Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Gefahr für Tiere: Heckenschere und Mähroboter
Lokales Ostholstein Gefahr für Tiere: Heckenschere und Mähroboter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:36 08.08.2016
Bevor es an die Hecke geht, sollte diese aufmerksam abgeklopft werden. Quelle: Fotos: Fotolia, Hofmann (2), Archiv

Der Sommer ist die Hochzeit der Gartenarbeit: Hecken und Sträucher werden beschnitten, der Rasen gemäht. Doch die Arbeit mit immer größeren und automatisierten Geräten hat auch Nachteile für die heimischen Wildtiere. Amseln, Eichhörnchen, Igel und vor allem ihre Brut fallen in diesen Wochen häufig Gartengeräten zum Opfer.

Zur Galerie
Immer öfter müssen schwerverletzte Igel und Vögel eingeschläfert werden.

„Für Igel ist der Trimmerfaden in Kantenschneidern lebensbedrohlich. Wir hatten gerade erst ein Tier, dem ist regelrecht die Nase abgeschnitten worden“, warnt Anna Gomberg, Vorsitzende der Tierhilfe Ostholstein. Über den Sommer würden immer wieder Tiere bei ihr abgegeben, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen nur noch eingeschläfert werden könnten.

„Dabei gibt es doch ein einfaches Mittel, um sie zu schützen: Rasenflächen vor dem Mähen abgehen und Hecken abklopfen“, empfiehlt die passionierte Tierschützerin den Hobbygärtnern. Viele Bauern und Jäger gingen mittlerweile vor der Ernte mit ihren Hunden durch die Felder, um Wildtiere aufzuscheuchen und so vor den großen Mähwerken zu bewahren. Doch was auf Ostholsteins Feldern Praxis ist, sollte gemäß Landesnaturschutzgesetz auch in Privat- und Kleingärten beherzigt werden: „Wir müssen nichts Neues erfinden, das Einhalten bestehender Gesetze reicht aus“, sagt Thomas Kleinworth.

Wichtig sei das Bewusstsein, „dass wir nicht allein sind im Garten“, so der Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Landesverbandes der Gartenfreunde e.V.

Während der Kleingarten vielerorts mangels Stromanschluss nicht das richtige Revier für „Mähroboter“ ist, klingt das Versprechen der Hersteller, den Rasen wie von Geisterhand gemäht zu bekommen, für viele Gartenbesitzer ziemlich verführerisch. Das Grün werde vollautomatisch auf Schnitt gebracht, Hindernisse Dank intelligenter Technik umfahren. Die Realität sieht jedoch anders aus: Personen oder Haustiere dürfen sich nicht im Schnittbereich befinden. Laut Bedienungsanleitung eines großen deutschen Herstellers wird empfohlen, den Einsatz ansonsten auf die Nacht zu verlegen. Während der Rasen dann einerseits nass sein dürfte, seien nachtaktive und noch unbeholfene Jungtiere erst recht in Gefahr, so Anna Gomberg.

Heribert Wettels von Gardena und Husqvarna betont jedoch, dass sich das Mähwerk weit im Gehäuse befände, Kanten aus Sicherheitsgründen gemieden und das langsame Tempo den meisten Wildtieren genug Zeit zur Flucht geben würde. Besorgten Gartenbesitzern empfiehlt er „Barrieren als Zugangssperre zur Rasenfläche“ aufzustellen. Hobbygärtner sollten also Vorsicht walten lassen, wenn sie im heimischen Garten aktiv werden.

Wohin mit verletzten Tieren?

Sollten Sie ein verletztes Tier finden, schauen Sie zuerst, ob es sich selbst helfen kann. Häufig berappelt es sich nach ein paar Minuten wieder. Ansonsten ist der Tierarzt der nächste Ansprechpartner. Tipps zum richtigen Umgang mit verletzten Tieren und eine Liste mit Kontaktpersonen finden Sie unter „Erste Hilfe“ auf der Internetseite der Tierhilfe Ostholstein.

• Infos: www.tierhilfe-ostholstein.de

 Marc R. Hofmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige