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Ostholstein Gefeierte Aufführung von Haydns Jahreszeiten-Oratorium
Lokales Ostholstein Gefeierte Aufführung von Haydns Jahreszeiten-Oratorium
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20:28 11.11.2013
Ende einer brillanten Aufführung: Chor und Orchester mit Andreas Wolf, Sylvia Koke und Andreas Karasiak (von links). Quelle: Fotos: Peyronnet
Eutin

Es ist der Höhepunkt im Jahr der Chorsänger: das eine große Oratorium, in monatelanger Probenarbeit einstudiert, das meistens zum Ende des Kirchenjahres im November auf dem Programm steht. Die Kantorei von St. Michaelis in Eutin führte diesmal zusammen mit Partnern das Oratorium „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn auf. Ein großes Werk, in einer großartigen Aufführung ausgebreitet.

Kirchenmusikdirektor Martin West beweist wieder einmal seine Klasse. Für jede der vier Jahreszeiten hat Haydn einen Klangteppich gewebt, in dem Chöre, Rezitative und Arien nahtlos ineinander übergehen. Das stellt höchste Anforderungen an den Dirigenten, der ein riesiges Orchester, den Chor und die Solisten zu einer Einheit zusammenführen muss. West, kein Mann großer Worte und einer, der wenig Aufhebens um sich selbst macht, beweist am Dirigentenpult, was er musikalisch will. Seine überaus präzisen Angaben machen das Wagnis Jahreszeiten zu einer sicheren Sache. Das zeigt sich schon beim musikalischen Paukenschlag ganz am Anfang und setzte sich durch zweieinhalb Stunden hindurch fort.

Gleich mit dem ersten Ton überzeugt auch der junge Bass-Bariton Andreas Wolf in der Rolle des Simon. Seine Stimme hat eine unglaubliche Präsenz, die mühelos bis in den letzten Winkel der großen Kirche trägt. Rund, tief, volltönend gestaltet Wolf seinen Solopart. Das Sahnehäubchen obendrauf sind die lyrischen Texte des „Jahreszeiten“-Librettisten Baron Gottfried van Swieten, etwa in der Arie „So eilet froh der Ackersmann“, in der es heißt: „In langen Furchen schreitet er dem Pfluge flötend nach.“ Sylvia Koke (Sopran), in Eutin bestens bekannt, gestaltet ihren Part als Hanne anrührend bis kraftvoll. Sie beweist in jeder Höhe ihre Klasse, interpretiert ihren Part mit glockenreiner und substanzreicher Stimme. Tenor Andreas Karasiak als Lukas überzeugt mit schöner Stimmfarbe und brilliert vor allem in der Sommerhitze-Arie, der Cavatine des Lukas: „Und kraftlos schmachten Mensch und Tier, am Boden hingestreckt.“ Keiner schmachtet schöner als Karasiak. Herausragend auch die Terzette, in denen sich die Stimmen von Wolf, Karasiak und Koke zu schönem Klang vereinen.

Und keiner jubelt schöner als die Kantorei von St. Michaelis, verstärkt durch den Hamburger Kammerchor „Cantico“, dessen Leiter Norbert Hoppermann einst in Eutin als Kirchenmusiker an der katholischen Mariengemeinde wirkte. Ausgestattet mit jungen Sopranistinnen, vielen Altistinnen und einer durchaus ansehnlichen Riege an Männerstimmen, zeigt sich der Chor ebenbürtig zum großen Orchester. Die Tempiwechsel gelingen fehlerlos, und selbst wenn der Chor aus vollem Galopp stoppen muss, gelingt ihm dies mit Bravour. Präzise erfüllt das Ensemble seine große Aufgabe. Gleiches gilt für das Orchester, das mit deutlich hörbarer Spielfreude überzeugt.

Nach dem furiosen Finale von Terzett und Doppelchor bleibt das Publikum in der voll besetzten Kirche zunächst still und atemlos. Dann bricht frenetischer Beifall los. Den haben sich alle Mitwirkenden an diesem breit angelegten Werk wahrlich verdient.

„In langen Furchen schreitet er dem Pfluge flötend nach.“
Arie des Simon

Susanne Peyronnet

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