, die am Sonntag zwischen Heiligenhafen und Lensahn vom Himmel fielen. Nur wenige Minuten dauerte das heftige Unwetter – doch die Schäden reichten von Dellen in Autodächern bis zu entwurzelten Bäumen. Beim Triple Ultra Triathlon in Lensahn kippte das Gerüst um, das das Ziel markierte – gerade, als der Kindertriathlon lief. Verletzt wurde aber zum Glück niemand.

Die Retter waren nach Angaben von Feuerwehrchef Hartmut Junge von 14.45 bis 19.30 Uhr im Einsatz, um die Folgen des Unwetters zu beheben. Vom Verlauf her habe das Ganze an den Tornado erinnert, der vor zwei Jahren durch Oldenburg fegte: Auf einem schmalen Streifen hätten sich Wind und Hagelschauer ihren Weg durchs Gemeindegebiet gesucht und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, berichtet Junge. An der Ortsgrenze Richtung Oldenburg seien an drei Eichen oberschenkeldicke Äste abgebrochen, Richtung Beschendorf sei ein mehr als einen Meter dicker Baum komplett umgekippt.

Privatleute beklagen zudem Schäden an Autos und Häusern. jen

 Peter Mantik

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